»Aus der Mühle nicht mehr raus gekommen«

Traunstein – Zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, ausgesetzt auf vier Jahre zur Bewährung, verurteilte das Landgericht Traunstein einen 50-jährigen ehemaligen Autohausbesitzer aus Saaldorf-Surheim, der versucht hatte, sein Werkstatt- und Bürogebäude in Brand zu stecken.


Vor der Sechsten Strafkammer mit Vorsitzendem Richter Dr. Jürgen Zenkel legte der 50-jährige Kfz-Meister unerwartet ein Geständnis ab, nachdem er im Ermittlungsverfahren stets alles geleugnet und versucht hatte, den Verdacht auf andere Personen in seiner Familie und der Firmenbelegschaft zu lenken. Als Bewährungsauflage akzeptierte der Angeklagte eine Geldbuße von 50 000 Euro an die Staatskasse und die Übernahme der Verfahrenskosten. Beides wird mit der Kaution von 100 000 Euro verrechnet, gegen die er trotz Haftbefehls nach der Tat auf freiem Fuß geblieben war.

Anzeige

Kurz nach Verhandlungsbeginn und einem Gespräch zwischen den Verteidigern, Hans-Jörg Schwarzer aus Berchtesgaden und Dr. Andreas Kastenbauer aus Traunstein, sowie Staatsanwältin Monika Veiglhuber zeichnete sich das Geständnis des 50-Jährigen ab. Richter Zenkel hakte nach: »Waren Sie es?« Die Antwort war: »Ja. Viele Gründe haben dahin geführt: der ständige Druck von Herstellern, Mitarbeitern und Kunden. Als Chef stehst du ständig unter Druck.«

Verkauf des Betriebs ist gescheitert

Der 50-Jährige sagte, er habe zahlreiche schlaflose Nächte gehabt. Die Firma habe er von den Eltern übernommen. Das Handwerkliche habe ihm mehr gelegen als die Arbeit als Geschäftsführer. Er habe schon an dem zuletzt hoch verschuldeten Betrieb gehangen, sei andererseits »aus der Mühle nicht mehr raus gekommen«. Er habe verkaufen wollen, aber niemanden gefunden. Dass durch die versuchte Brandstiftung nicht alles vernichtet wurde, war sein Glück. Inzwischen hat er den Betrieb verkauft, sämtliche Angestellte wurden übernommen. Der Kfz-Meister sagte: »Alles läuft weiter. Die Beschäftigten haben nur einen anderen Chef.«

Der 50-Jährige schilderte sein Vorgehen. Zunächst setzte er am Abend des 25. November 2013 die Überwachungskamera außer Betrieb. Aus dem Lager holte er vier mit Diesel und Diesel-Benzin-Gemisch gefüllte Kanister und baute den Brenner der Ölheizung in der Werkstatt aus. Um die 50 oder 60 Liter der brennbaren Flüssigkeit verschüttete er im Gebäude. Die Heizung sollte thermostatbedingt bei 20 Grad Raumtemperatur anspringen. Die Zündflamme der Heizung sollte das Diesel-Benzin-Gemisch zum Brennen bringen, so der Angeklagte. Auf Frage des Vorsitzenden Richters bejahte er, die Gefährlichkeit seines Handelns gewusst zu haben. Als die Heizung anlief, bildete sich nur Ölrauch. Da wurde es dem Angeklagten zu brenzlig: »Ich habe Angst gekriegt.« Er steckte das Heizungsgebläse aus, öffnete die Türen zum Lüften, lief in den benachbarten Baumarkt, der ihm gehört, und alarmierte die Feuerwehr.

Als die Polizei eintraf, leugnete der 50-Jährige jegliche Täterschaft und äußerte beispielsweise einen Verdacht gegen einen entlassenen Mitarbeiter. Die Kripo überwachte in der Folgezeit sein Telefon. In Telefonaten beschuldigte er weitere Personen, um die Ermittler in die Irre zu führen. Die Kripo gelangte dennoch sehr schnell zu der Erkenntnis, dass ein Insider am Werk gewesen musste, wie ein Beamter vor Gericht informierte. Alle von dem 50-Jährigen ins Spiel gebrachten »Täter« hatten einwandfreie Alibis.

Gutachter und Kripobeamter sagten vor Gericht aus

Eigentlich war der Prozess mit fast 50 Zeugen auf fünf Tage terminiert. Wegen des Geständnisses reichte ein Verhandlungstag. Das Gericht hörte einen Kripobeamten aus Traunstein und einen Brandsachverständigen vom Bayerischen Landeskriminalamt an, um das Geständnis zu überprüfen. Der Gutachter berichtete, in der Werkstatt sei es zwischen 19 und 19.30 Uhr letztlich weder zu einer Explosion des Diesel-Benzin-Luft-Gemisches noch zu einem Brand gekommen. Hätte sich das Gemisch entzündet, wäre theoretisch beides zu erwarten gewesen, einschließlich Bersten von Fensterscheiben und Einsturz des Gebäudes mit Lebensgefahr für zufällig anwesende Menschen. Das gelte auch für den Angeklagten selbst sowie den Wachmann einer Sicherheitsfirma, der üblicherweise gegen 22 Uhr in dem Betrieb nach dem Rechten sehen wollte. Eine konkrete Gefahr habe jedoch nicht geherrscht.

Im Plädoyer beantragte Staatsanwältin Monika Veiglhuber die zu Prozessbeginn abgesprochene Strafe. Sie gehe nicht mehr von einer »versuchten besonders schweren«, sondern nur mehr von einer »versuchten schweren Brandstiftung in minderschwerem Fall« aus. Die Verteidiger Schwarzer und Dr. Kastenbauer schlossen sich an. Sie hoben heraus, ihr Mandant habe zu keiner Zeit beabsichtigt, jemand zu schaden. Der 50-Jährige unterstrich das nochmals im »letzten Wort«. Er bedauere, was er falsch gemacht habe.

Vorsitzender Richter Dr. Jürgen Zenkel griff im Urteil das Geständnis auf: »Sie waren gut beraten. Nach dem Ergebnis der polizeilichen Ermittlungen lief alles auf Sie zu.« Durch das Geständnis sei eine Strafe mit Bewährung möglich gewesen. Sonst wäre »mindestens ein Jahr Strafe mehr und ohne Bewährung« herausgekommen. Hoch anzurechnen sei, dass der 50-Jährige »noch die Kurve gekriegt« und größere Schäden verhindert habe. kd

Mehr aus der Stadt Traunstein
Einstellungen