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»Azubi-Rekrutierung wird für Betriebe zur Herausforderung«

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Im vergangenen Jahr stellten die Betriebe aus Industrie, Handel und Dienstleistung im Landkreis Traunstein 695 Auszubildende neu ein. Im Berchtesgadener Land waren es 369 Jugendliche.

Traunstein – Im Landkreis Traunstein absolvieren wieder mehr Jugendliche eine Ausbildung: Insgesamt stellten die Betriebe aus Industrie, Handel und Dienstleistung im vergangenen Jahr 695 Auszubildende neu ein. Das sind 4,7 Prozent mehr als noch im Jahr 2014. Damit koppelt sich der Landkreis deutlich vom oberbayerischen Trend ab. Hier ging die Anzahl der Neu-Verträge um 0,3 Prozent zurück. Dies geht aus der aktuellen Ausbildungsstatistik der IHK für München und Oberbayern für das Jahr 2015 hervor.


»Die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen ist ungebrochen. Doch es wird auch für die Betriebe im Landkreis immer schwieriger, geeignete und genügend Azubis zu rekrutieren«, sagte Werner Linhardt, Vorsitzender des IHK-Gremiums Traunstein. Verstärkt ausgebildet wird im Landkreis sowohl in den gewerblich-technischen Berufen (plus 6,4 Prozent) als auch in den kaufmännischen Berufen (plus 3,5 Prozent). Dabei konnten insbesondere der Einzelhandel (148 Neu-Verträge/Vorjahr 135), der Groß- und Außenhandel (46/Vorjahr 31) und die Elektrotechnik (68/Vorjahr 56) zulegen.

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Duale Ausbildung als Alternative zum Studium

»Trotz dieser erfreulichen Bilanz ist es höchste Zeit, zu handeln. Ansonsten läuft uns langfristig der Fachkräftemangel aus dem Ruder«, mahnte Linhardt. Erforderlich seien vor allem gesellschaftliches Umdenken und die Abkehr vom vorherrschenden Akademisierungswahn. »Die duale Ausbildung muss wieder als attraktive und echte Alternative zum Studium wahrgenommen werden«, fordert der Gremiumsvorsitzende. Noch immer würden die Karrierechancen nach der betrieblichen Ausbildung und die Fortbildungsmöglichkeiten über Meisterkurse bis zum Hochschulstudium unterschätzt.

Zugleich müsse die rasche Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt vorangetrieben werden. »Das von den bayerischen Handelskammern entwickelte '3+2 Modell' hat letztendlich bewirkt, dass Asylbewerber, die eine Lehre aufnehmen, nicht nur für die Dauer ihrer dreijährigen Ausbildungszeit ein Bleiberecht haben, sondern darüber hinaus auch in den folgenden zwei Jahren nicht abgeschoben werden dürfen«, so der IHK-Gremiumsvorsitzende.

Maßnahmen werden erst langfristig greifen

Damit die Integration in den Arbeitsmarkt weiter Fahrt aufnimmt, wird die Wirtschaft selbst in Vorleistung gehen: Dazu stellen die bayerischen Industrie- und Handelskammern acht Millionen Euro für berufs- und ausbildungsbegleitende Sprachförderung, den Aufbau von Unterstützungsstrukturen oder die spezifische Fortbildung von Ausbildern für Flüchtlinge zur Verfügung. »All diese Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel werden aber erst langfristig greifen«, betonte Linhardt. »Bei den Flüchtlingen erweisen sich die fehlenden Sprachkenntnisse oft als die größte Hürde für den Einstieg in eine Ausbildung oder einen Job.«

Derzeit erlernen im Landkreis Traunstein 78 ausländische Jugendliche einen Ausbildungsberuf bei Industrie-, Handels- oder Dienstleistungsunternehmen. Ihr Anteil an den insgesamt 1857 Auszubildenden in IHK-Berufen liegt momentan bei vier Prozent. In vier Berufsintegrationsklassen werden außerdem rund 70 jugendliche Asylbewerber auf das Berufsleben vorbereitet.

Zahlen aus dem Berchtesgadener Land

Auch die Unternehmen im Landkreis Berchtesgadener Land sind zufrieden. Im vergangenen Jahr begannen 369 Jugendliche eine Ausbildung, das sind 12,5 Prozent mehr als im Jahr 2014. Verstärkt ausgebildet wird im Landkreis BGL vor allem in den gewerblich-technischen Berufen (plus 31 Prozent) und hier allen voran in der Metalltechnik (58 Neu-Verträge/ Vorjahr 46) und in der Elektrotechnik (20   Neu-Verträge/Vorjahr  9). Aber auch Ausbildungen in den kaufmännischen Berufen haben zugenommen (plus 6,8 Prozent). Dabei konnten insbesondere der Einzelhandel (92 Neu-Verträge/Vorjahr 70) und das Hotel- und Gastgewerbe (58 Neu-Verträge/Vorjahr 50) mehr Lehrlinge einstellen.

Derzeit erlernen im Landkreis Berchtesgadener Land 62 ausländische Jugendliche einen Ausbildungsberuf bei Industrie-, Handels- oder Dienstleistungsunternehmen. Ihr Anteil an den 924 Auszubildenden in IHK-Berufen liegt damit bei 6,7 Prozent. In drei Berufsintegrationsklassen werden mehr als 50 jugendliche Asylbewerber auf das spätere Berufsleben vorbereitet. fb