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Ausrichter fehlt: 2020 Wallfahrt statt Gaufest?

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August Georg (Mitte) ist zum Ehrenmitglied des Burschen-Gauverbands ernannt worden. Vorsitzender Michael Reithmeier (rechts) und sein Stellvertreter Konrad Mitterreiter überreichten ihm Urkunde und Ehrennadel. (Foto: Eder)

Wonneberg – Die Burschen-Gaufeste des Gauverbands der Arbeiter- und Burschenvereine im Chiemgau und Rupertiwinkel sind für die nächsten zwei Jahre gesichert, danach klafft eine Lücke.


Diese Lücke konnte auch bei der jüngsten Gauversammlung im Gasthaus Alpenblick in Weibhausen nicht geschlossen werden. Für das kommende Jahr ist der Burschen-Arbeiterverein Lampoding mit der Ausrichtung des Fests beauftragt worden, für das Jahr 2019 der Burschenverein Neukirchen. Für 2020 liegt dagegen nach wie vor keine Meldung vor; so könnte es zum Alternativprogramm kommen, das in so einem Fall eine Wallfahrt vorsieht: »Dann könn' ma schee stad in Maria Eck anrufen«, wie Vorsitzender Michael Reithmeier meinte.

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Verhaltenes Interesse an Schafkopfturnier

Besser sieht es wieder für 2021 aus: Da hat bei der Versammlung Max Daxenberger vom Burschenverein Hörpolding Interesse bekundet, das Gaufest zusammen mit dem eigenen Gründungsfest zum 120-jährigen Bestehen auszurichten.

Beim Rückblick auf das zu Ende gehende Jahr ließ Reithmeier die vielen Burschenfeste Revue passieren, deren Höhepunkt das Gaufest in Obing gewesen sei. Allerdings habe man in diesem Jahr Pech mit dem Wetter gehabt: Drei der vier großen Jubiläumsfeste seien verregnet gewesen. Trotzdem aber sei immer viel los gewesen, und es sei fröhlich gefeiert worden.

Ein Versuch der im vergangenen Jahr neu gewählten Vorstandschaft sei die Ausrichtung eines Schafkopfturniers gewesen; schließlich wollte das neue Gremium auch mit neuen Ideen aufwarten, die »bayerische Lebensart, Kultur und auch Gaudi« vermitteln sollten. So war der Gedanke an ein Schafkopfturnier aufgekommen, das in seiner ersten Auflage aber noch nicht so gut angenommen worden sei, auch wenn es eine »Riesengaudi« gewesen sei.

Es sei wohl so, wie Reithmeier feststellte, »dass das Schafkopfen heutzutage nicht mehr so verbreitet ist wie bei früheren Generationen«. Trotzdem wolle man auch kommendes Jahr wieder ein Turnier veranstalten, voraussichtlich an einem Sonntagnachmittag.

Auch heuer fand wieder ein Treffen in der Staatskanzlei in München statt, bei dem es um die bürokratischen Probleme bei Vereinsfesten ging – wie von dem früheren Gauvorsitzenden Georg Daxenberger vor Jahren angeregt. Erstes Ergebnis der bisherigen Treffen, an dem der Gauverband von Daxenberger vertreten wurde, sei ein Leitfaden gewesen, eine »praktische G'schicht«, wie Reithmeier sagte. Und es sei in der Staatskanzlei ein Sorgentelefon eingerichtet worden, an das sich die Vereine wenden können, wenn es Probleme mit einer Veranstaltung gibt.

Burschenvereine und Dirndlschaft gegründet

Die bei der Gauversammlung anwesenden 33 Vereine mit knapp 180 Mitgliedern stimmten dann der Aufnahme des Burschenvereins Rattenkirchen, Landkreis Mühldorf, in den Gauverband zu. Einen weiteren Aufnahmeantrag hat die erst vor wenigen Monaten gegründete Burschen- und Dirndlschaft Tengling-Törring gestellt. Vorsitzender Maximilian Huber stellte den Verein kurz vor, der bisher schon rund 80 Mitglieder zählt. Die Gauversammlung nahm den Antrag zur Kenntnis – abgestimmt wird im nächsten Jahr.

Die Kasse des Gauverbands ist traditionell überschaubar: Durch einen kleinen Zuwachs ist der Kassenbestand auf 830 Euro angestiegen, wie der vergangenes Jahr neu gewählte Kassier Andreas Strasser berichtete. 24 Jahre lang waren es die Burschenvereine gewohnt gewesen, den Kassenbericht von August Georg zu hören; dieser hatte bei den Neuwahlen im vergangenen Jahr nicht mehr kandidiert. Für sein so langes Engagement wurde er jetzt vom Vorstand zum Ehrenmitglied ernannt. Der Geehrte bekam die Urkunde und Ehrennadel des Gauverbands überreicht.

Zum Schluss der Versammlung, die nur wenig mehr als eine Stunde dauerte, bildete ein mehr und mehr emotional werdender Gedankenaustausch über das, was sich bei Burschenfesten gehört und was nicht, was Brauch ist und welche Auswüchse es nicht geben sollte. Ins Gespräch gebracht hatte dies Sepp Lohwieser, der Ehrenvorsitzende des Surberger Burschenvereins. Er berichtete von einem »Verein von Freising runter«, der den Surbergern bei einem Fest das Vereinstaferl entwendet hatte und dafür eine Auslöse wollte. Dies sei aber hier in der Region nicht der Brauch, daher hätten sich die Surberger auch nicht darauf eingelassen – da hätten die »Diebe« kurzerhand den Stiel des Taferls abgebrochen. »Des san koane Sachan net«, grantelte Lohwieser.

Bei den Burschenfesten geht es oft »furchtbar zu«

Außerdem, so Lohwieser weiter, gehe es bei Burschenfesten am Nachmittag, teils auch schon vor dem Mittagessen, oftmals »furchtbar zu«.

Letztlich wurde aber festgehalten, dass die Vereine selbst für den Ablauf ihrer Feste verantwortlich seien. Mit dem Aufeinanderstellen von Tischen und dergleichen solle bis nach dem Essen, bis zur Verleihung der Meist- und Weitpreise gewartet werden; bis dahin solle auch die »normale Musi«, also die Blechmusik, spielen. he

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