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Bachauskehr auch für die Kleinsten ein Erlebnis

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Für die Kinder des Waldkindergartens Tacherting war die Steiner Bachauskehr ein besonderes Erlebnis. Mit Erlaubnis der Fischwasserbesitzer durften sie nach dem offiziellen Abfischen die Fische rausholen, die sich noch im Bachbett befanden.

Traunreut – Das Abfischen des Steiner Mühlbachs ist eine schöne Tradition und auch für die Kinder ein tolles Erlebnis. Besonders dann, wenn sie selber mit anpacken dürfen: Bei der Bachauskehr schritten die Nachwuchsfischer des Waldkindergartens Tacherting mit Keschern und Gummistiefel zur Tat. Mit Erlaubnis der Fischwasserbesitzer durften sie nach dem offiziellen Abfischen die Fische rausholen, die sich noch im Bachbett befanden. Die Aktion hat den 18 Kindern sichtlich Spaß gemacht: »Wir haben die Fische gerettet und sie in die Traun gebracht«, erzählten sie stolz dem Traunsteiner Tagblatt.


Wie in den vergangenen Jahren holten die Fischer etwa 15 Zentner Fische, hauptsächlich Bach- und Regenbogenforellen, aus dem Mühlbach. Die gefangenen Fische wurden zum Teil in die Traun umgesetzt, ein Großteil wurde in Weihern gehältert. Wenn heute das Wasser wieder fließt, werden diese Fische dann wieder in den Steiner Mühlbach eingesetzt. Zum Erstaunen der Fischer waren heuer wieder überraschend viele Äschen darunter, etwa 200 dürften es gewesen sein. »Das ist erfreulich, weil diese Fischart im Steiner Mühlbach in den letzten Jahren so gut wie überhaupt nicht mehr vorgekommen ist«, erklärte Konrad Singer, der schon seit Jahrzehnten bei der Bachauskehr aktiv dabei ist. Und noch etwas war für die Fischer überraschend: Auch fünf Waller befanden sich im Mühlbach; woher diese kommen, ist allen ein Rätsel.

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Der leere Mühlbach wird auch für den derzeit laufenden Mühlbachbrückenneubau genutzt. Die aus dem Jahr 1906 stammende Brücke wurde komplett abgetragen, für das neue Bauwerk wurden die Spundwände gesetzt. Nach Angaben von Franz Kyhr, Polier des österreichischen Brückenbauers, verlaufen diese Arbeiten planmäßig und der Mühlbach kann wie geplant, heute wieder geflutet werden. »Es schaut nicht so aus, dass wir auf Schwierigkeiten stoßen«, so Kyhr. Die Baumaßnahme an der Brücke wird aber noch bis Anfang Dezember andauern. Anders als bisher wird es danach nicht mehr zwei Brücken für den Straßenverkehr und die Radfahrer geben, sondern eine etwas breitere für die Straße inklusive Geh- und Radweg.

Bis es aber soweit ist, wird der Verkehr über eine Behelfsbrücke geleitet. Diese Ausweichspur wurde bereits einem Autofahrer zum Verhängnis. Wie berichtet, krachte vor einigen Tagen nachts ein Autofahrer in die Baustelle. Der Fahrer war nicht dem ausgewiesenen Straßenverlauf der Baustellenumfahrung, sondern fuhr in der Rechtskurve geradeaus in den Baustellenbereich. Kyhr mag gar nicht daran denken, was hätte passieren können, wenn der Unfall tagsüber passiert wäre, während die Arbeiter auf der Baustelle waren. »Das wäre eine Katastrophe gewesen«, so der Polier. Weiter mahnte er an, dass trotz einer Drosselung der Geschwindigkeit im Baustellenbereich von 50 auf 30 km/h teilweise viel zu schnell gefahren werde. Vor allem die Lkw-Fahrer »fahren wie verrückt.«

Der Steiner Mühlbach wird alljährlich im Herbst abgelassen, um das Bachbett zu säubern. Nachdem in den vergangenen zwei Jahren von den Triebwerksbesitzern größere Sanierungsmaßnahmen durchgeführt worden waren, standen heuer nur die üblichen kleineren Reparaturen an, etwa an den Schleusen, sagte Peter Klemm von der Poschmühle. Auch an den Rechen der E-Werke blieb kaum Unrat hängen. Die von Menschen oft achtlos im Bach »entsorgten« Gegenstände müssen von den vier Bachbesitzern respektive E-Werksbetreibern auf eigene Kosten entsorgt werden.

Die Fischer nutzen die traditionelle Bachauskehr, um den Mühlbach abzufischen. Sie verwenden dazu einen Kescher, der mit einem Stromaggregat verbunden ist. Durch die Elektroschocks werden die Fische kurzzeitig betäubt. Ein Fisch nach dem anderen wird in bereitstehende Eimer befördert. Es lässt sich aber nicht vermeiden, dass einige Fische im Bachbett zurückbleiben. Wird dann kein Restwasser durch das Bachbett gelassen, gehen diese ebenso zugrunde wie unzählige Bachflohkrebse und andere im Bach vorkommende Kleinstlebewesen. Insofern waren die Fischer den Kindern des Tachertinger Waldkindergartens auch dankbar, dass sie noch einige der »entkommenden« Fische erwischten und ihnen damit das Leben retteten. ga