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Ausgerenkte Kiefer, Schussverletzungen sowie Husten und Schnupfen

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Diese jungen Flüchtlinge haben im »Bayernpark« in Hörgering vorübergehend ein neues Zuhause gefunden. (Foto: FDL/Lamminger)
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In der ambulanten Sanitätsstation übernehmen ehrenamtliche BRK-Helfer wie Verena Ortner die medizinische Erstversorgung der Asylbewerber. (Foto: BRK Traunstein)

Siegsdorf. Seit knapp zwei Wochen sind rund 200 Asylbewerber in der ehemaligen Ferienanlage »Bayernpark« in Siegsdorf-Hörgering untergebracht. Rund um die Uhr werden die Flüchtlinge vom Roten Kreuzes unterstützt, der vor Ort eine ambulante Sanitätsstation eingerichtet hat.


»Viele der Asylbewerber kommen mit Husten, Fieber oder Erkältungen zu uns«, berichtet Verena Ortner von der BRK-Bereitschaft Siegsdorf. Das liege neben der allgemeinen körperlichen und psychischen Erschöpfung durch die Flucht auch an der unzureichenden Bekleidung, mit der viele Asylbewerber in Hörgering angekommen sind. »Teilweise hatten sie wirklich nur Flip-Flops an den Füßen«, erzählt Ortner. »Als eine der ersten Maßnahmen haben wir darum 100 Paar Socken besorgt, damit die Leute zumindest etwas Warmes an den Füßen haben«, ergänzt Jakob Goëss, Kreisbereitschaftsleiter beim BRK-Kreisverband Traunstein. Sehr erfreut sind die Helfer über das Mitgefühl und die Hilfsbereitschaft vieler Bürger. In der ersten Woche wurden bereits über 90 Asylbewerber von den Helfern behandelt – viele davon auch mehrfach.

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Zwei bis drei Helfer sind 24 Stunden im Einsatz

Manches, was die BRK-Helfer zu sehen bekommen, ist für sie Neuland. »Man ist schon entsetzt, wenn man feststellt, dass jemand mit einer Kugel im Körper von Syrien bis hierher fliehen musste«, sagt Ortner. Auch andere Verletzungen wie ausgerenkte Kiefer sind keine Seltenheit. »Da kommt man ins Grübeln, was die Leute durchgemacht haben«, meint die BRK-Helferin. Die meisten der 200 Asylbewerber haben eine harte Flucht hinter sich. »Gerade von den Syrern sind viele von Libyen aus mit dem Schiff übers Mittelmeer Richtung Italien gefahren«, schildert Goëss.

»Wir sind ständig mit zwei bis drei Helfern und einem Rettungswagen vor Ort«, berichtet Goëss. Alle in Hörgering eingesetzten BRK-Helfer gehören den Bereitschaften im Landkreis an und arbeiten ehrenamtlich. »Viele BRK-Leute verwenden ihren Urlaub, um hier helfen zu können. Eine große Unterstützung für uns sind auch die Arbeitgeber, die die Helfer für den Dienst hier freistellen«, lobt Goëss. Insgesamt werden die BRK-Helfer in den vier Wochen, in denen die ehemalige Ferienanlage als temporäre Asylunterkunft genutzt wird, rund 1350 Stunden Sanitätsdienst leisten.

Zu den Aufgaben der Rotkreuzler zählen neben der Sicherstellung des Sanitätsdiensts auch die medizinische Erstversorgung von Asylbewerbern bei Notfällen, die Erfassung von körperlichen Beschwerden und die Organisation der dadurch nötigen Arztbesuche, die Steuerung der Medikamentenausgabe sowie der permanente Austausch mit Regierungsvertretern und Ärzten bezüglich der medizinischen Maßnahmen.

Verständigung mit Händen und Füßen

Mitunter eine Herausforderung ist die Verständigung zwischen den BRK-Helfern und den Asylbewerbern. »Sehr viel läuft über einen Arzt aus Syrien, der für seine Landsleute auf Englisch übersetzt«, erzählt Goëss. Bei Asylbewerbern aus anderen Ländern muss man häufig kreativ werden. »Da kommen dann schon einmal Hände und Füße oder Piktogramme zum Einsatz«, berichtet der Kreisbereitschaftsleiter schmunzelnd. »Wir versuchen dabei größtmögliche Rücksicht auf kulturelle Besonderheiten zu nehmen«, betont Goëss, »und am Ende kommen wir immer irgendwie zusammen.«