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B307-Ausbau: Neue Straße, weitgehend auf der alten Trasse

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Mit einer Luftaufnahme von Geisenhausen und Donau verdeutlichten Vertreter des Staatlichen Bauamts Traunstein die drei Ausbauvarianten – die leicht unterschiedlichen Straßenverläufe sind in den Farben gelb, rot und grün dargestellt (Bildmitte). (Foto: Staatliches Bauamt Traunstein)

Das Staatliche Bauamt Traunstein hat mit den Voruntersuchungen für den Ausbau der Bundesstraße 307 zwischen Geisenhausen und Donau begonnen. Drei von der Behörde erarbeitete Ausbauvarianten sind bei einer gemeinsamen Sitzung der Gemeinderäte Schleching und Marquartstein der Öffentlichkeit vorgestellt worden.


Das Interesse am Bundesstraßenausbau ist groß: Der Saal des Weßner Hofs in Marquartstein war laut dem Traunsteiner Bauamtsleiter Christian Rehm »brechend voll«. Eine gewisse Skepsis sei zu spüren gewesen, doch die gebe es »eigentlich immer bei Infrastrukturmaßnahmen«, so Rehm im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Er versuchte darum auch gleich anfangs zu beruhigen: Seine Behörde gestalte schon die jetzigen Vorplanungen transparent, die Kommunen hätten von Anfang an ein großes Mitspracherecht.

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Was Rehm bei der Veranstaltung aber klar machte: Der Ausbau der rund 1,5 Kilometer langen Strecke ist alternativlos. Der Abschnitt entspricht nicht mehr den Standards und Normen einer Bundesstraße. »Das ist eine historische Straße, die nie richtlinienkonform ausgebaut worden ist«, erläutert er im Interview. So ist die Fahrbahn teilweise nur fünf Meter breit; die Regelbreite für Bundesstraßen beträgt aber acht Meter. Das Staatliche Bauamt visiert momentan eine Ausbaubreite von sieben Metern an, »weil die Verkehrsbelastung auf der B 307 nur halb so hoch ist wie durchschnittlich auf Bundesstraßen in Bayern«, so Rehm.

Der Abschnitt zwischen Geisenhausen und Donau gehört damit komplett neu gebaut, die neue Linienführung soll aber weitgehend auf der alten Trasse bleiben. Abweichen wird sie vor allem dort, wo die Kurvenradien zu gering sind. Unterm Strich will man die Strecke also so weit wie möglich begradigen. Allerdings: Die Rahmenbedingungen lassen sowieso nur Änderungen in geringem Umfang zu.

FFH-Gebiet und Überflutungsfläche

So führt die Ausbaustrecke im südwestlichen Teil durch ein Fauna-Flora-Habitat-Gebiet. Der streng geschützte Lebensraum darf durch den Ausbau nicht beeinträchtigt werden. »Da kann man nur machen, was unbedingt notwendig ist«, verdeutlicht Rehm. Hinzu kommt, dass die Straße auch an einer sogenannten Retentionsfläche vorbeiführt, also an einer Fläche, die im Falle eines Hochwassers als Überflutungsfläche dient. »Auch dort sollte man möglichst wenig eingreifen«, erklärt der Leiter des Staatlichen Bauamts Traunstein. Fällt zum Beispiel durch den Ausbau ein Teil der Retentionsfläche weg, dann müsste man das an anderer Stelle ausgleichen.

Zudem durchschneidet die Bundesstraße bereits jetzt einen bewaldeten Geländerücken. Der Eingriff in das Gelände wird sich bei jeder Ausbauvariante vergrößern. Die geringen Kurvenradien an dieser Stelle seien für eine Bundesstraße nicht mehr vertretbar, so Rehm.

Bernadette Wallner, die Leiterin der Planungsabteilung des Staatlichen Bauamts Traunstein, stellte schließlich die drei Ausbauvarianten vor. Bei der ersten Variante (»gelb«) sind die Eingriffe in das FFH-Gebiet und den Waldrücken am geringsten, dafür ist aber der Eingriff ins Überschwemmungsgebiet relativ groß. Und: Es ist die Variante mit dem geringsten Abstand zu den bestehenden Wohnhäusern.

Bei der zweiten Variante (»rot«) ist der Eingriff ins FFH-Gebiet wieder minimal, dafür ist der Einschnitt in den Waldrücken relativ groß. Der Eingriff ins Überschwemmungsgebiet fällt geringer aus. Der Abstand zur Wohnbebauung wächst deutlich an. Bei der dritten, vom Bauamt favorisierten Variante (»grün«) ist der Eingriff ins FFH-Gebiet zwar am größten, aber noch vertretbar. Hier ist auch der Eingriff in den Waldrücken relativ groß. Dafür ist der Eingriff ins Überschwemmungsgebiet gering und der Abstand zu den Wohnhäusern am größten.

Varianten mit ähnlichem Straßenverlauf

»Die Varianten unterscheiden sich nicht gravierend voneinander«, resümiert Bauamtsleiter Rehm. Davon konnten sich die Besucher der Veranstaltung auch beim Blick auf eine Luftaufnahme überzeugen, in der die drei Varianten farbig eingezeichnet waren.

Die Gemeinderäte sollen sich nach Wunsch des Staatlichen Bauamts Traunstein nun in den nächsten drei Monaten für eine Ausbauvariante entscheiden. Darüber hinaus will die Behörde von den Gremien noch wissen, ob sie einen Geh- und Radweg neben der Ausbaustrecke wünschen und ob sie die sogenannte »Unstetigkeitsstelle«, also den kurvenreichen Abschnitt unmittelbar an der Umfahrung von Raiten, beseitigt haben wollen.

Rehm machte deutlich, dass »bis zum Baurecht noch mehrere Jahre vergehen« werden. »Um Grunderwerb geht es noch lange nicht«, machte der Behördenleiter mit Blick auf die acht betroffenen Grundstückseigentümer deutlich, die auch an der Sitzung in Marquartstein teilnahmen. Sie zeigten sich gegenüber den Planungen grundsätzlich aufgeschlossen, wollen aber auch ihre Interessen vertreten wissen. san

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