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Barfuß und mit Rasta-Locken auf die Trachtenbühne

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Barfuß auf die Bühne – das ist für Stefan Dettl (Mitte) und seine Bandmitglieder ganz normal. Doch einigen Traditionsverfechtern gefällt das gar nicht. Sie würden deshalb am liebsten den Auftritt von »LaBrassBanda« beim Gautrachtenfest in Ruhpolding verhindern.

Ruhpolding. Die bekannte Chiemgauer Band »LaBrassBanda« soll beim Gautrachtenfest in Ruhpolding spielen. Für viele Trachtenvertreter geht das zu weit. »Die Veranstaltung dient nicht der Trachtensache«, ärgert sich Sebastian Gasteiger, Stellvertretender Gauvorstand des Gauverbandes I, im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Musikausrichtung, Kleidungsstil und das Auftreten der deutschlandweit bekannten Gruppierung seien »nicht brauchtumsfreundlich.« Die Traditionsverfechter sind in Aufruhr.


8000 Teilnehmer erwarten die Veranstalter beim Gautrachtenfest in Ruhpolding, 15000 Zuschauer sollen, wenn es nach Sebastian Gasteiger geht, den Festzug am 20. Juli verfolgen. Ein Großereignis, das nun vom Auftritt einiger Musiker »überschattet« werden soll?

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Der Stellvertretende Gauvorstand fühlt sich übergangen. Und zwar vom Gebirgstrachtenerhaltungsverein D' Miesenbacher Ruhpolding, dem Ausrichter des diesjährigen 124. Gaufestes. Kein Verständnis zeigt Gasteiger, dass der Verein Bands wie »LaBrassBanda« oder die »Seer« gebucht hat. »Vor über einem Jahr, als es die ersten Vorgespräche gab und wir an einem Tisch saßen, war davon noch keine Rede«, sagt der 2. Vorstand. Erst im Laufe der Zeit seien er und seine Kollegen vor »vollendete Tatsachen« gestellt worden. »Wir sind niemals davon ausgegangen, dass solche Gruppen für die Veranstaltung überhaupt infrage kommen.« Aber am musikalischen Rahmenprogramm könne jetzt nichts mehr geändert werden.

Junge Zielgruppe soll angesprochen werden

Der GTEV D' Miesenbacher Ruhpolding ist es, der das Gaufest zum dritten Mal ausrichtet, das letzte Mal im Jahr 1988. Natürlich verteidigt man auf Seiten des Veranstalters die Entscheidung für »LaBrassBanda« und Co. Junge Zielgruppen möchten die Veranstalter ansprechen. Kein Wunder, sind Band-Frontmann Stefan Dettl und seine Musiker ein mittlerweile über die Ländergrenzen hinaus bekannter Musik-Act. Die Bandmitglieder treten in Lederhosn auf, spielen Blasinstrumente, die Liedtexte sind in astreinem Bairisch verfasst. Ein Problem gibt es trotzdem: Sie spielen barfuß. Und hüpfen schon mal wie ein Derwisch auf der Bühne herum.

Für Otto Dufter, Ehrenvorsitzender des Bayerischen Trachtenverbands, ein Unding. Zwar wollte dieser auf Nachfrage unserer Zeitung zum Thema nichts mehr sagen. Der Medienwirbel ist mittlerweile zu groß. Gegenüber der »Süddeutschen« äußerte sich Dufter aber Anfang der Woche folgendermaßen: »Barfuß und mit Rasta-Locken, das ist nicht unsere Sache.« Bereits in der Vergangenheit hatte sich Dufter für die Wahrung des Brauchtums eingesetzt. Schon 2003 hatte er den Mitgliedern des Gauverbands I den Ratschlag unterbreitet, Auftritte in Sendungen wie dem »Musikantenstadl« abzulehnen. Anderenfalls könnte dies der Volkskultur schaden.

Und die hat für Dufter als Ehrenvorsitzenden des Bayerischen Trachtenverbands selbstverständlich höchste Priorität. Immerhin ist das 124. Gaufest, das sich über zehn Tage erstreckt, gespickt mit zahlreichen Programmpunkten, die ganz im Zeichen der Tradition stehen: Ein Gauheimatabend ist angesetzt, ebenso ein hochkarätig besetztes Volksmusiktreffen, darüber hinaus ein Oberkrainer-Abend und auch ein Preisplattln sind im offiziellen Festprogramm angekündigt.

Pichler: »Viel zu überhitzt dargestellt«

Claus Pichler, Ruhpoldings Bürgermeister, beschwichtigt. »Viel zu überhitzt wird das alles dargestellt.« Klar sei, dass sich die Trachtenvereinigung bei Bands wie »LaBrassBanda« Gedanken mache. Verständnis hat Pichler aber auch für den Veranstalter, den GTEV D'Miesenbacher Ruhpolding: »Unser Trachtenverein möchte das einfach mal ausprobieren.« Die Zukunft werde zeigen, ob es der richtige Schritt war.

Der, der für das Unterhaltungsprogramm in Ruhpolding zuständig ist, ist Hans Steinbacher, der die Planungen für die mehrtägige Großveranstaltung bereits im vergangenen Jahr aufgenommen hatte. »Die Gemüter sind erhitzt«, sagt Steinbacher im Gespräch. Allerdings gelte es, den Ball nun erst einmal flach zu halten, abzuwarten und Gespräche zu führen. Und zwar mit der Band »LaBrassBanda«, deren Management sich bis Redaktionsschluss zur Sache nicht äußern wollte. Am heutigen Donnerstag sollen alle Beteiligten an einem Tisch zusammenkommen.

Das Bayerische Fernsehen berichtet heute um 20.15 Uhr in der Sendung »quer« unter dem Titel »Unten ohne: Barfußstreit um LaBrassBanda« über die Aufregung in Ruhpolding. kp

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