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Bald E-Book-Ausleihe per Mausklick

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Kirchanschöring – Im Bücherei-Verbund Leo-Süd bietet Kirchanschöring zukünftig eine E-Book-Ausleihe per Mausklick an. Per »Onleihe« können Nutzer aus rund 16 000 elektronischen Medien auswählen und diese auf ihr E-Book-Lesegerät, Smartphone, den Computer oder das Tablet herunterladen. Der Kirchanschöringer Gemeinderat hat jetzt grünes Licht dafür gegeben, dass sich die Kirchanschöringer Bücherei dem Bibliotheksverbund Leo-Süd (»Lesen Online Südbayern«) anschließen kann.


Das regionale Lese-Bündnis kam unter Federführung des Sankt Michaelsbunds zustande, einem katholischen Bücherei-Fachverband, der bayernweit mehr als 1000 öffentliche Büchereien betreut. Die örtliche Bücherei, die bislang Katholische Öffentliche Bücherei hieß, gewinne dadurch ganz andere Nutzerschichten, hieß es in der jüngsten Gemeinderatssitzung.

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Damit spreche man nicht nur junge Leute mit veränderten Mediengewohnheiten an, bei denen öffentliche Büchereien oft ein verstaubtes Image genießen, sondern vor allem auch ältere Menschen, denen eine in der Größe verstellbare Schrift und die Handlichkeit der E-Book-Geräte entgegenkomme. Ideal sei es auch für zeitlich wenig flexible Personen und für Menschen mit eingeschränkter Mobilität.

Der Online-Katalog Web-OPAC (Online Public Access Catalogue), in den Profis die Daten einlesen, verzeichne dann zudem den gesamten Medienbestand der Bücherei vor Ort. Dort könne der Nutzer nach den gewünschten Medien suchen und sehen, ob diese verfügbar oder entliehen sind. Über ein eigenes Konto könne man Leihfristen überprüfen und gegebenenfalls verlängern sowie ausgeliehene Medien vorbestellen, informierte Bürgermeister Hans-Jörg Birner. Die divibib GmbH, die das System vor Ort einrichtet, sei auf den Betrieb von Ausleihportalen für Bibliotheken spezialisiert.

Gemeinde zahlt 2016 für das neue System 3664 Euro

Allerdings hat das Befüllen einer virtuellen Bibliothek auch seinen Preis: Für das Einrichten des Systems und einer Schnittstelle sowie für das Einlesen in den Online-Katalog fallen Kosten an, die im ersten Jahr, also 2016, etwa 3664 Euro ausmachen. Im Folgejahr sind es mit knapp 2000 Euro etwas weniger. Die braucht man zum Kauf von Medien, für die jährlichen Betriebskosten, für die Schnittstellenbetreuung und zur Pflege des Online-Katalogs.

Die Kosten für das neue System, das einfache und legale Downloads auf Leihbasis bietet, werden aber nicht auf die Benutzer umgelegt. Wie es auf Nachfrage von Zweitem Bürgermeister Franz Portenkirchner hieß, bleibt es beim bisher gültigen Mitgliedsbeitrag der Bücherei. Für Familien wird eine geringe Pauschalgebühr von acht Euro im Jahr erhoben, Einzelpersonen zahlen jährlich sechs Euro. Jeder Inhaber eines Benutzerausweises erhalte ein Passwort und könne sich unkompliziert einloggen. Vom heimischen Sofa aus können sie den Online-Katalog ihrer Gemeindebücherei und des Online-Verbunds rund um die Uhr nach E-Books, digitalen Zeitschriften, Tageszeitungen und Hörbüchern durchstöbern.

Doch nicht allein die virtuelle Bibliothek soll die Attraktivität der Einrichtung steigern. Vielmehr soll sie künftig eine gemeinsame Trägerschaft von Kirchenstiftung und Gemeinde geben. Die Katholische Öffentliche Bücherei, deren alleiniger Träger bis jetzt die örtliche Pfarrkirchenstiftung St. Michael war, wird umgewandelt in die »Gemeindebücherei St. Michael Kirchanschöring«. So beschloss es der Gemeinderat auf eine entsprechende Empfehlung aus dem hiesigen Sozialausschuss. Das Gremium stimmte auch dem Kooperationsvertrag zur Gründung der neuen Gemeindebücherei zu. Der hat eine Laufzeit von zehn Jahren.

Mit dieser Gründung ist nicht nur die Änderung des Namens, sondern vor allem auch die der Struktur verbunden: Die Leitung des Hauses übernimmt ein Büchereikuratorium, dem je zwei Personen aus der Gemeinde und der Pfarrkirchenstiftung angehören. Diese vier benennen die verantwortliche Leitung und übernehmen die Hauptverantwortung für den laufenden Büchereibetrieb. Sie sind autorisiert, über das zur Verfügung stehende Budget zu entscheiden, und sie sind berechtigt, die Benutzungsordnung (Öffnungszeiten, Leihgebühren) festzulegen. In Fragen der finanziellen Ausstattung, dienstrechtlich-personellen Fragen und bei weiter reichenden Sachfragen sind jedoch Beschlüsse der zuständigen Gremien von Gemeinde und Kirchenverwaltung einzuholen.

Wie Bürgermeister Birner zu weiteren Vertragsinhalten informierte, ist die Bücherei mietfrei in den Räumen des Pfarrzentrums untergebracht. Die Kommune übernimmt 50 Prozent der laufenden Unterhaltskosten. »Dafür wird einmalig ein Pauschalbetrag errechnet, der alle drei Jahre an den Verbraucherpreisindex angepasst wird.« Die Gemeinde stellt als Budget 4000 Euro zur Verfügung. Davon sind 2500 für den Erwerb von Medien zu verwenden. Der Rest sei für kleinere, vom Kuratorium genehmigte Anschaffungen gedacht, sagte Birner, ehe der Gemeinderat über die Kooperation und die Erweiterung des Bücherei-Angebots auf E-Book-Leihe abstimmte. Beides bejahte das Gremium.

Hüller warnte vor zu viel Medienkonsum

Er befürworte das Lesen; das ständige Sitzen am PC gehe aber nicht unbedingt in die von ihm gewünschte Richtung, warnte Ratsmitglied Dr. Michael Hüller vor zu viel Medienkonsum bei Kindern. Motorische Unruhe, Konzentrationsschwäche und Schlafstörungen seien klassische Symptome, die auch durch falschen Mediengebrauch entstehen.

Dieser Argumentation konnten alle folgen. Auch die Bücherei sieht sich dieser Aufgabe verpflichtet und so werde es weiterhin die Kooperation mit der örtlichen Schule im Rahmen des Leseprogramms Antolin und Klassenbesuche in den Büchereiräumen geben. Doch man wolle den Jugendlichen, die den Zugang zum Buch verloren haben, wieder eine moderne Möglichkeit bieten, das wichtige Kulturgut Buch – so eben auf digitale Weise – zu nutzen und wieder zu lesen, schloss Birner. ca

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