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Bayern und Schweden jodeln gemeinsam

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Birgit Detsch (links) motivierte die Besucher zum Mitsingen, als der »Cantiamo Chor« beim Spielmannsfestival in Gammelstad auftrat.

Übersee – Wohlbehalten und mit vielen umwerfenden Eindrücken im Gepäck ist der »Cantiamo Chor« aus Übersee aus Schweden zurück. Die Sängerinnen und Sänger hatten dort mehrere Auftritte. Annemarie Kneissl-Metz hat über die Erfahrungen während der Reise einen Bericht verfasst.


Wenn hier im Chiemgau die Sonne am späten Abend längst nicht mehr zu sehen ist, scheint sie in Nordschweden nahe des Polarkreises gemeinsam mit dem Mond noch um Mitternacht. Genau zu Mittsommer befand sich der Überseer »Cantiamo Chor« in Boden, einer Stadt in der Größe Traunsteins, um dort in einem gemeinsamen Konzert mit dem »Chorisma Chor« zu singen.

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Die Stadt Boden feiert heuer ihr 100-jähriges Bestehen als Kommune und so war es für die Überseer, die im vergangenen Jahr auf 200 Jahre politische Gemeinde zurückblickten, eine besondere Ehre, im Jubiläumsjahr und beim Jubiläumskonzert aufzutreten. In der vollbesetzten Kirche sangen die Chöre miteinander bairische Jodler sowie schwedische und deutsche Chorliteratur.

Natürlich hatte jeder Chor seine »musikalischen Schmankerl«. Die Überseer brachten mit der Solistin Eva-Maria Betz das romantische Ave-Maria-Glöcklein zu Gehör, aber auch den humorigen Zwiefachen »Leit, Leit, Leitln müasts lustig sei«, den der elfjährige Vitus Detsch auf der Diatonischen begleitete. Max Detsch sang beim »Baba Yetu«, einer afrikanischen Vater-Unser-Version, überzeugend den Solopart.

Den beiden Dirigenten Magnus Toresson und Birgit Detsch gelang es hervorragend aus den zwei Chören einen vollklingenden, harmonischen und großen Chor zu formen. Entsprechend begeistert reagierte auch das Publikum und verlieh dem Konzert in der schwedischen Presse eine Rose als Zeichen der besonderen Anerkennung.

Mit ihrer Tracht, Dirndl und Lederhosen, standen die Überseer bald im Zentrum der Aufmerksamkeit beim Musikfestival in der alten Kirchstadt Gammelstad. Hier ließ sich der Chor nicht lange bitten und führte bairische Lieder auf, tanzte zu den Klängen der schwedischen Geigenmusik den einen oder anderen »Boarischen« und motivierte die Zuschauer zum Mitsingen.

Entstanden war die Chorfreundschaft vor drei Jahren auf Vermittlung von Elisabeth Hörterer, gebürtige Schwedin und Chorsängerin in Übersee, und ihrer Mutter Astrid Palm, Chorsängerin in Boden, als die »Chorismas« in Übersee zu Besuch waren. Jetzt, beim einwöchigen Gegenbesuch der Chiemgauer, zeigten die Schweden nicht nur die Schönheiten ihrer Landschaft, sondern auch ihre freundschaftliche Herzlichkeit und Bereitschaft, ihre Gäste durch die Tage zu begleiten. Um Mitternacht zu Mittsommer auf dem Festungsberg in Boden zu stehen und miteinander in den Sonnenuntergang und unverzüglichen Wiederaufgang einen letzten Jodler zu singen, lies alle Müdigkeit vergessen und manches Auge feucht werden. Am Lagerfeuer an den rauschenden Storforsen Stromschnellen Kaffee zu trinken und Würstl zu grillen, vertiefte vollends die Begeisterung der Bayern.

Der Abschied von den »Chorismas« fiel nicht leicht und es entstand die Hoffnung auf einen weiteren Besuch der Schweden in Übersee. Eins ist klar: Die Überseer werden die Chorreise sicher nicht so schnell vergessen. Mit nach Schweden gereist war auch Monsignore Konrad Kronast, Initiator und Förderer des Chors in den Gründungsjahren vor 15 Jahren, der die Reise inmitten »seiner Cantiamos« sichtlich genoss. akm