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Aus kleinem Häuschen wird Acht-Familien-Haus

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Die Tage dieses niedlichen Häuschens an der Rosenstraße 26 (ehemals Paul Hirschauer) sind gezählt. Die Christoph Rentz Immobilien GmbH will hier im Baugebiet »Waging-West« ein Acht-Familien-Haus bauen; der Bauausschuss hat dafür grünes Licht gegeben. (Foto: H. Eder)

Waging am See – An der Stelle des kleinen Häuschens an der Ecke Rosenstraße/Wiesenweg im Waginger Westend soll ein Acht-Familien-Haus entstehen. Der Bauausschuss beschloss nach langer Debatte mit der hauchdünnen Mehrheit von 5 zu 4 Stimmen, das Änderungsverfahren für den Bebauungsplan »Waging-West« einzuleiten.


Christoph Rentz stellte in der Sitzung angesichts kritischer Stimmen, ob die Verdichtung auf dem 943 Quadratmeter großen Grundstück nicht zu gewaltig sei, klar, dass es angesichts der aktuellen Grundstückspreise nicht mehr anders gehe. Schon bei einem Sechs-Familien-Haus würde sich das Vorhaben nicht mehr rechnen. Er könne allenfalls, falls gewünscht, für Flüchtlinge bauen. Es werde ein »ansprechendes Wohnhaus« entstehen, von einem Wohnblock könne man nicht sprechen, meinte er. Eine Tiefgarage sei nicht bezahlbar.

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Planer Marcus Kleißl sagte, geplant sei ein Mehrfamilienhaus mit zwei Vollgeschoßen mit Wandhöhen von maximal 6,70 Meter. Etwa ein Dutzend Stellplätze, teils auch mit Garagen oder Carports, seien angedacht. Kleißl betonte, dass das Volumen des neuen Gebäudes der Bebauung in der Umgebung angepasst sei, da im Umfeld Häuser mit vier, sechs oder gar acht Wohnungen stünden. Weiter informierte Sabine Kraller von der gemeindlichen Bauverwaltung, dass es gegen das Bauvorhaben Einwände einiger Nachbarn gebe. In einem der Schreiben hieß es, Anwohner seien »entsetzt, welcher Wohnblock« hier entstehen solle. Das ganze Viertel bekomme einen »völlig anderen Charakter«, ganz abgesehen von den zu erwartenden Lärm-Emissionen. Man sehe nicht ein, dass hier eine solch »unverhältnismäßig hohe Bebauung« stattfinden solle, nur damit ein Unternehmer seinen Gewinn maximieren könne.

Auch Bürgermeister Herbert Häusl war telefonisch von Anwohnern kontaktiert worden. Er meinte aber zu den Einwänden, dass sich das gesamte Gebiet »Waging-West« in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich verändert habe, dass es auch in anderen Baugebieten Nachverdichtungen gegeben habe. Der Bebauungsplan aus den 70er Jahren sei »Marke uralt«. »Jetzt kommt es halt da auch so«, meinte er, »und das ist sicherlich nicht schön für die Anwohner«, die 30 oder 40 Jahre lang die bisherige Situation gewöhnt gewesen seien. Andererseits bedeute eine Verdichtung zusätzlichen Wohnraum, der dringend gebraucht werde.

Seine Gegenstimme kündigte Franz Schwangler an. Seiner Meinung nach füge sich ein »zehn mal 24 Meter großer Riesen-Wohnblock« nicht in die Umgebung ein. Michael Lamminger meinte, jetzt sei es zu spät, solche Verdichtungen abzulehnen; das hätte man bei früheren Bauvorhaben machen müssen. Im Übrigen sehe er für die Anwohner bei der Belichtung keinen Nachteil.

Hedwig Witzleben brachte das Thema Tiefgarage ins Gespräch, da ihrer Meinung mit all den oberirdischen Stellplätzen »kein Grund mehr übrig« bleibe. Auch wäre da wohl die Lärmbelastung geringer. Dem widersprach Sabine Kraller. Tiefgaragen würden nicht angenommen: »Dann stehen die Autos halt auf der Straße.«

Bedenken äußerte auch Andreas Barmbichler. Er meinte, man sollte einen Kompromiss finden, der Sprung von einem Ein- zu einem Acht-Familien-Haus sei doch ganz schön groß. Die Nachbarn hätten seinerzeit beim Bau ihrer Häuser nicht daran gedacht, dass ihnen ein Acht-Familien-Haus vor die Nase gesetzt würde.

Vor der Abstimmung sagte Bürgermeister Häusl, dass zwei Herzen in seiner Brust schlügen, aber: »Wir können keine Käseglocke über Waging stülpen, die Welt dreht sich weiter.« So sah es auch die Mehrheit; fünf Mitglieder stimmten für die Änderung des Bebauungsplans, vier dagegen. Laut Verwaltung genügt ein vereinfachtes Verfahren, da die Grundzüge der Planung nicht berührt seien. Die Kosten hat der Antragsteller zu tragen. he