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Baumburger setzen sich für Alzäsche ein

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Rund 3000 solcher Besatzäschen hat der Bezirksfischereiverein Traunstein in Alz und Mühlbach in Altenmarkt im Zuge des Rettungsprogramms bislang eingesetzt. (Foto: Martin Falter)

Altenmarkt. Das Ringen um die Wiederansiedlung der Äsche in der oberen Alz geht weiter: Die Geschäftsführer der Klosterbrauerei Baumburg, Ludwig Dietl und Dominik Tapper, sowie der für die Baumburger Gebäude und Liegenschaften zuständige Wolfgang Noneder überreichten dem 1. Vorsitzenden des Bezirksfischereivereins Traunstein, Josef Hartl aus Surberg, 1200 Euro. Damit kauft der Verein Jungfische von der Mauka, der Fischzucht des Landesfischereiverbandes Bayern. Die Äschen werden im Altenmarkter Mühlbach und in der Alz eingesetzt.


Seit über zwei Jahren läuft die Rettungsaktion. Zehn Cent pro außerhalb von Baumburg verkauftem Träger Klosterbier spendet die Brauerei für den Ankauf von Setzlingen. Rund 3000 Jungäschen wurden seither in den Mühlbach eingesetzt. »Schnelle Erfolge erwarten wir uns nicht. Das ganze Programm ist auf Nachhaltigkeit ausgelegt«, sagt Hartl.

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Noch vor 40, 50 Jahren galt die Alz als europäisches Spitzengewässer für Äschen. »Vom Altenmarkter Katarakt flussaufwärts bis zum Chiemsee waren dann vor zehn Jahren keine Äschen mehr nachweisbar«, erzählt Hartl. Der Bezirksfischereiverein hat die Entwicklung miterlebt – seit rund 50 Jahren ist er Pächter des Dietlschen Fischwassers.

Hartl führt mehrere Gründe dafür an: Die Äsche sei als Freiwasserfisch leichte Beute für Waller und für fischfressende Vögel wie Kormoran und Gänsesäger; auch habe sich das Nahrungsangebot durch den Ringkanal am Chiemsee reduziert. »Außerdem sind durch Flussbegradigungen und Uferverbauung Laichplätze weggefallen«, ergänzt Tapper. »Und wenn im Sommer täglich hunderte Boote die Alz herunterfahren, werden die Fische immer wieder in der Nahrungsaufnahme gestört«, fügt Hartl hinzu.

Als Pächter ist der Verein für die Hege und Pflege zuständig. »Diese Aufgabe haben wir natürlich wahrgenommen. Jedes Jahr wurden 500 Äschen eingesetzt – leider ohne Erfolg«, so Hartl. Deshalb haben die Fischer gemeinsam mit der Brauerei einen neuen Weg beschritten: Dietl stellt den unteren Mühlbach in Altenmarkt als Aufzuchtgewässer zur Verfügung. In dieser »Kinderstube« ist der Fraßdruck auf die Äschen deutlich geringer als im Freiwasser. Bevor die Fischer die Jungäschen einsetzen, wird der Mühlbach elektrisch abgefischt. »Wir versuchen die Hechte und Aitel rauszubekommen, die die Setzlinge fressen würden. Dabei haben wir heuer erstmals wieder eine Äsche gefunden. Das lässt uns hoffen, dass Äschen, die wir in den vergangenen Jahren eingesetzt haben, überlebt haben und in die Alz ausgewildert worden sind«, sagt Hartl. Dafür spreche auch, dass der Altenmarkter Siegfried Auer oberhalb des Katarakts eine 30 Zentimeter lange Äsche gesichtet habe.

Dennoch wird's nicht leichter für die Fischer, den Äschenbestand zu sichern: Die Alzäsche hat sich im Laufe der Jahrhunderte genetisch an die speziellen Bedingungen des sommerwarmen Gewässers angepasst. »Werden Äschen eingesetzt, die aus wesentlich kälteren Flüssen wie Isar oder Lech stammen, dann kommen die mit den Gegebenheiten in der Alz gar nicht gut zurecht«, schildert Hartl. Bis zum vergangenen Jahr gab's zumindest in der unteren Alz im Bereich der Alzwerke in Burgkirchen noch geringe Äschenbestände, von denen die Mauka Jungfische für die obere Alz sichern konnte. Aber auch diese Population ist inzwischen zusammengebrochen.

Abhilfe sollen Jungäschen schaffen, die die Mauka aus der Goldach abgefischt hat. Der 18,5 Kilometer lange schweizerische Zufluss des Bodensees weist zumindest ähnliche Bedingungen wie die Alz auf. 500 Goldach-Fische wurden in den Mühlbach und 500 in die Alz eingesetzt. Und für nächstes Jahr ist der Bezirksfischereiverein zuversichtlich, dass wieder dieselbe Menge zur Verfügung steht. Die Baumburger 1200-Euro-Spende ist dafür schon verplant – die Äsche ist einer der teuersten Besatzfische.

Die Spende ist aber bei Weitem nicht die einzige Maßnahme, mit der die Klosterbrauerei den Fortbestand der Alzäsche sichern will. Im vergangenen Jahr stellte das Unternehmen eine Fläche der Größe von knapp vier Fußballfeldern zur Verfügung: Um Lebensraum-Strukturen für Fische und Insekten, aber auch um lebenswerten Raum für den Menschen zu schaffen, ließen die Baumburger knapp zwei Hektar Grund in der Altenmarkter Laufenau renaturieren. Allein die Baukosten beliefen sich dabei laut Tapper auf rund 35 000 Euro. fal