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Bahn-Haltestelle am Klinikum frühestens 2016

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Mit dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im Landkreis Traunstein hat sich die Kreistagsfraktion der Freien Wähler in ihrer jüngsten Sitzung beschäftigt. Hans Pagatsch vom Landratsamt informierte die Kreistagsmitglieder, dass es im Landkreis 63 Buslinien und 110 Kilometer Bahnschienen gibt. Der sogenannte »Variobus« bediene seit etwa einem Jahr im Probebetrieb bis Ende 2016 bedarfsorientiert den nordöstlichen Landkreis.


»Wir waren überrascht von den Fahrgästen«, sagte Pagatsch mit Blick auf den »Variobus«. Von Mai bis Dezember habe man über 4200 Fahrgäste gehabt. Ähnlich gut angenommen werde auch der »Rufbus« der Stadt Traunstein, der seit Dezember 2014 in Betrieb ist und 58 Haltestellen im Stadtgebiet anfährt. Im Schnitt habe man hier 500 Fahrgäste pro Monat. Der »Variobus« und der »Rufbus« sind vom Freistaat gefördert, dem Landkreis beziehungsweise der Stadt Traunstein bleiben Kosten von jeweils rund 15 000 Euro im Jahr.

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Pagatsch stellte außerdem die fünf Nachtexpresslinien im Landkreis Traunstein vor, die sukzessive seit 1992 eingerichtet worden sind. Hier muss der Landkreis rund 115 000 Euro jährlich zahlen. Der Fraktionsvorsitzende Dr. Lothar Seissiger betonte, dass nicht zuletzt durch die Nachtbusse die alkoholbedingten Unfälle bei Jugendlichen in den vergangenen Jahren abgenommen hätten.

Als Erfolgsgeschichte bezeichnete Pagatsch die »Chiemseeringlinie«. Sie habe vergangenes Jahr pro Tag im Schnitt 119 Fahrgäste und 22 Fahrräder transportiert. Ein Großteil der Fahrgäste sei mit Kurkarte unterwegs. »Etwas ganz Besonderes ist auch der 'Bürgerbus'«, so Pagatsch weiter. Dieser werde von Ehrenamtlichen mit Personenbeförderungsschein gefahren und transportiere seit 2003 jährlich über 5500 Fahrgäste. Im Landkreis bediene er unter anderem die Orte Pittenhart und Obing.

In Planung sei ein Rufbus-System für den nordwestlichen Landkreis. »Die Gespräche sind bereits weit gediehen«, so Pagatsch. Das Konzept sei an den »Variobus« angelehnt und bereits bei der Regierung angemeldet.

Seit 1. Mai gibt es für zwölf Euro das »Chiemgau-Tagesticket«, mit dem man ab 8 Uhr alle Buslinien im Landkreis und alle Schienenstrecken der Südostbayernbahn benutzen kann. Das Ticket läuft im Probebetrieb bis 30. April 2016. »Wir sind einer der ersten Landkreise, die so etwas haben«, betonte Pagatsch.

Dr. Seissiger erkundigte sich nach der geplanten Haltestelle der Südostbayernbahn am Traunsteiner Klinikum. »Sie sollte eigentlich zum Fahrplanwechsel 2015 realisiert werden, das ist aber nun nicht der Fall«, antwortete Hans Pagatsch. Es sei der Einwand gekommen, dass die Bahnschranke zu lange geschlossen bleiben müsste, wenn der Zug am geplanten Ort halte. Das sei ein Problem bei Notarzteinsätzen, bei denen es immer wieder um Sekunden gehe. »Der Halt ist nun an anderer Stelle für September 2016 geplant – vielleicht wird es auch später«, resümierte er.

Josef Wimmer, Bürgermeister der Gemeinde Surberg, beschwerte sich: »Wir sind fünf Kilometer von Traunstein weg und haben die schlechteste Anbindung.« Hans Pagatsch erläuterte, dass es hier Probleme mit den Konzessionen gebe.

Vitus Pichler, Altbürgermeister von Schnaitsee, mahnte: »Man sollte im Auge behalten, dass sich der Freistaat aus den Förderungen zurückziehen kann.« Dem schloss sich Seissiger an: »Man muss aufpassen, dass nicht zu viele Projekte wegen der anfänglich großzügigen Förderung des Staates verwirklicht werden.« fb