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Baumaßnahme auf 850 000 Euro geschätzt

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Für den Hochwasserschutz wird die Gemeinde Grabenstätt tief in die Tasche greifen müssen.

Grabenstätt – In der jüngsten Gemeinderatssitzung in Grabenstätt erläuterte Diplomingenieur Andreas Huber von der Bauingenieur-Gemeinschaft Trauntal in Ruhpolding das in Auftrag gegebene, integrale Hochwasserschutz- und Rückhaltekonzept für den Grabenstätter Mühlbach und den Marwanger Mühlbach, die sich östlich von Grabenstätt vereinigen. In nichtöffentlicher Sitzung hatte Huber im Juli 2015 bereits einen ersten Zwischenbericht vorgestellt.


Da es sich um ein Einzugsgebiet von gut 1600 Hektar mit einer Vielzahl von kleinen Zuläufen handelt, wäre von den Baumaßnahmen auch die Nachbargemeinde Vachendorf betroffen. »Bei unseren Untersuchungen und Planungen haben wir verschiedene Regenhäufigkeiten und Regenzeiten betrachtet und ein 100-jährliches Hochwasser berechnet, mit einem Zuschlag von 20 Prozent«, betonte Huber.

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Während 15 Kubikmeter Wasser pro Sekunde noch gefahrlos über den Mühlbach abfließen würden, trete er bei einem Gesamtdurchfluss von 17,5 bis 18 Kubikmeter Wasser pro Sekunde bereits an verschiedenen Stellen über die Ufer, so wie bei der Jahrhundertflut im Juni 2013 geschehen. »Das Problem sind die Hochwasser-Spitzen«, verwies Bürgermeister Georg Schützinger auf eine Aussage des Wasserwirtschaftsamts Traunstein.

»Mit jedem Liter Wasser, das wir im Einzugsgebiet mit Speicherbecken zurückhalten können, verringert sich die Wassermenge des Mühlbachs im Grabenstätter Ortsgebiet«, betonte Huber und zählte eine ganze Reihe bestehender und angedachter Rückhaltebecken auf. Wichtig sei auch, dass man bestehende Überflutungsflächen erhalte, so Huber. Im Bereich des Wasserschutzgebiets am Tüttensee könne man das Wasser nicht aufstauen, da man sonst die dort befindlichen Quellen gefährden würde. Probleme könnte Huber zufolge an der Gemeindegrenze Grabenstätt/Vachendorf ein Biber mit seinen Dammbauten bereiten. Dieser müsste gegebenenfalls »vergrault« werden, hieß es.

Konzepte miteinander kombinieren?

Bezugnehmend auf die vorletzte Gemeinderatssitzung mit der Vorstellung einer hydraulischen Untersuchung von Franz Gruber vom Ingenieurbüro HPC-AG im Bereich des angedachten Baugebiets an der Erlstätter Straße, appellierte Roman Metzner (CSU), dass die beiden Konzepte unbedingt in Kombination betrachtet werden sollten. Schützinger erwiderte, dass die Ableitung des dort angedachten Rückhaltebeckens Richtung Mühlbach gerade einmal 20 Liter pro Sekunde betragen würde. Wenn man von einem Mühlbach-Durchfluss von 15 Kubikmetern pro Sekunde ausgehe, sei dies nur eine zusätzliche Wassermenge von einem Promille.

Probleme bereitet in Grabenstätt bei Starkregenereignissen auch immer wieder das »Pfarrerbachl«, das vom Eichberg kommend durch das westliche Ortsgebiet Richtung Grabenstätter Moos fließt. Unerlässlich seien hier ein Hauptspeicherbecken von 13 000 Kubikmeter und ein zweites Speicherbecken von 1500 Kubikmeter im Bereich des Eichbergwalds. Im weiteren Verlauf des Pfarrerbachls sollten Teile des Feldwegs zum Eichbergwald und an der Eichbergstraße angehoben werden.

