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»Bei aller Sorge besonnen bleiben« – Wie die Corona-Krise die lokalen Unternehmen trifft

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Traunstein: Wie die Corona-Krise die lokalen Unternehmen trifft
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»Wir freuen uns auf die Zeit, wo wir wieder Kinder und Familien lachen und Spaß haben sehen«, sagt Steffen Himmer vom Babalu in Traunstein.

Landkreis – Es gibt viele Menschen in der Region, die nun zu kämpfen haben. Die unsicher sind, wie es weitergeht mit ihrem Betrieb, ihrer Gaststätte oder ihrem Unternehmen. Seit Freitag gelten nun noch strengere Regeln. Friseure müssen ganz schließen, Physiotherapeuten dürfen nur mehr im Notfall behandeln und Restaurants dürfen Speisen nur »To-Go« verkaufen. Wir haben mit einigen Betroffenen gesprochen.


»Jetzt ist es existenzbedrohend«, sagt der Waginger Klaus Lebek. Er ist Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga im Landkreis Traunstein. »Wir wissen alle nicht, wie es weitergehen wird.« Die Gäste bleiben weg, aber die Kosten laufen weiter. Derzeit müssen seine Mitarbeiter Überstunden abbauen oder Urlaub nehmen. Diese Praxis gelte auch für viele andere Betriebe in der Region. Auch Kündigungen werden manche Gastronomieoder Übernachtungsbetriebe ganz sicher in Erwägung ziehen müssen, wenn die Krise länger andauert, schätzt Lebek. 

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»Das ist für die Region dramatisch« 

»Ganz schlimm wird es die Speisegastronomie treffen«, ist sich der Hotelier sicher. Er befürchtet, dass rund 40 Prozent der Lokale und Gaststätten die aktuelle Krise nicht überstehen könnten. »Das ist für die Region dramatisch.« Inhaber, die ein gewisses Alter erreicht und keinen Nachfolger haben, werden zusperren, und nach der Krise nicht mehr weitermachen. 

Die angekündigten staatlichen Hilfen bewertet Lebek zwar positiv, allerdings geht er nicht davon aus, dass diese schnell greifen und unbürokratisch abgewickelt werden. »Und die Kredite wird es nicht zum Nullzins geben, das kann auf lange Sicht gesehen, gerade kleinen Betrieben das Genick brechen«, sagt Lebek. Auch Antrag auf Kurzarbeit werden viele Betriebe stellen. Allerdings müssen diese hier nachweisen, dass sie erst aufgrund der Corona-Krise in Schwierigkeiten geraten sind. »Selbst wenn das Geld rückwirkend für März gezahlt wird, weiß man nicht, wann der Antrag bearbeitet und das Geld überwiesen wird, das kann für viele dann zu spät kommen«, befürchtet Lebek. 

»Die Einnahmen brechen völlig ein« 

Friseure und Baumärkte müssen seit heute geschlossen bleiben, für Fitnessstudios gilt die Regel bereits seit Mittwoch. Das sei »eine extreme wirtschaftliche Herausforderung«, wie Bernhard Dobler vom Sport- und Therapiezentrum in Haslach im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt sagt. »Die Einnahmen brechen völlig ein, Fixkosten bleiben aber bestehen. Der Verlust pro Woche ist im fünfstelligen Bereich.« Trotzdem ist Bernhard Dobler überzeugt: »Die Entscheidung der Staatsregierung ist absolut richtig.« Die Corona-Pandemie fordere die ganze Gesellschaft. Wichtig sei, »besonnen zu bleiben bei aller Sorge und mitzuhelfen, den Ausbruch der Epidemie zu verzögern und abzuflachen«, betont Dobler. 

Im Bereich Sport und Fitness sei Kurzarbeit angemeldet worden, »die Arbeitsstunden werden auf Null runtergefahren«, sagt Dobler. Lediglich in der Verwaltung, der Reinigung und im Bereich Hausmeistertätigkeiten würden die Mitarbeiter noch einige Stunden arbeiten. Auch wenn das Ganze finanziell gesehen sehr schwierig sei, bestehe derzeit zumindest keine existenzielle Gefahr. »Da aber die Dauer des Katastrophenfalls verlängert werden könnte, wird es auf jeden Fall finanziell sehr belastend«, betont Bernhard Dobler. 

