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Bedroht WLAN an Schulen Kinder und Jugendliche?

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Tablets im Unterricht – die Initiative »Diagnose Funk« möchte das gern verhindern, zumindest, wenn diese Geräte über WLAN kabellos mit dem Internet verbunden werden sollen.

Traunstein – Die einen wollen es immer, überall und möglichst kostenlos, wie es etwa auch die Stadt Traunstein im Rathaus anbietet, die anderen warnen vor Gesundheitsgefahren – den kabellosen Zugang zum Internet über WLAN für Endgeräte wie Tablets (tragbare Computer ohne eigene Tastatur) und Smartphones.


So wie Johanna Schwaiger. Die Inzellerin ist selbst Mutter zweier schulpflichtiger Kinder und engagiert sich in der bundesweiten Verbraucherschutzorganisation »Diagnose Funk«. Wie bereits weitere Mitglieder der Organisation in anderen Landkreisen, so hat auch sie vor den Osterferien alle Schulen im Landkreis – von der Grundschule bis zur Berufsschule – angeschrieben, um sie auf mögliche Gesundheitsgefahren durch den Einsatz von WLAN-Endgeräten aufmerksam zu machen.

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Bundesregierung will jedem Schüler ein Endgerät schenken

Diese sollten auch im Unterricht verstärkt als Lernmittel genutzt werden, schreibt Schwaiger. Die Bundesregierung plane, jedem Schüler ein digitales Endgerät zu schenken. »Selbstverständlich ist die Vermittlung fundierter Informatik- und PC-Kenntnisse sowie eines kompetenten Umgangs mit dem Internet unerlässlich. Die Lern- und Lehrmöglichkeiten digitaler Medien sollten jedoch nicht überschätzt werden«, so Schwaiger.

Studien zeigten mehrheitlich keine positiven Auswirkungen auf das Lernen und die Schulleistungen. Auch die vom Bundesforschungsministerium, der EU und der Telekom geförderte Studie »Schulen ans Netz. 1000 mal 1000: Notebooks im Schulranzen« habe weder bessere Noten, noch besseres Lernverhalten der Schüler zum Ergebnis. Allerdings seien »die Schüler im Unterricht mit Notebooks tendenziell unaufmerksamer.«

Zu einem maßvollen Umgang mit Mobiltelefonen und kabellosem Internet rufen mittlerweile auch immer mehr Ärzte auf: So rät etwa die Landesärztekammer Baden-Württemberg, Mobiltelefone und Laptops möglichst wenig und kurz zu benutzen und sie immer wieder abzuschalten. Im Auto und in öffentlichen Verkehrsmitteln arbeiten die Geräte wegen der Abschirmung mit maximaler Energieleistung, um auf Empfang zu bleiben.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommen etwa die Hamburger Ärztekammer in ihren »Hinweisen zu möglichen Risiken des Mobilfunks und Empfehlungen zur Nutzung« vom 14. Oktober, die Wiener Ärztekammer, die gar ein Plakat mit zehn Regeln zur Nutzung von Mobilfunk und WLAN herausgab. Johanna Schwaiger schreibt weiter, der Europarat fordere die Senkung der deutschen Mobilfunkgrenzwerte um den Faktor 100 000 und rate Schulen zu kabelgebundenen Netzen.

Und selbst das Bayerische Kultusministerium rät in seinen »Empfehlungen zur IT-Ausstattung von Schulen« mit Verweis auf das Bundesamt für Strahlenschutz, (...) »auch im Zusammenhang mit WLAN kabelgebundene Alternativen vorzuziehen.« Hinzu kämen laut »Diagnose Funk« Datenschutzprobleme: Internetanbindungen über WLAN und Apps könnten es Dritten ermöglichen, Daten auf den Geräten der Schüler »abzugreifen« und für kommerzielle oder kriminelle Zwecke zu missbrauchen. Deshalb rate das Kultusministerium auch im Verwaltungsbereich der Schulen von der Nutzung kabelloser Internetzugänge ab.

