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Autofahrer brauchen noch länger Geduld

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Noch immer komplett überschwemmt war gestern die Autobahn bei Grabenstätt. Die Wassermassen haben mit ihrer Kraft ein Teilstück der Leitplanke mit sich gerissen. Der Verkehr wurde umgeleitet. (Foto: Müller)
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Wasser ohne Ende: Blick von Raiten auf die überflutete Bundesstraße 305. (Foto: Reichenbach)

Viel Geduld braucht nach der Hochwasserkatastrophe vom Wochenende auch in den nächsten Tagen noch jeder, der mit dem Auto im Landkreis Traunstein unterwegs ist – egal, in welche Richtung. Wegen der Vollsperrung der Autobahn zwischen Bernau und Bergen kam es gestern auf allen Umleitungsstrecken vor allem mit Einsetzen des morgendlichen Berufsverkehrs zu kilometerlangen Staus. Und das bleibt erstmal so: Die Sperrung dauert mindestens bis Donnerstag.


Die Sperre der Autobahn strapazierte schon am Sonntag viele Nerven. Etliche Reisende baten bei der Polizei um Hilfe. Obwohl die Umleitung betreut wurde, hatten sich manche hoffnungslos verfahren oder waren aufgrund der langen Zeit im Stau auf Quartiersuche. Hotels und Pensionen in Traunstein und Siegsdorf waren schnell ausgebucht. Einige Reisende wichen nach Traunreut aus. Fahrer von Wohnmobilen oder Wohnwagen blieben kurzerhand auf Parkplätzen von Einkaufszentren stehen, wie etwa in Egerer bei Chieming, berichtete Rainer Wolf von der Polizeiinspektion Traunstein auf Anfrage.

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Die Situation verschärfte sich am gestrigen Montag mit Einsetzen des Berufsverkehrs – trotz Katastrophenalarms, Lkw-Fahrverbots und obwohl fast alle Schulen geschlossen blieben. Zahlreiche Ausweichrouten waren noch überflutet und gesperrt. Behördenvertreter baten Autofahrer, nur zu fahren, wenn es unbedingt sein muss, oder die Chiemseeregion weiträumig zu umfahren.

»Wir haben zurzeit keine größeren Probleme mehr«, meldete gestern Mittag der Leiter der Polizeiinspektion Traunstein, Rainer Wolf. Die Bundesstraße 304 in Richtung Wasserburg sei ein Stauschwerpunkt, »eine Bundesstraße nimmt natürlich nie die Verkehrsmenge einer Autobahn auf.« Dementsprechend berichteten Augenzeugen dem Traunsteiner Tagblatt von kilometerlangen Staus von Siegsdorf und Teisendorf aus Richtung Traunstein. Wer auf der Autobahn von Salzburg Richtung Traunstein wollte, brauchte von Neukirchen Richtung Siegsdorf und dann auf der Blaue-Wand-Straße bis zum Kreisverkehr Heilig Geist zeitweise mehrere Stunden – und das, obwohl die Polizei an der Ausfahrt Siegsdorf den Verkehr regelte.

Kein Stück besser sah es auf der Westseite des Chiemsees aus: »Aktuell beträgt die Fahrzeit von Bernau bis Prien eine Stunde«, berichtete der Stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Prien, Stefan Jaworek, gestern Mittag. Der Verkehr Richtung Salzburg wurde zunächst im Wechsel nördlich und südlich um den Chiemsee geleitet. Man überlege derzeit, ob in beide Richtungen ausgeleitet werde.

Wann die Autobahn wieder frei ist, konnte der Leiter der Autobahnmeisterei, Markus Götz, gestern noch nicht sagen. »Die Sperrung dauert bis Donnerstag plus X. Erst muss mal das Wasser abfließen, dann können wir die Schäden begutachten.« Da aber die Autobahn zum Teil auf einem Damm verlaufe, müsse man erst prüfen, wie weit dieser aufgeweicht und unterspült sei. »Es sind massive Abspülungen an den Fahrbahnrändern da. Es kann sein, dass ein Lkw-Verkehr erstmal gar nicht möglich ist.«

Die Bundesstraße 305 sollte nach Angaben des Landratsamtes Traunstein von gestern Vormittag zwischen Seehaus und Seegatterl bis etwa 16 Uhr gesperrt bleiben, die B 307 zwischen Marquartstein und Raiten sollte bei Raiten bis zum heutigen Dienstag gesperrt bleiben. Gleiches gilt für die Staatsstraße 2096 zwischen Übersee und Grabenstätt und für den Schlosstunnel auf der Staatsstraße 2098 bei Ruhpolding. Weiter gesperrt waren gestern Nachmittag auch noch die Kreisstraßen TS 45 in Übersee-Feldwies am Chiemseeufer und TS 46 zwischen Wang und Nußdorf. Vom Hochwasser waren auch Bahnstrecken betroffen. Die Hauptstrecke von München nach Salzburg war bis gestern Nachmittag voll gesperrt. Inzwischen fährt die Bahn wieder, außer zwischen Übersee und Traunstein. Dieser Bereich bleibt noch bis zum Wochenende gesperrt, da eine Brücke vom Hochwasser beschädigt wurde. Die Bahnstrecke von Traunstein nach Ruhpolding bleibt wegen Aufräumarbeiten ebenfalls mehrere Tage gesperrt. coho