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Ausgestattet mit Bescheidenheit und Zuversicht

Traunstein. Im Mai ist Dekan Gottfried Stritar nach 16 Dienstjahren in den Ruhestand gegangen. Jetzt gibt es einen Nachfolger: Dekan Peter Bertram, der bereits zum 1. September seinen Dienst als Dekan des Evangelisch-Lutherischen Dekanatsbezirks Traunstein und Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Traunstein angetreten hat, wurde nun offiziell in sein Amt eingeführt. Dazu fanden ein Festgottesdienst in der Auferstehungskirche Traunstein und ein anschließender Empfang statt. Künftig ist Dekan Bertram für 16 Kirchengemeinden im Dekanatsbezirk in den vier Landkreisen Traunstein, Berchtesgadener Land, Altötting und Mühldorf zuständig.

Auf dem Weg in die Auferstehungskirche, in der die Amtseinführung Peter Bertrams zum Dekan stattfand: Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler mit Peter Bertram. (Foto: Wittenzellner)

»Zur Ehre Gottes und zum Segen für die Gemeinde«

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Pfarrer Sebastian Stahl betonte in seiner liturgischen Eröffnung, dass dies ein besonderer Tag ist: »Es ist gut und wichtig, dass wir zusammenkommen, um miteinander zu feiern.« Stellvertretender Dekan Christian Peiser las die Urkunde vor, in der Bertram das Amt mit allen Rechten und Pflichten zugesprochen wurde und in dem neben der kurzen »Arbeitsbeschreibung« des Predigens und das Ausüben des Hirtenamtes auch der Wunsch zum Ausdruck gebracht wurde, dass dieses Amt »zur Ehre Gottes und zum Segen für die Gemeinde« ausgeübt werden solle.

Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler hielt die Einführungsansprache. Sie charakterisierte den neuen Traunsteiner Dekan als mit einer »eindringlichen Bescheidenheit und einer tapferen Zuversicht« ausgestattet. Die Tageslosung aus dem 40. Kapitel der alttestamentlichen Psalmen (»Der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen«) passe gut auf und zu ihm, betonte die Regionalbischöfin.

Obwohl in Niedersachsen aufgewachsen, habe der 50-Jährige die überwiegende Zeit seines Lebens in Bayern verbracht. Einem Studium für Kunstofftechnik in Rosenheim folgte der eigentliche Lebensweg: ein Theologiestudium und der anschließende geistliche, vollzeitliche Dienst. Unter anderem war er Vikar in Berchtesgaden und Pfarrer in Ruhpolding und Kolbermoor. Dort habe er für seine Verdienste auch die Bürgermedaille erhalten, ökumenisches Wirken sei bei ihm immer groß geschrieben. Das Thema »Seelsorge« sei ihm wichtig, die zuletzt ausgeführte Stelle als Seelsorgereferent habe er mit »Herz und Verstand ausgefüllt« betonte Regionalbischöfin Breit-Keßler. Der neue Dekan ist Vater von vier Kindern und wohnhaft in der Gemeinde Surberg. Seiner Ehefrau Monika liege das Thema Familie besonders am Herzen, wie die Regionalbischöfin abschließend ausführte.

Den Einführungsfragen und das Einführungsgebet durch die Regionalbischöfin folgten Sendung und Segen durch verschiedene Assistenten, bevor dem neuen Traunsteiner Dekan das Amtskreuz umgehängt wurde und er seine Antrittsurkunde aus den Händen der Regionalbischöfin erhielt.

Wörtlich nahm Dekan Bertram das kirchliche Thema des Sonntags und predigte über Erntedank. Die Schöpfung sei eine gute Gabe Gottes, »eine Wohltat für uns Menschen«. Eine solche sei auch die Region in der wir leben betonte Bertram fast im Stil eines begeisterten oberbayerischen Tourismus-Managers. Die Reaktion auf Gottes Schöpfung sei der Dank, den wir ihm entgegenbringen können. Dieser bringe im menschlichen Denken oft einen Perspektivwechsel hervor führte der Dekan aus. Der Theologe Dietrich Bonhoeffer sei hier mit dem Satz »Dankbarkeit macht reich« ein Wegweiser zu dem Thema. Der Reichtum in unserer Region und darüber hinaus bringe aber auch Verpflichtungen mit sich. Er ermutigte dazu, andere Menschen daran teilhaben zu lassen und sich für den Nächsten zu engagieren.

Die Festgäste und Besucher hatten im Anschluss an den Gottesdienst im Rahmen eines Stehempfanges die Möglichkeit mit dem neuen Dekan ein erstes Gespräch zu führen. Von kommunalpolitischer Seite sprachen in sehr persönlicher Weise stellvertretender Landrat Sepp Konhäuser und Traunsteins Oberbürgermeister Manfred Kösterke ein Grußwort.

Ein profilierter Coach und erfahrener Notfallseelsorger

Konhäuser sprach Dekan Bertram mit »lieber Peter« an, war dieser doch bereits einmal als Pfarrer in Konhäusers Heimatgemeinde Ruhpolding tätig. Im Namen der vier Landräte des Dekanats Traunstein überbrachte er die besten Wünsche für ein erfolgreiches Wirken als Dekan. In seiner künftigen Tätigkeit bringe dieser wichtige Erfahrungen und Kenntnisse aus seinen vorangegangenen Einsatzfeldern mit, hob Konhäuser hervor. Er sei vor allem ein profilierter Coach und ein erfahrener Notfallseelsorger, was ihm in der Funktion als Vorgesetzter von vielen Mitarbeitern und geistlichen Leiter von 55 000 evangelischen Christen in 16 Kirchengemeinden eine große Hilfe sein werde.

»Vieles an unseren Ämtern ist vergleichbar«, sagte Oberbürgermeister Kösterke, »beide sind wir im Dienst am Menschen tätig.« Hierzu gehörten alle Menschen, seien sie fordernd, labil, streitbar oder hilfebedürftig. Für seine neue Aufgabe als Dekan wünsche er Bertram drei wichtige Eigenschaften: Gelassenheit, Nachdenklichkeit und die Liebe zum Menschen. awi