Praxen für Physiotherapie, Ergotherapie und Osteopathie dürfen ab heute nur noch Notfallpatienten behandeln. Von insgesamt rund 80 Mitarbeitern inklusive Freiberuflern und Minijobbern würden im Sport- und Therapiezentrum in Haslach mit der neuen Anordnung des Ministerpräsidenten Markus Söder von gestern nur noch fünf Mitarbeiter arbeiten, so Bernhard Dobler. 

Auf die Frage, welche Möglichkeiten es gebe, die Fitness-Studio-Mitglieder bei der Stange zu halten, und wie es mit den monatlichen Beiträgen aussehe, sagt er: »Das ist ein sehr schwieriges Thema, über das wir derzeit keine Auskunft geben können.« Das Problem betreffe ja alle Studios und man erwarte hier Auskünfte der Verbände und eine einheitliche Regelung. Doch Dobler hofft einfach auch, »dass die Mitglieder unabhängig von der rechtlichen Situation in dieser schwierigen Zeit zu uns stehen«. Das Sport- und Therapiezentrum in Haslach hat 1500 feste Mitglieder im Bereich Fitness. »Wenn die Beiträge wegfallen, wäre die Situation enorm belastend.« 

»Das macht keinen Sinn« 

Für Steffen Himmer, der zusammen mit seinem Onkel Jochen drei Babalu-Kinderparks in Traunstein, Grafenau und Passau hat, war die Schließung »ein sehr bewegter und trauriger Tag. Die Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken und dann den komplett leeren, stillen und eingemotteten Park zuzusperren, war ein wirklich komisches Gefühl«, sagt der Überseer.

Für sein Unternehmen sei das ein »Vollausfall aller Einnahmen«. Aber es würden natürlich weiterhin feste monatliche Kosten wie Miete, Versicherungen oder Leasingraten für verschiedene Geräte anfallen. »Damit entsteht automatisch ein beträchtlicher monatlicher Verlust.«

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Auch die Babalu-Kinderparks müssen geschlossen bleiben.

Trotzdem könne er die angeordneten Maßnahmen absolut verstehen. »Es macht ja keinen Sinn, die Kinder anstatt in die Schule oder in den Kindergarten ins Babalu zu schicken, da sie auch da eng in Kontakt kommen können«, betont Steffen Himmer. In Traunstein hat der 44-Jährige 19 Mitarbeiter, in Grafenau 13 und in Passau 18. »Wir haben für alle sozialversicherungspflichtigen Mitarbeiter Kurzarbeit beantragt. Leider ist dies für die Minijobber nicht möglich«, bedauert er.

Seine Hoffnung ist, »dass unsere Gesellschaft diese Situation gut übersteht. Wir sind davon überzeugt, dass wir dann wieder ein Mittelpunkt für Kinder mit ihren Familien sein werden. Bis dahin müssen wir die Situation wirtschaftlich überstehen und hoffen dabei natürlich auf Hilfen des Staates, wie zum Beispiel Kurzarbeit oder Steuerstundung«. Trotz der schwierigen Zeit blickt Steffen Himmer positiv in die Zukunft. »Wir freuen uns auf die Zeit, wo wir wieder Kinder und Familien in unseren Babalu-Funparks lachen und Spaß haben sehen. Die Zwischenzeit werden wir nutzen, darüber nachzudenken, was wirklich wichtig ist im Leben.« 

»Die angeordnete Schließung unseres Ladens bringt uns in wirtschaftlich unvorhergesehene Schwierigkeiten«, sagt Verena Rehrl, die Geschäftsleiterin des Musikhauses Fackler in Traunstein. »Wir können unsere Mitarbeiter nicht beschäftigen und haben extreme Einbußen in den Umsätzen«, sagt sie. Und die laufenden Kosten wie Löhne, Strom und vieles mehr müssten aber weiter beglichen werden. Die Schließung gilt zunächst einmal bis 30. März, Bestellungen und Anfragen können jederzeit telefonisch und per E-Mail an das Musikhaus Fackler gerichtet werden – wie bei vielen anderen geschlossenen Geschäften auch. 

Jetzt heißt es, zusammenhalten und einander unterstützen, wo es geht. Jeder Einzelne von uns kann dazu beitragen, dass möglichst viele kleine Läden, Geschäfte und Betriebe die Corona-Krise überstehen. Kauft regional ein, wo es noch möglich ist, bestellt Essen zum Mitnehmen, zahlt Eure Beiträge im Fitnessstudio weiter und bestellt Kleidung nicht im Internet. Wartet ab, bis die Läden wieder öffnen! Sie können dann jede Unterstützung brauchen. 

KR/vew

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