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Baugrund für weniger betuchte Traunsteiner Familien

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Nördlich der Traunstorfer Straße (links) und zwischen der bisherigen Bebauung in Traunstorf und der Rinderkoppel (im Hintergrund rechts) weist die Stadt ein neues Baugebiet aus. 60 Prozent der Fläche werden im Ansiedlungsmodell an weniger Betuchte vergeben, 40  Prozent werden frei verkauft. (Foto: Hohler)

Traunstein – Gute Nachricht für Traunsteiner Familien: In Traunstorf wird ein neues Baugebiet für Ein- und Zweifamilienhäuser ausgewiesen. 60 Prozent der Grundstücke werden dabei im Ansiedlungsmodell an weniger betuchte Familien vergeben, 40 Prozent im freien Verkauf. Bis die ersten Familien einziehen können, brauchen sie aber noch einiges an Geduld, denn das Bauleitplanverfahren steht erst ganz am Anfang.


Vorbehaltlich der Zustimmung des Stadtrats beschoss der Planungsausschuss, den Flächennutzungsplan zu ändern und einen Bebauungsplan für ein allgemeines Wohngebiet aufzustellen. Dazu hat das Sachgebiet Stadtplanung erste Planvarianten erarbeitet. Eine Variante sieht vor, die neue Bebauung durch einen Grünstreifen vom Bestand zu trennen, die letztlich beschlossene Variante zwei rückt die Bebauung an den Bestand heran.

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Oberbürgermeister Christian Kegel erklärte, grundsätzlich halte auch ISEK (das integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept) die Flächen im Westen der Stadt für geeignet für Wohnbebauung. Da die Fläche derzeit im Außenbereich liege, sei es notwendig, den Flächennutzungsplan zu ändern, um Baurecht zu ermöglichen.

»Das ISEK ist ein völliger Kas«, schimpfte Wolfgang Osenstätter (CSU) daraufhin. »Dazu hätten wir keine 100 000 Euro rausschmeißen müssen, das hätt' ich so auch gewusst, dass man da bauen kann.« Auf die Frage von Burgi Mörtl-Körner (Bündnis 90/Die Grünen) erklärte Kegel, man würde durch den Grüngürtel etwa fünf bis sieben Grundstücke verlieren, zusammen mit weiteren Grundstücken im Innenbereich etwa zehn, ergänzte Bernhard Glaßl von der Stadtverwaltung.

Dr. Christian Hümmer (CSU) war gegen den Grüngürtel und gab zu bedenken, es gehe ja nicht nur um Bäume und Häuser, sondern um Menschen, »und die sollen ja zusammenwachsen«. Der Siedlungsdruck lasse ja nicht nach. Dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner (SPD) pflichtete ihm bei: »So schön ein Grüngürtel ausschaut, es gingen einige Tausend Quadratmeter verloren, die wir dringend brauchen. Wir sollten schon das maximale rausholen für möglichst viele Familien.«

»Klar wär ein Grüngürtel schön oder eine Dorfwiese, um den Dorfcharakter zu erhalten«, so Burgi Mörtl-Körner weiter. »Aber wenn ich den Siedlungsdruck sehe, wäre es unverhältnismäßig, auf sechs oder sieben Baugrundstücke zu verzichten.« Kein Baugrundstück zu verlieren, war auch Ernst Harrecker (CSU) besonders wichtig, der ja selbst in Traunstorf wohnt. »Ich möchte zu keinem Bauern gehen müssen und sagen, du darfst jetzt auch nimmer bauen, weil wir über deinen Grund einen Bebauungsplan mit Grüngürtel gelegt haben.«

Über kurz oder lang werde der gesamte östliche Bereich bei Traunstorf erschlossen werden müssen, sagte Schwäbisch weiter. Man habe daher eine Art kleine Umfahrung von Traunstorf angedacht, nicht zuletzt, weil die Situation auf der Kreuzstraße ohnehin nicht ungefährlich sei, vor allem für Fußgänger. Wieder stellte er zwei Varianten vor: Variante 1 würde 19 Häuser mit Grundstücksgrößen von 800 bis 1000 Quadratmeter bringen, davon ein Doppelhaus, Variante 2 würde bis zu 30 Häuser auf kleineren Grundstücken ermöglichen, von denen zwei über die Hoffläche eines Landwirts erschlossen werden müssten.

»Durchschnittlich wünschen sich Bauwerber aus Kostengründen Grundstücke mit etwa 500 Quadratmeter«, so Schwäbisch weiter, der betonte, dass es sich bei den vorgestellten Plänen um erste Skizzen handle – da werde sich im Lauf des Verfahrens sicher noch das eine oder andere ändern.

Zur Frage nach dem Zeitplan antwortete Stadtkämmerer Reinhold Dendorfer, »je weniger Konfliktpotenzial, desto schneller geht's. Wir haben die Grundstücke erworben und sind im Einvernehmen mit den bisherigen Besitzern. Für die weniger begüterten Menschen brauchen wir kleinere Grundstücke.« Im Haushalt seien die Mittel für Kanal- und Straßenbau drin.

»Wir nehmen das als Anregung auf«, kommentierte Kegel schließlich den Vorstoß von Burgi Mörtl-Körner, das Augenmerk auf Mehrgenerationen-Wohnen und Energie-plus-Häuser zu legen. Stimmt der Stadtrat in seiner nächsten Sitzung der Änderung des Flächennutzungsplans und Aufstellung des Bebauungsplans zu, ist der nächste Schritt die vorgezogene Öffentlichkeitsbeteiligung. coho