Kabelgebundene Lösungen sollen bevorzugt werden

Schwaiger ist es vor allem ein Anliegen, die Schulleiter und Lehrer auf die Problematik aufmerksam zu machen. Daher appelliert sie mit ihrem Brief, neben der Favorisierung kabelgebundener Lösungen Eltern und Schüler über den richtigen Umgang mit der Technik aufzuklären, zum Beispiel bei Projekttagen oder mit Broschüren wie den »10 medizinischen Handy-regeln der Wiener Ärztekammer«.

Die Befürchtungen der Verbraucherschützer scheinen derzeit im Landkreis Traunstein noch einigermaßen unbegründet zu sein: Zumindest an den heimischen Schulen ist WLAN längst nicht so verbreitet, wie man meinen könnte. Derzeit gibt es nach Angaben von Klaus Biersack, am Staatlichen Schulamt für die Grund- und Mittelschulen im Landkreis zuständig, nur ganz wenig Schulen mit WLAN. Tablet-Klassen gebe es bisher seines Wissens noch gar nicht. Und nach seinen Erfahrungen aus der Vergangenheit gebe es auch in der Lehrerschaft durchaus vereinzelt Bedenken.

Am Landratsamt Traunstein, zuständig für die weiterbildenden Schulen im Landkreis, fällt die Antwort ähnlich aus: »Derzeit gibt es WLAN nur in absoluten Ausnahmefällen«, sagt Pressesprecher Roman Schneider. »Und wenn, dann gibt es das bisher wohl nur da, wo kein Kabel installierbar ist, und auch nur im Einvernehmen mit dem jeweiligen Elternbeirat.« Allerdings räumte er auch ein: »Aber die heutige Entwicklung ist schnell.«

Bis auf ein Projekt, das derzeit nicht laufe, gebe es am Chiemgau-Gymnasium derzeit kein WLAN, berichtet Direktor Klaus Kiesl auf Anfrage. Bayernweit gebe es sicher genug Schulen, die es schon hätten, aber man gehe am CHG grundsätzlich sensibel mit WLAN um. Kiesl verweist darauf, dass man Tablets auch ohne Internetzugang als Arbeitsmedium nutzen könne. Aber grundsätzlich ist er auch überzeugt davon, dass die Technik nicht aufzuhalten ist: »Die Zukunft wird dem WLAN gehören.«

Bernd Amschler, Direktor des Annette-Kolb-Gymnasiums, meint: »Für uns ist das im Moment nicht so relevant. Wir haben derzeit im Haus keine Hotspots, und im Moment haben wir auch nicht vor, das zu ändern.« Die Schule setze auf konservative Lösungen mit Kabeln, und zwar aus mehreren Gründen. Einer sei die fehlende Notwendigkeit zur Umstellung auf WLAN. »Auch die Schulbuchverlage sind noch nicht so- weit«, sagt Amschler.

»Natürlich gehen unsere Schüler mit der Technik genauso um wie alle anderen jungen Leute auch«, sagt Amschler mit Blick auf Handys und Smartphones. Aber in der Schule hätten diese ausgeschaltet zu sein. »Dafür gibt's eine Schulordnung. Im Verstoßfall würde das Handy eingezogen, die Eltern könnten es dann nach dem Unterricht wieder abholen.«

Beim Bau der Schule habe man sich bewusst für konservative Lösungen entschieden. Selbst technik-affine Lehrer sähen derzeit keine Notwendigkeit für WLAN im Unterricht. »Die Schüler können bei uns über kabel-basierte Rechner ins Internet gehen, und auch in der Bibliothek besteht die Möglichkeit dazu.« Es könne schon sein, dass sich das mal ändert, aber grundsätzlich seien Schulentwicklung und Bildungsfragen nicht nur über die Technik zu definieren. »Unsere Schüler gehen sehr wohl mit diesen Themen um. Wir geben ihnen das Rüstzeug dazu.« coho