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Autos und Filmausrüstung nach Osteuropa verschoben

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Wegen Verschiebens gestohlener oder unterschlagener, hochwertiger Autos mit gefälschten Papieren sowie einer über 100 000 Euro teuren Filmausrüstung nach Osteuropa musste sich gestern ein 38 Jahre alter Kasache vor der Zweiten Strafkammer am Landgericht Traunstein verantworten. Der geständige Angeklagte muss für weitere vier Jahre ins Gefängnis. Insgesamt hat er in Deutschland schon fast zehn Jahre hinter Gittern verbüßt.


Der Angeklagte stammt aus der früheren Sowjetunion, lebte erst in der Ukraine, dann in Kasachstan. 1991 drang der Vater darauf, dass seine Familie aus Sicherheitsgründen nach Bayern zog. Im Süden des Landkreises Traunstein fand die Familie eine neue Heimat. Der 38-Jährige arbeitete zunächst als Tellerwäscher und in der Autobranche.

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Sein Leben aus der Bahn brachte 1994 ein gefälschter Führerschein, den er bei einem Verkehrsunfall vorzeigte, in den er auf dem Weg zum Arbeitsplatz verwickelt wurde. Letztlich glitt er in ein kriminelles Leben ab. Nach Entlassung aus mehr als dreijähriger Haft wegen schweren Bandendiebstahls wurde der 38-Jährige im Jahr 2000 nach Moskau abgeschoben. Er kehrte unerlaubterweise zurück, beging weitere Straftaten und landete dieses Mal für sechseinhalb Jahre im Gefängnis. Die zweite Abschiebung, dieses Mal nach Kasachstan, folgte 2008.

Etwa drei Jahre später reiste der 38-Jährige wieder illegal in die Bundesrepublik ein – zu den jetzt angeklagten Straftaten. Dabei zog er auch noch seinen jüngeren Bruder, der prompt zweimal von der Polizei erwischt wurde, mit in die Autoschiebereien hinein, weshalb dieser 2012 in Traunstein zu einer Strafe mit Bewährung verurteilt wurde.

Neben den Ausländerdelikten räumte der 38-jährige Angeklagte das Verschieben eines Porsche Cayenne im Wert von 75 000 Euro ein, eines BMW X6 mit einem Wert von 43 500 Euro sowie eines 38 000 Euro teuren Lkws Mercedes Actros, eines in Tschechien unterschlagenen Leasingfahrzeugs. Zwei Fahrzeuge konnten von der bayerischen Polizei sichergestellt werden. Mit gefälschten slowakischen Dokumenten mietete der Kasache zudem im Juni 2011 Filmmaterial im Wert von 105 975 Euro an. Er ließ die Ausrüstung in München abholen und verscherbelte sie später in Kiew für 50 000 Dollar.

Der intelligente, wortgewandte Mann mit Realschulabschluss hatte, wie er gestern schilderte, eine Leidenschaft: Autorennen. 1994 gründete er in Kasachstan eine Rennfahrschule samt Stuntausbildung. Bekannt wurde er durch einen Ferrari als Fahrschulauto, der allerdings binnen kurzer Zeit defekt war und 25 000 Euro Reparaturkosten erforderte. Als die Fahrschule pleite war, nahm der Ferraribesitzer in der Ukraine Filmjobs an.

Nach dortigen Problemen und der Flucht vor Gläubigern hätte er in Düsseldorf als Stuntfahrer und Ausbilder arbeiten können, was aber an der fehlenden Aufenthaltserlaubnis scheiterte. So stieg er wieder in den »Autohandel« ein, der ihm den aktuellen Prozess bescherte. »Wie soll es weitergehen?« Auf diese Frage von Vorsitzendem Richter Erich Fuchs meinte der 38-Jährige: »Wenn ich in Deutschland bleiben dürfte, hätte ich schon ein paar Angebote.« Fuchs dazu: »Damit sieht es schlecht aus.« kd