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Band nimmt Sexismus-Vorwurf auf die Schippe

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Foto: Montage (Facebook Screenshot / pixabay)

Nach dem Sexismus-Vorwurf gegen einen Bierdeckel des Hofbräuhaus Traunstein nimmt nun die Traunsteiner Band "Damfblaudara" die Kritik der Frauenzeitschrift "Emma" auf die Schippe – beim Hofbräuhaus ist man begeistert.


Sichtlich begeistert vom neuen Song ist man beim Hofbräuhaus Traunstein: "Haha so guad! Vielen Dank an Damfblaudara!!" schreibt das Hofbräuhaus unter das Video der Sänger.

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Das ist der Name des neuen Songs. Damit wollen die Künstler die Chefin der "Emma"-Zeitschrift auf die Schippe nehmen. Gekonnt getextet hat das Band-Trio "Himmelhergott. Samma mia no ganz beinander? 'Frauen nicht gleich Ware', schreibt de ander!" Weiter geht es dann mit "Vo Eich Mädels von der Emma samma echt irritiert – die Werbung hat a Frau mit Busen konzipiert".

Doch sehen Sie selbst: 


Facebook-Post vom Hofbräuhaus Traunstein:


Worum geht es bei der Debatte? (Bericht vom Montag)

In die Rubrik »mega-out« der »Emma« hat es das Hofbräuhaus Traunstein geschafft – Die als sexistisch angeprangerte Bierdeckel-Werbung dürfte dadurch aber so mega-in wie nie sein.

Jedenfalls erntet die Brauerei für ihren augenzwinkernden Konter jede Menge positives Facebook-Feedback – und das 16 Jahre, nachdem das Bierfuizl-Motiv mit dem tief ausgeschnittenen Kellnerinnen-Dekolleté auf den Markt gekommen ist.

Zwei gut eingeschänkte Maßkrüge und ein nicht minder prall gefüllter Blusenausschnitt mit dem Slogan »Was darf's denn sein?« – daran hat sich die »Emma«-Redaktion in der jüngsten Ausgabe verschluckt. »Was es sein darf?« lautet die anklagende Frage. Die Antwort: »Eine Werbung, die Frauen nicht als Ware präsentiert!«

Für das »Hofbräuhaus« Traunstein erweist sich die Sexismus-Schelte indes als willkommener Werbeeffekt – dank der Facebook-Replik der Güteklasse »Sauber ei'gschenkt«, die in der Kommentarspalte ein einziges überschäumendes Prosit auf die unverklemmte bayerische Lebensart sowie einen Shitstorm für die preußischen Sittenhüter erzeugt.

Die Traditionsbrauerei schreibt der »lieben Emma-Redaktion«, dass man sehr erfreut sei, »dass nach mehr als zehn Jahren auch Ihr unseren Bierdeckel entdeckt habt«. Eine bayerische Bedienung sei seit je her Inbegriff einer starken, mutigen, witzigen Frau. »Und die fragt ihre Gäste natürlich 'Was darf's sein?'. Bei uns darf's auf alle Fälle mehr Humor sein – das Schwingen der Sexismus-Keule überlassen wir anderen!«

Verfasst hat die Antwort Marketingleiterin Katharina Gaßner, die die Werbung für das Hofbräuhaus-Helle vor 16 Jahren selbst entworfen hat. Schon damals war sie der Meinung, dass ein Motiv, das die bayerische Lebensart zeigt, wie man sie in Biergärten und Wirtshäusern tatsächlich vorfinde, nun wirklich nicht unter Sexismus-Verdacht stehen könne. »Wir wollten damals etwas Frisches und Spritziges machen, und es ist so gut angekommen, dass der Bierdeckel noch immer sehr gefragt und beliebt ist.« Dass ihr Facebook-Post tausendfach geklickt wurde, kam auch für sie überraschend. »Aber es zeigt, dass man das Thema nun wirklich nicht bierernst sehen muss.«

»Bei den Bedienungen haben wir auch wirklich noch niemanden getroffen, der sich an dem Werbemotiv gestört hätte«, sagt sie. »Das sind halt auch g'standene Frauen mit Schneid, die sich behaupten.« Von manch emanzipatorisch veranlagter Dame sei sie schon geschimpft worden. »Ich stehe trotzdem hundert Prozent dazu. Nur weil es mal ein bisserl frecher ist, hat das noch nichts mit Sexismus zu tun. So sieht die Bierkultur bei uns nun mal aus. Alice Schwarzer ist herzlich eingeladen, sich davon bei einem Biergartenbesuch selbst zu überzeugen.«

Wobei die Gefahr besteht, dass die »Emma«-Herausgeberin weitere »Hofbräuhaus«-Bierdeckel für ihre Kolumne entdeckt. Denn auch in die Reklame fürs Weißbier könnte man einiges hinein interpretieren: »Hilft in Sekunden – wirkt für Stunden« heißt es da über einem turtelnden Paar. Für Gaßner auch kein Grund zum feministischen Aufschrei. »Auch dieses Motiv ist einfach mitten aus dem Leben. Die Models waren damals unser Bräu Maximilian Sailer und seine Frau«, erzählt sie. »Die ist auf dem Bild ja eh fast mehr ins Weißbier verliebt als in ihn.« Und: »Sie sind immer noch glücklich verheiratet ...«

Dass die Bedienungen jetzt auf dem Frühlingsfest im Rollkragenpullover herumlaufen, davor muss aber nun kein Gast Angst haben. tt