Mit dem Einbau eines 3-D-Rechens vor der Verrohrung an der Überseestraße wäre gewährleistet, dass der dortige Durchlass nicht mehr so leicht verstopfe. Ein Problem stelle auch das folgende 600er Rohr im Unterlauf dar, »das eigentlich viel zu klein ist«, so Schützinger. Er erinnerte auch daran, dass man sich bei den angedachten Baumaßnahmen fast überall auf Privatgrund befinde.

Vor einigen Jahren wäre bei einem Hochwasser schon fast einmal das Wasser vom Eichberg in die neue Turnhalle gelaufen, erinnerte Metzner. »Wir können das in das Maßnahmenkonzept Pfarrerbacherl mit aufnehmen«, bescheinigte ihm Huber. Marwang bleibe außen vor, weil das Überschwemmungsereignis von 2006, das auch dort Schäden verursachte, auf ein extremes, kurzfristiges Starkregenereignis zurückzuführen gewesen sei, so Schützinger.

Angesichts der zu erwartenden »enormen Investitionskosten von einer Million Euro« stellte dritter Bürgermeister Maximilian Wimmer (CSU) die Frage in den Raum, ob man wegen des nicht zu beseitigenden Nadelöhrs im Bereich des Sägewerks Wimmer nicht Überlegungen hinsichtlich eines zweiten Abflusses Richtung Grabenstätter Moos anstellen sollte. »Da sehe ich von der bestehenden Bebauung her keine Möglichkeit«, erwiderte Huber.

Die ins Spiel gebrachte Absenkung der Mühlbachsohle sei ebenfalls nur schwer umzusetzen, da man dann auch die Ufermauern aufwändig unterfangen müsste. Zuletzt sei der Mühlbach in den 1950er Jahren um zwei Meter abgesenkt worden, erinnerte Schützinger. Angedacht werde Huber zufolge auch eine Erhöhung der Zufahrt zum Anwesen Stefanutti ab dem Ende der Hochfellnstraße. Die Erhöhung soll eine Dammwirkung für den Siedlungsbereich erzeugen.

Am Grundwasserstand werde sich im Zuge der Hochwasserschutzmaßnahmen aber nichts ändern. »Vor dem Grundwasser müssten sich die Anwohner selbst durch dichte Keller schützen«, verwies Huber auf den Eigenschutz.

Auch wenn es einen Zeitdruck gebe, »ist das Konzept für mich noch nicht abstimmungsreif, da elementare Dinge nicht geklärt sind«, mahnte Wimmer an. Bei der Studie gehe es um grundsätzliche Überlegungen, doch »irgendwann müssen wir da etwas auf den Weg bringen«, appellierte Schützinger. Bis es zur Ausführung komme, stünden auch noch viele Fachgespräche an. »Alle Maßnahmen werden wir sowieso nicht auf einmal machen können, es ist eine große Aufgabe für die nächsten Jahre«, gab der Rathauschef zu bedenken. Insgesamt gehe man von Kosten in Höhe von 850 000 Euro aus, rechne aber auch mit entsprechenden Zuschüssen.

Planungen sind Grundlage für weitere Schritte

Anschließend nahmen die Räte die wesentlichen Inhalte des integralen Hochwasserschutz- und Rückhaltekonzeptes für den Grabenstätter und Marwanger Mühlbach sowie für das Pfarrerbachl zur Kenntnis und erkannten die gewählten Lösungen und Auswirkungen der jeweiligen Maßnahmen und die sich voraussichtlich ergebenden Kosten einstimmig an. Ergänzend dazu soll auch die Möglichkeit eines zusätzlichen Entlastungskanals geprüft werden. Die Planungen sind nun Grundlage für die weitere fachliche Bewertung durch das Wasserwirtschaftsamt und bilden dann auch die Ausgangsbasis für notwendige Zuwendungsanträge. mmü