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Aus »Hoteldorf Zell« wird »Hotel-Resort Zell«

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Das »Hotel-Resort Zell« soll links vom Zellerhof Richtung Zeller Kirche (im Hintergrund) im ehemaligen Bereich des Reiterhofes entstehen. (Foto: Bauregger)

Ruhpolding – Mit klarer Mehrheit stimmte der Ruhpoldinger Gemeinderat für die geänderte Planung zum »Hoteldorf Zell«. Mit der Aufstellung eines neuen Bebauungsplans »Hotel-Resort Zell« werden gleichzeitig die Planungen für ein Hoteldorf Zell eingestellt. Nach angeregter, kontrovers geführter Diskussion stimmte das Ratsgremium mit 16:3 Stimmen für die Variante B, die einen durchgängig dreistöckig ausgeprägten Hotelkomplex mit einem Betten-, einen Restaurant- und einen Wellnessbereich mit Schwimmbad und Parkplätzen rund um den geplanten Baukörper vorsieht. Insgesamt sollen in dem neuen Hotel 230 Beherbergungseinheiten entstehen, die – bei einer Vollauslastung – etwa 400 Gästen Platz bieten würden.


Andreas Jurina von der Planungsgruppe Strasser + Partner stellte zwei verschiedene Varianten des neuen Planungsentwurfs, ausgearbeitet von der »Projektgesellschaft Hotel Ruhpolding«, vor. Jurina betonte, dass hier ausschließlich die städtebaulichen Strukturen im Zusammenwirken mit Kreisbaumeister Rupert Seeholzer und Vertretern der Unteren Naturschutzbehörde geprüft und abgestimmt in den neuen Planentwurf eingearbeitet wurden. Die bereits in der Planung zum Hoteldorf getroffenen Festlegungen zur konkreten Architektur, wie etwa der Fassadengestaltung, ändern sich nach Aussagen von Jurina nach derzeitigem Stand nicht. Ziel beider Varianten ist es, den langen Baukörper durch vertikale Gliederungselemente und durch Einsatz von Glas- und Holzkonstruktionen auf Grundlage der Ortsgestaltungssatzung klar zur gliedern.

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Die Diskussion zu den beiden vorgestellten Varianten, die einen zwei- oder dreigeschossigen Hotelkomplex mit Betten-, Restaurant-, Wellnessbereich mit Schwimmbad und Parkflächen rund um die Gebäude vorsehen, drehte sich in erster Linie um verschiedene Details der baulichen Gestaltung. Positiv sahen die Gemeinderäte eine mögliche Verkürzung des Baukörpers um zwölf Meter durch einen durchgehend dreigeschossigen Ausbau.

Eine längere Diskussion gab es zum Anbau des Schwimmbad-/Wellnessbereichs der, nach Meinung der Mehrheit der Gemeideräte diagonal anstatt parallel zur Hauptfirstrichtung angebaut werden sollte. Auch über die Ausprägung der Schallschutzeinrichtungen entlang der Kreisstraße TS 35 gab es unterschiedliche Vorstellungen, die aber ohnehin noch in den eigentlichen Bauwerksplänen und im Genehmigungsverfahren behandelt werden müssen. In der Anordnung der Parkplätze rund um die Gebäude, anstatt des Baus einer Tiefgarage, sehen einige Gemeinderäte eine vermeidbare Versiegelung von wertvoller Oberfläche und eine eher »spartanische« Ausrichtung des Betreiberkonzepts. Anderen Gemeinderäten geht die Einwirkungsmöglichkeit des Gemeinderats bei der weiteren Planung des Bebauungsplans, insbesondere bei der Angliederung des Schwimmbad-/Wellnessbereichs nicht weit genug. Mehrere Gemeinderäte sähen zudem die geplanten, um 90 Grad gedrehten Kopfbauten im Westen und Osten lieber im Mittelteil des Komplexes angeordnet.

Grundsätzlich gegen das Projekt sprach sich 2. Bürgermeisterin Ulrike Pfeifer (Vereinigung Ruhpoldinger Bürger) aus. Sie sieht den Hotelkomplex nur dem Massentourismus dienlich und im krassen Gegensatz zum neuen Slogan des Ruhpoldinger Tourismus »Wildromantische Natur«. Dritter Bürgermeister Hermann Feil (CSU) sieht die Verkürzung des Baus um zwölf Meter positiv, kann sich aber mit den Kopfbauten noch nicht anfreunden. Die gegebene Aufgabenstellung und die Umsetzung sieht er passend für den stärksten Wirtschaftszweig Ruhpoldings, dem Tourismus. Er forderte aber ein, dass die hoheitliche Aufgabe des Gemeinderats, zum Ort passende Bebauungspläne aufzustellen, auch beim Kreisbaumeister Gehör und die entsprechende Berücksichtigung der Wünsche vor Ort finden. Den Spielraum zur Mitwirkung der Bürgervertretung über die Festlegungen der Ortsgestaltungssatzung sieht Feil als ausreichend an.

Bürgermeister Claus Pichler bestätigte, dass sich bezüglich der Mitwirkung der Kreisbaumeister der Gemeinde gegenüber sehr konstruktiv gezeigt habe, er aber natürlich auch die Interessen des Landkreises und des Landes Bayern vertreten muss. Bezüglich des Einspruchs eines Baugebiets-Nachbarn Herbert Eisenberger sei man einen großen Schritt aufeinander zugegangen. Vertraglich müsse aber noch ein Ergebnis definiert und festgeschrieben werden. Mit der Einwendung und mit den bisher eingegangenen Stellungnahmen muss sich der Gemeindrat, nach der erneuten Auslegung, noch befassen. Grundsätzlich sieht Pichler in dem Projekt eine wichtige, bahnbrechende Weiterentwicklung im Bereich Tourismus. Allerdings müsse der Gemeinderat auch die Auswirkungen auf den Ortsteil Zell verantwortungsvoll betrachten und in die Entscheidungen einfließen lassen.

Mit 15:4 Stimmen beschloss der Gemeinderat schließlich die Planung der Kopfbauten im Osten und Westen und den diagonalen Anbau des Schwimmbad-/Wellnessbereichs. Mit 16:3 Stimmen entschied sich das Gremium für einen durchgehend dreistöckigen Ausbau und die dadurch erreichte Verkürzung des Gesamtgebäudes um zwölf Meter. wb