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Auslandspraktikum in Südafrika endet vorzeitig – 18-Jährige bangt um die Heimreise

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Corona: Auslandspraktikum in Südafrika endet vorzeitig – Heimreise unklar | Landkreis Traunstein
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Die Arbeit mit den Kindern hatte Viktoria so viel Spaß gemacht, dass sie das zweimonatige Praktikum sogar noch gern verlängert hätte. Doch dann kam die Schließung von Kindergärten und Schulen.

Es hätte alles so schön sein können. Nach dem Abbruch der Ausbildung wollte die 18-jährige Viktoria die Zeit bis zum Beginn des neuen Schuljahrs an der Fachoberschule die Zeit sinnvoll nutzen, und ein Auslandspraktikum absolvieren.


Schon vor einem Monat verließ die junge Frau den Heimatort und flog mit der Organisation Praktikawelten nach Südafrika. Dort arbeitete sie bei Kapstadt im Kindergarten – und das machte ihr gleich so viel Spaß, dass sie schon überlegte, nach dem regulär geplanten, zweiten Monat ihr Praktikum zu verlängern.

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Strikte Regelungen auch in Südafrika

Doch auch in Südafrika gelten inzwischen strikte Regelungen, um die Corona-Pandemie zu verlangsamen. Dazu gehörte auch die Schließung von Schulen und Kindergärten. Weil sie nun nichts mehr zu tun haben, wollten Viktoria und die anderen neun Deutschen, die über Praktikawelten in Kapstadt sind, letzte Woche heim fliegen – doch ihr Flug wurde gestrichen.

»Leider haben sie noch keine neueren Informationen bezüglich der Rückholaktion der Bundesregierung bekommen«, schreibt ihre Mutter, die die Ungewissheit ganz »schrecklich« findet, weil sie nicht weiß, wann und wie ihr Kind wieder heim kommt.

»Wir hoffen, dass wir unsere Tochter bald wieder gesund zurück haben und natürlich die anderen Eltern auch ihre Kinder«, sagt die Mutter, die zugleich auch um den Sohn bangt, der gerade ein Austauschjahr in Amerika absolviert. »Der würde gern bleiben, die Familie wohnt auch etwas außerhalb und kümmert sich sehr gut um ihn. Aber wenn die Schulen länger geschlossen bleiben, entfällt ja der Grund für sein Visum.«

»Im Moment können sich die Kids noch gut beschäftigen, wir hoffen natürlich, dass die Stimmung nicht komplett kippt und sich auch die Situation vor Ort nicht noch schlechter entwickelt (Lebensmittel, Sicherheit usw….). Des Weiteren hoffen wir, dass alle zusammen einen Rückflug bekommen, damit nicht nur ein paar weiterkommen und der Rest noch ausharren muss.«

Zehn junge Deutsche im Alter von 18 bis 24 Jahren

»Wir mussten dann innerhalb von einer Stunde umziehen (alle Mädels zusammen an einen gemeinsamen Ort), weil das nach dem Lockdown nicht mehr gegangen wäre«, schreibt Viktoria ihrer Mutter. Dann fuhren sie in das Praktikaweltenhaus – »ein großes Haus mit Blick aufs Meer in Gordons’s Bay in der Nähe von Kapstadt.« Die zehn gestrandeten jungen Deutschen, die in den letzten Wochen als Sozialarbeiter mit Kindern, Helfer in einer Pinguinstation oder Lehrer im Sportunterricht arbeiteten, sind acht Mädchen und zwei junge Burschen im Alter von 18 bis 24 Jahren aus ganz Deutschland.

Die Stimmung am ersten Abend sei total am Boden gewesen, es habe Verzweiflung geherrscht, berichtet die 18-Jährige. Es gab keine weiteren Nachrichten von Condor, »nur dass der Flug sicher nicht startet. Jeder hatte gecancelte Flugtickets in der Hand, wir wissen nicht, wie lange wir jetzt hier noch sitzen müssen.«

Die ersten Tage wurde improvisiert: »Sockengolf, leere Wasserkanister dienten als Basketballkorb, Pfannen als Tischtennisschläger«, berichtet Viktoria. Die jungen Leute warten auf einen neuen Landsleutebrief der Deutschen Botschaft in Pretoria, in dem diese sich an die jungen Leute wendet, um sie über das Rückholprogramm der Bundesregierung zu informieren: »Der Brief, dass sie Ende der Woche mit Rückflügen beginnen wollen, brachte allen Hoffnung«, schreibt Viktoria. Trotzdem herrsche absolute Unsicherheit.

Die jungen Leute fragten sich, wann sie wohl dran sind: »Das Ganze kann nochmals bis zu vier Wochen dauern«, so Viktoria weiter. »Außerdem waren wir total enttäuscht, von unseren Kindergartenkindern, die wir die letzten Wochen ins Herz geschlossen haben, getrennt zu werden. Wir hatten uns gerade in den Alltag hier eingefunden und schon wurde dieser komplett auf den Kopf gestellt.« Unter der Woche arbeiteten die Praktikanten in den Kindergärten, am Wochenende konnten sie Ausflüge nach Kapstadt und ins Umland machen, um alles besser kennenzulernen.

Die Koordinatorin von Praktikawelten am Ort kann jetzt nur noch einmal in der Woche jemanden zum Einkaufen schicken. Der muss dann den südafrikanischen Pass herzeigen. Die Lebensmittelmenge ist jedoch begrenzt, die man kaufen kann.

Spielsachen hätte sie gern selbst übergeben

Traurig ist Viktoria auch wegen des Spendenaufrufs, den sie über ihre Eltern unter deren Bekannten gestartet hatte – sie wollte »ihren« Kindern dafür am Ort Spielsachen kaufen. Das schaffte sie zwar noch vor dem »Lockdown«, aber »ich konnte diese leider nicht mehr persönlich übergeben.«

Sie brachte die Spielsachen der Kindergartenleiterin, die sie dann den Kindern übergibt, sobald die Einrichtung wieder öffnen darf. Viktoria und ihre Freunde sind bis dahin hoffentlich sicher und wohlbehalten daheim eingetroffen und ihre Eltern können sie endlich wieder in die Arme schließen – Corona hin oder her. coho

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