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Ausgleichsfläche wurde schon im Mai teilweise abgemäht

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Anderl Holzner (links) und Thomas Wimmer verstehen nicht, warum die Fläche so früh abgemäht wurde. Sie stehen hier am verbliebenen Rest Wiesenblumen am Rand der Ausgleichsfläche. (Foto: P. Mix)

Traunreut – Auf den Ausgleichsflächen der Stadt Traunreut wächst und blüht es derzeit prächtig. Eine Ausnahme bildet jedoch der Bereich bei Haßmoning, wo schon Mitte Mai das Gras teilweise abgemäht wurde und Schafe weiden. Diese Maßnahme stößt bei manchen Bürgern auf Missverständnis und großen Unmut. Laut Stadtgärtnermeister Robert Kratzer, dient sie jedoch der Aufwertung der Fläche.


Imker Thomas Wimmer und Landwirt Anderl Holzner verstehen nicht, warum hier so früh gemäht wurde, während auf vielen anderen Ausgleichsflächen die erste Mahd im Juli stattfindet. Der Bienenbesitzer ist sogar der Meinung: »Der Landkreis hat ein Jahr der Biene ausgerufen, verteilt sogar Wiesenblumensamen an die Bürger und die Stadt wirbt mit dem Slogan 'Traunreut brummt'. Aber hier wird gegen die Insekten gearbeitet.« Er ist überzeugt, dass die Wildblumen von alleine aufgehen würden und durch das frühe Mähen am Absamen gehindert werden. Wimmer betont: »An dem Streifen neben der Straße sieht man, wie schön diese Fläche sein könnte, wenn man sie in Ruhe ließe.« Er erinnert sich auch, dass in den Anfangsjahren, als die Ausgleichsfläche noch ganz neu war, immer erst im Juli gemäht wurde und auch keine Schafe dort grasten. Um Kleintiere und Niederwild geht es dem Jäger Anderl Holzner, der befürchtet, dass gerade im Frühjahr, wenn beispielsweise die Hasen Nachwuchs bekommen, diese das Mähen nicht überleben. In den so genannten Benjes-Hecken auf der Ausgleichsfläche und unter Büschen findet vielerlei Kleingetier Unterschlupf.

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Robert Krater betont hingegen: »Die Leute können uns schon vertrauen, dass wir alles machen, was möglich ist.« Ausgleichsflächen dienen als Ersatzmaßnahmen für andernorts überbaute und versiegelte Flächen. Dementsprechend sind darauf landschaftspflegerische und der Natur dienliche Maßnahmen durchzuführen, um die ökologische Qualität dieser Flächen deutlich zu steigern. In Haßmoning ist das offenbar nicht so einfach. Die Fläche wurde vor rund zehn Jahren angelegt. »Seitdem haben wir ein Problem damit«, erklärt Kratzer.

Das Gras wachse dort sehr rasch und werde zum Teil bis zu einem Meter hoch. »Da können Kräuter und Blumen nicht mehr hochkommen.« Die Mahd im Mai, wenn das Gras am aktivsten ist und gut wächst, sei daher wichtig, sie entziehe dem Boden Nährstoffe, um den Kräutern bessere Chancen zu geben. Auf magerem Untergrund wachsen sie besser als das Gras und bringen dadurch eine höhere Ökobilanz für die Ausgleichsfläche. An einzelnen Stellen der 3,9 Hektar großen Fläche funktioniere es schon ganz gut.

Wie man derzeit sehen kann, wachsen auf einem Streifen entlang der Straße, der nicht abgemäht wurde, schöne Wiesenblumen und dort tummeln sich jetzt bei dem schönen Wetter auch zahlreiche Insekten. Imker Thomas Wimmer ist der Meinung, dass es so auf der ganzen Fläche aussehen könnte und sollte und das frühe Mähen der Wiese diese Blütenpracht verhindert. Robert Kratzer hat eine Erklärung dafür, warum gerade an der Straße so viel blüht: »Weil hier viel Schotter liegt und der Boden sehr mager ist.« An einer Ausweitung der Kräuter und Blumen über die gesamte Fläche arbeiten die Stadtgärtner auch, wie Robert Kratzer erklärt.

Um dieses Ziel zu erreichen, werde seit einigen Jahren auf wechselnden Bereichen abgemäht und teilweise sogar Humus abgetragen: »Wir tun schon alles dafür. Wir trocknen das Schnittgut und heuen es, damit das Saatgut nicht verloren geht.« Der Gärtnermeister verweist in dem Zusammenhang auch auf die Empfehlung eines Saatgutherstellers: »Um die Artenvielfalt zu erhalten ist eine erste Mahd vor dem 15. Juni sinnvoll. In unserer Kulturlandschaft sind die artenreichsten Blumenwiesen durch Nutzung und ein- bis zweimalige Mahd pro Jahr und das Abräumen des Mahdguts entstanden.«

Dass »Aushagerungsschnitte« auf manchen Flächen notwendig sind, bestätigt auch Gertrud Vogel von der Unteren Naturschutzbehörde, denn »auf magerem Grund ist die größte Artenvielfalt möglich«. Pressesprecher Michael Reithmeier vom Landratsamt Traunstein, betont ebenfalls: »Um die Ökokontofläche Haßmoning bemühen sich die Fachleute der Stadt Traunreut seit längerem. Ziel dieser Ökokontofläche ist ein an Strukturen und Lebensraumtypen vielfältiges Gebiet entstehen zu lassen. Verschiedene Gehölzpflanzungen und artenreiches Extensivgrünland unterschiedlichster Feuchtestufen sollen eine hohe Diversität an Pflanzen und Tieren garantieren.

In manchen Bereichen dieser Ökokontofläche hat sich der erwünschte Blütenreichtum bisher noch nicht eingestellt. Durch eine frühe Mahd in Teilbereichen wird nun versucht, den Boden weiter auszuhagern, um die Voraussetzung für die Entwicklung einer arten- und blütenreichen Extensivwiese zu schaffen.«

Als kontraproduktiv empfinden Thomas Wimmer und Anderl Holzner auch die Beweidung der Fläche mit Schafen, die mit ihrem Kot die Fläche erneut düngen würden. Robert Kratzer dazu: »Aber eine Beweidung hat auch anderen ökologischen Nutzen.« Der Boden werde aufgetreten, wo sich an den offenen Stellen neue Kräuter ansiedeln können, und im Kot seien wiederum Kräutersamen, die erst durch die Wanderung durch das Schaf stratifiziert werden, um keimen zu können.

Auch würden sich um die Schafe und deren Kot eine Vielzahl von anderen Lebewesen wie Dungkäfer und Insekten ansiedeln, was wiederum den Vögeln und anderem Getier eine Lebensgrundlage schaffe, so Kratzer. Es könne durchaus auch so gesehen werden, »dass die extensive Schafhaltung ein eigenes Biotop darstellt. Deshalb hat auch die extensive Schafbeweidung eine Schlüsselrolle zur Sicherung der Biodiversität von Flora und Fauna.« mix