weather-image
28°

Bei der interdisziplinären Frühförderung »spielerisch« lernen

2.9
2.9
Bildtext einblenden
Christine Teply Jahn zeigt dem siebenjährigen Tobi, wie er den Stift richtig hält und wie er gleich große Kreise aufs Papier malen soll. (Foto: Artes)

Traunstein – Viele Eltern kennen das: Ihr Kind hat Schwierigkeiten beim Greifen, mag nicht spielen, spricht undeutlich, ist unruhig oder sogar zappelig, ungeschickt beim Malen und Basteln oder hat sogar Probleme im Umgang mit anderen Kindern. Doch was tun, damit das besser wird? Hilfe gibt es bei der Frühförderstelle (FFS) in Traunstein.


Rund 20 qualifizierte Fachkräfte helfen weiter und kombinieren heilpädagogische und medizinische Behandlungsmethoden, wie FFS-Leiter Martin Mende-Döring erklärt. Die Idee ist es, Kinder und deren Familien bei Problemen frühzeitig zu unterstützen. »Wir wollen Behinderungen vorbeugen oder den vorhandenen Einschränkungen entgegenwirken«, so Mende-Döring weiter. Unter Einschränkungen versteht man zum Beispiel, wenn ein Kind Probleme in der Bewegungskoordination hat, sich beim Sprechen schwer tut, oder auch wenn es Verhaltensauffälligkeiten zeigt, die zu Problemen im Miteinander im Kindergarten oder in der Familie führen.

Anzeige

Bestmögliche Förderung für das Kind herausholen

Für jedes Kind muss eine geeignete, individuelle Therapieform gefunden werden. Kombiniert werden Methoden aus Pädagogik, Psychologie, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Motopädie. Um die bestmögliche Förderung für das Kind herauszuholen, finden auch regelmäßig Gespräche mit den Eltern und Kinderärzten statt, damit die Behandlung entsprechend angepasst oder verändert werden kann, so der FFS-Leiter.

Ein Kind, das seit September einmal pro Woche in die FFS kommt, ist der siebenjährige Tobi (Name von der Redaktion geändert). Er hat Probleme mit der Feinmotorik und kann sich Dinge nur schwer merken. Deswegen geht er auch noch nicht in die Schule, sondern bekommt gerade die Vorschulfähigkeiten beigebracht, zum Beispiel wie man einen Stift richtig in der Hand hält. Ergotherapeutin Christine Teply Jahn bringt dem Siebenjährigen »alles spielerisch« bei. Sie betont, wie wichtig es ist, dass die Kinder Spaß am Lernen haben.

Damit Tobi nicht nur in den 45-minütigen Sitzungen gefordert ist, bekommt er auch Hausaufgaben, die er dann zusammen mit der Ergotherapeutin bespricht. Um die motorischen Fähigkeiten zu verbessern, musste Tobi das Malen von Kreisen üben. Nachdem die alte »Hausi« zusammen angesehen wurde, bekommt der Siebenjährige gleich die neue, für die er wieder eine Woche Zeit hat: Zu einem Gedicht über einen Kuckuck muss er passend zur Melodie wieder Kreise aufs Papier malen. Gerade was die Arbeit zu Hause angeht, ist laut Christine Teply Jahn vor allem auch die Unterstützung der Eltern sehr wichtig. »Wenn die Eltern etwas beitragen, kann zu Hause mehr passieren.« Auch sportliche Übungen stehen für Tobi auf dem Programm. »Kinder definieren sich oft über Bewegung«, erklärt die Ergotherapeutin. Erst muss er Tiere richtig benennen, sagen aus wie vielen Silben das Wort besteht und die entsprechende Anzahl auf Matten hüpfen. Das fördere die Konzentration und er müsse mitdenken, so Christine Teply Jahn weiter. Eine ähnliche Wirkung haben auch verschiedene Klatschspiele, die Tobi sichtlich Spaß machen.

Kosten übernehmen Krankenkassen und Bezirk

In der FFS werden Kinder vom Säuglings- bis zum Vorschulalter unterstützt. Eltern, die sich Sorgen um ihr Kind machen, können sich in der FFS beraten lassen. Sollte eine Behandlung erforderlich sein, müssen sich die Eltern aber an ihren Kinderarzt wenden, der die Therapie erst genehmigen muss, so Mende-Döring. Die Kosten für die Behandlung übernehmen dann die jeweilige Krankenkasse und der Bezirk Oberbayern. Träger ist das Behandlungszentrum Aschau, eine Einrichtung der Katholischen Jugendfürsorge der Erzdiözese München und Freising. Bei Fragen oder für die Vereinbarung eines Beratungstermins ist die FFS unter der Telefonnummer 0861/69 509 erreichbar. Der nördliche Landkreis wird durch die Frühförderstelle Traunreut, erreichbar unter Telefon 08669/90 99 65, mit einem vergleichbaren Angebot abgedeckt. jar