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»Bald hinum, bald herum« im Klaushäusl

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Sie lasen im  Museum Klaushäusl  ihre  Mundartdichtungen vor  (von links):  Gerlinde Allmayer, Lisbeth Ebner, Robert Gapp, Max Faistauer und Gustl Lex. (Foto: T. Eder)

Grassau – »Die gemeinsame Salzgeschichte wie auch die Liebe zum Dialekt und die Liebe zur Volksmusik verbindet das Salzburger Land und den Chiemgau«, betonte Bürgermeister Rudi Jantke zur Eröffnung des Volksmusikabends im Museum Klaushäusl. Bei der Veranstaltungsreihe »Bald hinum, bald herum« gaben sich im historischen Gebäude Mundartdichter aus Salzburg und dem Chiemgau ein Stelldichein.


Siegi Götze hatte diesen Abend im Klaushäusl organisiert und neben den Dichtern auch die »Früah-Musi« aus Brunnthal bei München verpflichten können. Seit 16 Jahren gibt es diese Veranstaltung nunmehr, die sich als Euregio- Projekt dem Erhalt der Mundartdichtung und Literatur verschrieben hat und abwechselnd im Salzburger, dann wieder im Bayerischen Raum stattfindet. Da freute es den Grassauer Rathauschef besonders, dass die »besten Mundartdichter der Region« im Klaushäusl gastierten. Zu verdanken sei dies Siegi Götze, der bereits seit 20 Jahren Volksmusikveranstaltungen im Klaushäusl organisiert.

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Siegi Götze stellte die Autoren vor

Natürlich kannte Siegi Götze, ein Kenner und Förderer der bayerischen Kultur, Mundart und Volksmusik, die Autoren persönlich. So stellte er die Autorin Gerlinde Allmayer aus Niedersill im Pinzgau, den Leiter der bayerischen Schreibstubn und Mundartdichter Gustl Lex aus Grabenstätt, Lisbeth Ebner aus Dürrnberg bei Hallein, Max Faistauer aus St. Martin bei Lofer und Robert Gapp aus Bergen vor. Auch freute ihn zudem, als Gastautor Konrad Mayer aus Siegsdorf in den Reigen der Dichter aufnehmen zu können.

Lyrisch und gefühlvoll eröffnete der Grabenstätter Gustl Lex den Abend mit seiner »Hommage an den Chiemsee, das bayerische Meer« und ließ das Publikum im bis zum letzten Platz gefüllten Klaushäusl über den Herbst und als Älterwerden nachdenken. Mit ihrer Frage nach der Herkunft der »Kaspressknödl« konnte dann Gerlinde Allmayer in ihrer lustigen Geschichte zunächst die Supermarkt-Mitarbeiterinnen aus der Fassung und zudem das Publikum zum Lachen bringen. Schließlich reichte ihr die Angabe »Kaspressknödl aus der Region« nicht, sie wollte schlichtweg wissen: »Wer hot's g'macht?«

Sie habe es mit dem Salz »herschwoabt« gestand Lisbeth Ebner aus Dürrnberg bei Hallein, die sich philosophisch dem »Augenblick« widmete und über »Jung und alt« sinnierte. Robert Gapp aus Bergen, der sich als Lehrer auch mit Lausbubengeschichten auskennt, konnte aus seinem Erfahrungsschatz als Wirtsbub schöpfen und las die Geschichte vom Packerl »Ibidumm« und wie sein Freund und er mit dem Auftrag, dieses zu besorgen, genarrt wurden. Allerdings sei er nie um ein Packerl »Haumiblau« geschickt worden.

Das Publikum lachte Tränen

Die schwierigen zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Mann und Frau ließ Max Faistauer mundartgerecht und poetisch im Raum aufleben und erklärte dann auch, wie man ein Mundartgedicht verfasst. Man brauche zunächst eine Idee für das lyrische Stimmungsbild, dann einen tieferen Sinn und einen schönen Titel. Was die Zuhörer dann mit dem Titel »Nachtfahrt« zu hören bekamen, löste Lachtränen aus.

Nicht weniger amüsant war die Geschichte des Mundartdichters Konrad Mayer aus Siegsdorf, der sich auf Bitten von Götze den Autoren anschloss. Er reflektierte seinen Jogginghosenkauf beim Discounter, inmitten einer Schar aufgebrachter Damen, die um die Schnäppchenhosen kämpften, mit dem Ergebnis, nie wieder ein solches Angebot zu kaufen. Das Publikum bog sich vor Lachen und konnte das lebhaft in Mundart gezeichnete Bild nachvollziehen.

Die zwei österreichischen Vertreter boten zum Ende der fast dreistündigen Veranstaltung noch einen Dialog über die Namensgebung, wobei es wohl manchmal einfacher wäre, den Hausnamen als Postanschrift zu nützen, und erklärten, wie man sich über Eselsbrücken wichtige Nummern merken kann.

Die Feinheiten der unterschiedlichen Dialekte waren an dem Abend gut zu erkennen. Was aber alle Dialekte wohl eint, sind die Liebe zur Mundart, die Freude an der eigenen Sprache und das Gefühl, durch die Sprache einer Region, einer Heimat zugehörig zu sein. Mit seiner unverwechselbaren Art ist es Siegi Götze wieder einmal gelungen, den Gästen dieses Lebensgefühl durch die Autoren, aber auch durch die feine Volksmusik, die den Abend bereicherte, zu vermitteln. Heimat ist wohl auch da, wo man sich mit seinem Dialekt verstanden weiß. tb