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Bauernhof-Kindergärten als lebendiger Lernort

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Die Chiemgauer Erzieherin und Ergotherapeutin Katja Pape sucht für das Modell »Bauernhof-Kindergärten« interessierte Eltern und Landwirte. (Foto: Mergenthal)

Eine Alternative zum immer beliebteren Waldkindergarten nimmt langsam im Chiemgau Gestalt an: der Bauernhof-Kindergarten. Erzieherin und Ergotherapeutin Katja Pape (44) hat das Thema ins Gespräch gebracht und stieß in mehreren Gemeinden in den Landkreisen Traunstein und Rosenheim auf offene Ohren.


Es gibt schon verschiedene Konzepte und Pilotprojekte. Ein Leitfaden der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft zur Sozialen Landwirtschaft betrachtet Initiativen wie die Betreuung von Kleinkindern oder Senioren sowie die Mitarbeit von Menschen mit Behinderung auf dem Hof als wichtige Einkommensalternative für Landwirte. Matthäus Michlbauer, Leiter der Geschäftsstelle Traunstein des Bayerischen Bauernverbands, sieht Bauernhofkindergärten als interessante Weiterentwicklung bisheriger Modelle – wie »Erlebnisbauernhöfe« als Lernorte für Schüler – und unterstützt Pape gern bei den fachlich-rechtlichen Rahmenbedingungen.

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Für Kleinkinder bietet ein Bauernhof-Kindergarten eine Fülle von spannenden, vielfältigen, echten und lebendigen Lernanlässen. Während ein Waldkindergarten eine Begegnung mit der ursprünglichen Natur und Wildtieren ermöglicht, bewegen sich die Kinder am Bauernhof in Natur- und Kulturlandschaft. Der Kontakt zu den Tieren hat hier ein stärkeres Gewicht. Spielerisch und mit allen Sinnen erfahren die Kleinen, wie Lebensmittel entstehen und welche Achtsamkeit das erfordert.

»Als ich vom Bauernhof-Kindergarten las, öffneten sich mir neue Welten«, erzählt Katja Pape. »Die Kinder haben hier neben den üblichen Aktivitäten im Garten und im Gruppenraum mit Verkleidungs-, Tobe- und Kuschelecke, Bauecke, Mal- und Spieletisch zusätzlich die Möglichkeit, Tiere zu füttern, den Stall auszumisten, mit Hasen, Hühnern oder Kühen Freundschaften zu pflegen, Gemüse zu pflanzen, Obst zu ernten, Saft zu pressen oder Marmelade zu kochen.« Kindergartenbesuche auf Bauernhöfen gebe es ja schon, aber bei diesen kurzen Kontakten fehle nach Ansicht der Erzieherin die Nachhaltigkeit und Beständigkeit – dass Kinder zum Beispiel den ganzen Kreislauf des Lebens am Hof miterleben. Bauernhofkindergärten könnten zudem neue Perspektiven für die Landwirtschaft in einer Zeit so vieler Umbrüche schaffen.

Sie möchte nun Gleichgesinnte zusammenbringen, die die Idee »Bauernhof-Kindergarten« anspricht und die gern dabei wären, ob als Landwirt, Erzieher, Kinderpfleger, Vater, Mutter, Angehöriger oder auch Interessierter am Bundesfreiwilligendienst oder am Freiwilligen Sozialen Jahr. Ihre Vision ist es, dass im Chiemgau ein Prototyp geschaffen wird, vorzugsweise an einem Biobetrieb oder einem extensiv bewirtschafteten Hof, und dass innerhalb von fünf bis zehn Jahren ein Verbund von mehreren Bauernhofkindergärten rund um den Chiemsee entsteht.

Als Träger kommen Organisationen in Frage wie Gemeinden, Kirchen oder die »Kita Natura« in Krummbek bei Kiel, eine gemeinnützige Genossenschaft, die bereits die Trägerschaft für mehrere Bauernhof- oder Natur-Kindergärten hat. Bundesweit gibt es etwa 30 Bauernhof-Kindergärten, in Bayern drei im Münchner Umland und einen im Kreis Rosenheim.

Wichtig ist Pape der Gedanke, dass Bauernhof-Kindergärten vom Kleinkindalter an vermitteln, wie wertvoll die Landwirtschaft für unsere Gesellschaft ist. Wichtig sei es auch für die Kinder, Kompetenzen für einen lebendigen Austausch zwischen Natur, Pflanze, Tier und Mensch zu entwickeln. Und: »Wir essen alle Lebensmittel«, ergänzt Pape. vm

Die Info-Treffen für interessierte Eltern und Landwirte aus der Region sind am kommenden Dienstag um 19 Uhr im Heftersaal in Grassau und am 22. Oktober um 19 Uhr im Katholischen Bildungswerk in Traunstein. Fragen beantwortet Katja Pape unter Telefon 0174/89 71 015.