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Im Landkreis gibt es derzeit 200 offene Lehrstellen – Besonders in der Gastronomie fehlen Bewerber

Auszubildende händeringend gesucht

Traunstein. Die Bewerberlücke wächst auch im Landkreis Traunstein spürbar an. Knapp drei Monate vor Beginn des Ausbildungsjahres ist absehbar, dass heuer in den heimischen Betrieben mehr als 200 Lehrstellen unbesetzt bleiben.

»Die Unternehmen bieten aufgrund der guten Konjunktur und des Fachkräftemangels immer mehr Ausbildungsplätze an, es fehlt aber schlicht an Bewerbern«, sagt Werner Linhardt, Vorsitzender des IHK-Gremiums Traunstein. Aktuell sind 495 Lehrstellen im Landkreis frei, es gibt aber nur noch 282 unversorgte Bewerber. Dies geht aus der aktuellen Statistik der Agentur für Arbeit für den Ausbildungsstellenmarkt hervor. Die rechnerische Lücke von aktuell über 200 Bewerbern dürfte am Ende deutlich größer sein, da sich viele Schulabgänger bis September noch für einen anderen Bildungsweg entscheiden können oder trotz des großen Angebots keinen passenden Ausbildungsplatz finden.

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Besonders dramatisch ist die Situation im Hotel- und Gaststättengewerbe. Dort sind noch mehr als 80 Stellen für angehende Köche, Hotel- und Restaurantfachleute frei. Aber weniger als zehn unversorgte Bewerber äußern einen entsprechenden Berufswunsch.

Linhardt unterstreicht jedoch, dass der Bewerbermangel quer durch alle Branchen geht. »Es sind auch noch über 300 Lehrstellen in anderen Berufen unbesetzt, darunter Anlagenmechaniker, Kfz-Mechatroniker und Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik«, so Linhardt. Der IHK-Gremiumsvorsitzende betont, dass die Bereitschaft der Unternehmen zur Ausbildung weiter ansteigt. Die Zahl der bei der Arbeitsagentur gemeldeten Lehrstellen im Landkreis liegt heuer bei 1481 und damit leicht über dem Vorjahreswert.

Linhardt appelliert an die Politik, den »Fachkräfte-Aderlass« in der Berufsausbildung zu stoppen. Die zunehmende Akademisierung müsse auf den Prüfstand. »Die Lage in den Betrieben ist im Bereich der beruflich qualifizierten Fachkräfte alarmierend. Wir brauchen eine wirksame Stärkung des weltweit anerkannten Dualen Ausbildungssystems und eine Verbesserung der Berufsorientierung bei den Jugendlichen«, so Linhardt.

Aber auch in den Betrieben muss die Ausbildung zur Chefsache werden, nimmt der IHK-Gremiumsvorsitzende die Wirtschaft in die Pflicht. Die Betriebe, die in eine attraktive Ausbildung investieren und neue Bewerbergruppen ansprechen, hätten im zunehmenden Kampf um den Nachwuchs die Nase vorn, so Linhardt. Die IHK engagiere sich im Landkreis bei Ausbildungsmessen und biete neuerdings die IHK-Bildungspartnerschaften an, die Schulen und Betriebe zusammenführen, sagt der Gremiumsvorsitzende.

Insgesamt sind 397 IHK-Unternehmen im Landkreis Traunstein in der Ausbildung aktiv und stehen für rund 52 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse.