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Axel Schulz nahm kein Blatt vor den Mund

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Moderator Karlheinz Kas mit dem Traunreuter Nachwuchsboxer Serge Michel und dem ehemaligen Box-Profi Axel Schulz (von links) beim Benefizabend des Freundes- und Förderkreises der Jugendsiedlung Traunreut. (Foto: Wolf)

Traunreut – Zur jährlichen Benefizveranstaltung des Freundes- und Förderkreises der Jugendsiedlung Traunreut kamen rund 300 Besucher. Star-Gast war der ehemalige Profi-Boxer Axel Schulz aus Berlin.


Bei dem Benefizabend sollte es um starke Charaktere gehen. Zu diesem Anlass berichtete Axel Schulz im Interview mit dem BR-Sportreporter Karlheinz Kas von seiner Karriere und nahm kein Blatt vor den Mund. Er sei immer ein »Trainingstier« gewesen: »Ich habe geackert, wie ein Schwein«, so Schulz. Das sei ihm nicht schwergefallen, weil Nachlässigkeit in seinem Sport sofort bestraft wurde: »Wenn du zu wenig gemacht hast, gab‘s was auf die Fresse.«

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»Gegen den alten Sack, das müsste gehen«

Der Ex-Boxer, nicht um Etikette bemüht, berichtete, wie er als Ostdeutscher recht spät bei einem Aufenthalt in Manila von bestimmten Etablissements erfuhr. Moderator Kas versuchte zu retten und half mit dem Wort »Nachtclub« aus. Und auch Vielkanalfernsehen, so erzählte der Boxer, gab es dort. Es wurden die großen Kämpfe gezeigt und da habe sich das Team gesagt: Was die können, das können wir auch – wenn die Mauer fällt. Als er dann 1995 die Chance bekam, gegen den damals 45 Jahre alten George Foreman um den Weltmeistertitel zu kämpfen, habe er gedacht: »Gegen den alten Sack, das müsste gehen«, so der Ex-Boxer. Ob es denn ein großes Wortgefecht vor dem Kampf gab, fragte Kas, und Schulz antwortete: »Eigentlich nicht, ich hab ja kein Englisch verstanden.«

Schlimmer als der damals nicht anerkannte Sieg, sei allerdings die darauffolgende Niederlage gegen den Südafrikaner Francois Botha gewesen. Von jetzt auf gleich, hätten sich alle Unterstützer von ihm abgewendet, bis sich herausstellte, dass sein Gegner gedopt war. Es sei ihm eine lehrreiche Erfahrung gewesen, so Schulz.

Das Publikum dankte ihm seine Ehrlichkeit mit Beifall und Schulz sorgte für ein kurzweiliges Interview. So, als er auf die Frage von Kas, ob der Boxerkollege Marco Huck einen Doktortitel habe, antwortete: »Der hat keinen. Wobei ich weiß nicht, ob er Frauenarzt ist, oder so was.« Doch Schulz sprach auch über sein soziales Engagement und seine Familie. Bei der Charakterbildung komme es auf Selbsterkenntnis an, so Schulz. Da könne er seinem Vorredner nur zustimmen.

Denn der Strafverteidiger Erkan Altun hatte zu Beginn des Abends Geschichten aus seinen Anwaltsleben erzählt. Und darüber, wie Menschen auf Abwege geraten. Besonders leid, so Altun, täten ihm Mandanten, die mit einer einzigen falschen Entscheidung Dinge in die falsche Richtung lenken. Meist würden Menschen falsche Entscheidungen treffen, weil sie Anerkennung suchen oder weil sie kein Unrechtsempfinden für Taten, wie zum Beispiel Steuerhinterziehung, haben. Die besten Entscheidungen seien die, bei denen man sich treu bleibe. Dazu müsse man sich allerdings kennen – und nicht nur die Stärken.

Die Veranstalter des Abends nahmen auf das Motto »Charakter stärken« Bezug und berichteten von Kindern und Jugendlichen, die auf dem Bildungsweg Probleme haben. In Traunreut können sie wohnen, zur Schule gehen und eine Ausbildung machen. Für viele der Berufe, die das Zentrum anbietet, sei es wichtig, einen Stapler-Führerschein zu machen, so der Geschäftsleiter der Jugendsiedlung, Heiner Roth. Da der alte Stapler allerdings nicht mehr funktionstüchtig sei, sollen die Spenden des Abends für ein neues Fahrzeug verwendet werden.

Tipps für Nachwuchsboxer Serge Michel

Bevor das offizielle Programm zu Ende ging, verpflichtete Axel Schulz die Gäste in Traunreut noch für ein kurzes Promotion-Video. Der Traunreuter Serge Michel, der gerade seine Profikarriere startet, hatte zuvor auf der Bühne ein paar Tipps von Schulz bekommen. Der Nachwuchsboxer ließ keinen Zweifel daran, dass auch er Großes vorhat: »Mich interessieren keine kleinen Titel, ich will Weltmeister werden«, kündigte er an. Für seinen nächsten Kampf bat er Schulz um ein kurzes Video, das zu Beginn des Kampfes gezeigt werden soll. Schulz machte das gleich an Ort und Stelle, mit dem Publikum als Anheizer. Auch die Band Lenze & de Buam holte er dafür nochmal auf die Bühne: »Kommt her ihr Pfeifen – ihr seid sensationell«.

Übrigens: Weder Schulz noch seine Bühnenkollegen Altun und die Band verlangten Gage für ihre Auftritte. naw