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Bayerische Kultur und Lebensfreude

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Die Wabachmusi spielte beim Hoagart in Inzell zünftig auf. Unser Bild zeigt (von links) Martin Geisreiter, Sebastian Siglbauer, Korbinian Wühr und Andi Heindl. Die Musikanten kommen aus Waging, Altenmarkt und Siegsdorf. (Foto: Bauregger)

Inzell – Mit einer bunten, gut ausgewählten Mischung von bekannten Volksmusik- und Gesangsgruppen aus Bayern und Tirol wurde auch in diesem Jahr die Inzeller Pfingstroas im Sinne bayerischer Kultur und Lebensfreude gefeiert.


Als Moderatorin hatten sich die beiden Organisatoren Annegret Daxenberger und Martin Dießbacher jun. die bekannte BR-Moderatorin Traudi Siferlinger geholt, die mit Spontanität und Schlagfertigkeit humorvoll durch den musikalischen Abend führte.

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Es ging sehr schwungvoll los

Mit einer gehörigen Portion Schmiss eröffnete der »Ebbser Kaiserklang« den Hoagart mit der »Stoanheber Polka« gleich einmal sehr schwungvoll. Die sechs Männer kommen aus Ebbs am Wilden Kaiser und sorgen in einer nunmehr 70-jährigen Tradition für schwungvolle Tanzlmusi-Klänge. Dass sie auch nicht auf den Mund gefallen sind, dafür lieferte der Posaunist Bernhard Anker im Gespräch mit Traudi Siferlinger einige amüsante Beispiele. Im blinden Verständnis, rassiger Manier und flexibler Instrumentierung begeisterten sie das Publikum in der Besetzung mit Harfe, Ziach, Posaune, Trompete, Flügelhorn und Basstuba und Stücken wie etwa der »Annen Polka« oder »O‘zapft is«.

Bilder-Galerie vom Sonntag:

Als einzige Gesangsgruppe des Abends traten die vier Männer der »Waldramer Sänger« auf die Bühne. Sie kommen aus der Gegend von Wolfratshausen. Drei von ihnen stammen aus der sieben Geschwister großen Brustmannfamilie, die seit vielen Jahren in verschiedensten Instrumental- und Gesangsformationen auftritt. An Gesangstiteln hatten sie sich an diesem Abend durchweg traditionelle Lieder aus dem alpenländischen Liedgut wie etwa: »Wann i geh in de Gwänd, I bin da Hans vom Welschen Land« oder »Is ma da Weg net z‘weit« ausgesucht, die sie mit klaren Stimmen, in einer guten, harmonischen Ausgeglichenheit, frisch vortrugen.

Virtuos und mit flinken Fingern

Begleitet wurden sie von Katrin Unterlercher an der Harfe. Die bewies ihr Können aber nicht nur als Liedbegleiterin. In der Tradition schmissiger, tirolerischer Harfenmusik, brachte sie die Harfensaiten virtuos und mit flinken Fingern bei einer flotten Polka gekonnt zum Schwingen. Damit aber nicht genug. Katrin, die lange Zeit Harfinistin beim »Herbert Pixner Projekt« war, ist auch eine der vier Musikerinnen der Gruppe »Kaiserspiel«. Diese kommt ebenfalls aus der Gegend rund um das Tiroler Kaisergebirge. Ungewöhnlich ist sicher die Besetzung mit Harfe, Querflöte, Klarinette und Kontrabass. Viele Stücke mit Namen wie »Strizi Polka«, »Wilde Weiber Polka« oder »Burschenpolka« passten perfekt zu ihrem frechen, pfiffigen, lebensfrohen Musizierstil, den sie auch über eine lebendige Körpersprache, wirkungsvoll vorzutragen verstanden.

Selbstredend floss auch der Stil Herbert Pixners hier ein. Besetzt mit Harfe, Akustikgitarre, Steiererziach und Kontrabass spielte für die bayerische Seite die eigens formierte »Pfingstroas Musi« auf, in der auch die beiden Organisatoren mitspielen. Weit gefasst stand insbesondere bei Stücken wie dem »Seeberg Walzer« oder »Halts‘n auf« sicher in irgendeiner Form Herbert Pixner Pate. Aber auch eigene Ideen der Musiker ließen hier ein Klangbild entstehen, welches sich durch variantenreiche, solistische Passagen auf der Akustikgitarre, der Steirerziach oder der Harfe und dynamisch wirkungsvollen Akzenten wie verzögerte Einsätze und Übergänge, doch deutlich von herkömmlichen Volksmusikstücken abhob.

Ganz in der traditionellen, bayerischen Musizierart fühlen sich offenbar die vier jungen Musikanten der »Wabach Musi« wohl, die aus dem Großraum um Traunstein kommen. Auch sie ließen keinen Zweifel daran, dass sie ihre Instrumente wie die Steirerziach, den Kontrabass, die Akustikgitarre, die Ventilposaune oder eine Bass-Klarinette beherrschen, die sie zudem in unterschiedlichen Instrumentierungen wirkungsvoll zum Klingen brachten. Sehr dynamisch, in einer tänzerisch schmissigen Leichtigkeit und mit starker Ausdruckskraft vorgetragen, begeisterten die Vier die Zuhörer etwa mit Stücken wie »Untersberger Mandl«, »Dahoam« oder der »Maxl Polka«.

Hoagart wird im Bayerischen Rundfunk gesendet

Einen großen Anteil daran, dass der Abend ganz im Sinne eines gmiatlich‘n Hoagart ablief, hatte sicher die Moderatorin Traudi Siferlinger. Sehr gut vorbereitet führte sie etwa mit einzelnen Mitwirkenden oder einem bedeutenden Sponsor der Pfingstroas, dem Geschäftsführer der Pidinger Molkerei Berchtesgadener Land, Berni Pointner interessante Gespräche, die nie steril, sondern in einer humorvollen Art und Weise geführt wurden. Genial auch, wie spontan sie mit Witz, Herzlichkeit und einer durchaus schelmischen Hintergründigkeit auf ihr Gegenüber reagierte und dies alles im verbindlichen, bodenständigen, unverkünstelten, bairischen Dialekt. Der Bayerische Rundfunksender »BR-Heimat« hat den Hoagart aufgezeichnet und wird ihn, wie dessen Leiter Stefan Frühbeis abschließend bekannt gab, am Freitag, dem 14. Juli senden. wb

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