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Behindertenprojekt mit Modellcharakter

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Die Baugrube am Bahndamm in Haslach lässt die Größe des Projekts erahnen. Hier sollen bis September 2018 drei Gebäude der Lebenshilfe entstehen. (Foto: Buthke)

Traunstein – Im Beisein zahlreicher Ehrengäste wurde nun der offizielle Startschuss für das inklusive Wohn- und Begegnungsprojekt der Lebenshilfe Traunstein für Menschen mit und ohne Behinderung am Bahnweg in Haslach gegeben. Den Baugrund hat die Pfarrgründestiftung Haslach in Erbpacht zur Verfügung gestellt. Mit dem Aushub der Baugrube wurde bereits begonnen. Dabei kam bekanntermaßen ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg zum Vorschein (wir berichteten).


»Für die Lebenshilfe Traunstein geht eine lange Zeit der Vorbereitung und Planung für ein Projekt zu Ende, das nicht nur der Forderung nach stationären Wohnheimplätzen gerecht wird, sondern auch Modellcharakter aufweist«, erklärte der Vorsitzende der Lebenshilfe Traunstein, Wolfgang Maier. Dies zeige auch die unmittelbare Aufnahme in den Landesbehindertenplan 2016 sowie den damit verbundenen vorzeitigen Maßnahmenbeginn. Mit diesem Projekt gehe die Lebenshilfe Traunstein neue Wege, insbesondere was Inklusion anbelange.

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Drei Gebäude werden errichtet

Bei einem Kostenvolumen von 10,6 Millionen Euro und der Errichtung von drei Gebäuden, die gemeinsam am 1. September 2018 in Betrieb gehen sollen, könnten zum einen 24 stationäre Wohnheimplätze mit zwei Kurzzeitpflegeplätzen und zum anderen sozialer Wohnungsbau mit elf Appartements, eine Wohntrainingsgruppe mit vier Personen und eine Arztpraxis geschaffen werden. Ebenso seien Begegnungsräume der Offenen Behindertenarbeit mit Cafeteria, Bildungs- und Veranstaltungsmöglichkeiten sowie Verwaltungsräume der Geschäftsstelle und Verwaltung vorgesehen.

Mit dem Paradigmenwechsel durch die Behindertenkonvention der Vereinigten Nationen hin zur Inklusion stünden die Träger von Behinderteneinrichtungen vor gewaltigen Herausforderungen, betonte der Leitender Baudirektor der Regierung von Oberbayern, Roman Dienersberger. Dezentralisierung, wohnortnahe Standorte sowie Selbstbestimmung erforderten den völligen Umbau der bestehenden Strukturen. Lebenshilfen hätten als kleinteilige, örtlich vernetzte Organisationen zwar günstigere Voraussetzungen als die großen, insbesondere kirchlichen Einrichtungen, allerdings auch eine geringe Finanzkraft.

»Zu einem mutigen Schritt entschlossen«

»Die Lebenshilfe Traunstein hat sich mit diesem Projekt zu einem mutigen Schritt entschlossen«, so Dienersberger. Es werde einen zentralen Baustein für die Positionierung in der Zukunft darstellen. Mehr als zehn Millionen Euro seien eine gewaltige Investition für einen Elternverein. Als Bewilligungsstelle für die Fördermittel werde ihn die Regierung von Oberbayern dabei unterstützen.

Dienersberger sagte gut 2,9 Millionen Euro vom Sozialministerium und der Obersten Baubehörde aus Mitteln des Landesbehindertenplans zu, davon rund 2,4 Millionen Euro als Zuschüsse. Der Rest sind zinsgünstige Darlehen. Voraussichtlich knapp drei Millionen Euro kommen von der Obersten Baubehörde aus Mitteln der Wohnraumförderung. Davon 190 000 Euro als Zuschüsse und der Rest als zinsgünstige Darlehen. An Zuschüssen und Förderdarlehen seien dies rund sechs Millionen Euro. Hinzu kämen noch gut 400 000 Euro Fördermittel vom Bezirk Oberbayern.

Das Projekt sei eine beträchtliche Verbesserung des Angebots für Behinderte, stellte der Stimmkreisabgeordnete Klaus Steiner fest, der im Landtag der interfraktionellen Arbeitsgruppe »Inklusion« angehört. Traunsteins Zweiter Bürgermeister Hans Zillner wies auf die langjährige und vielseitige Erfolgsgeschichte der Lebenshilfe Traunstein hin. »Dieses Objekt mit einem Wohnprojekt und einer leistungsfähigen Verwaltung stellt einen Höhepunkt dar und dient vor allem dem Ziel, behinderte Menschen zu gleich- und vollwertigen Mitgliedern unserer Gesellschaft zu machen«, unterstrich er. Dieses Bauvorhaben setze neue Maßstäbe im Bereich der Inklusion. Es werde zu einer einzigartigen Begegnungsstätte aller Menschen werden.

»Lebenshilfe geht neue Wege«

Mit dem Projekt gehe die Lebenshilfe Traunstein neue Wege, um sich den gesetzlichen Herausforderungen bezüglich der baulichen Standards und der Inklusion zu stellen, sagte die Geschäftsführerin der Lebenshilfe Traunstein, Annemarie Funke. Dies solle ein Ort des Wohnens von Menschen mit und ohne Behinderung, der Offenen Behindertenarbeit sowie der Begegnung und Zusammenarbeit mit Vereinen, Selbsthilfegruppen und Kommunen werden. Nun stünden fast genau zwei Jahre Bauzeit bevor. Funke sprach die Hoffnung aus, passgenau am 1. September 2018 einziehen zu können. Ihr Dank galt allen, die im Vorfeld bei der Vorplanung mitgemacht haben. »Bei so einem großen Projekt ist es wichtig, dass man Partner hat, die es begleiten«, sagte sie.

Ihren Dank an alle, die bei der Planung dabei gewesen sind und noch während der Bauphase hinzukommen, drückte Maria Weig vom Architekturbüro Weig in Eggstätt aus. Sie hoffte, dass man den Kostenrahmen und die Bauzeit einhalten werde. Bjr

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