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Aufschwung im Tourismus: Talsohle scheint durchschritten

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Traunstein. »Das Jahr 2012 scheint gut zu verlaufen. Die Talsohle scheint durchschritten zu sein.« Diese positive Prognose hat Michael Lücke, Geschäftsführer des Chiemgau-Tourismusverbands, gestern im Kreisausschuss abgegeben. Die Übernachtungen in den ersten sieben Monaten stiegen laut Statistischem Landesamt um 6,5 Prozent auf über vier Millionen. Die Zahl ist zwar weit entfernt von den rund 6,4 Millionen Übernachtungen zur Zeit der Wende, zeigt aber einen leichten Aufwärtstrend. Unter dem Thema »Wo stehen wir? Wo wollen wir hin?« gab Lücke einen Überblick über die Aktivitäten des mittlerweile 100 Jahre alten Fremdenverkehrsverbands, der zum Jahresbeginn 2009 gänzlich umgekrempelt wurde. Seither sind alle 35 Landkreisgemeinden Mitglieder geworden.


Der Geschäftsführer umriss die Rahmenbedingungen im Tourismus – man muss sich gegen weltweite Konkurrenz durchsetzen. Die Region stehe im Wettbewerb »um die knappsten Güter unserer Kunden – Zeit und Geld«. Die Übernachtungszahlen könnten nur über Gewinne bei den Marktanteilen gesteigert werden. Der Chiemgau sei bereits bekannt, müsse aber »begehrtes Sehnsuchtsziel« werden. Voraussetzungen dafür seien eine starke Marketingorganisation sowie starke Anbieter in intakter Natur und mit authentischer Tradition. Leitmotto sei: »Mehr Erfolg durch Kooperation«. Die gemeinsame Dachmarke »Der Chiemgau – Bayerns Lächeln« etwa sei vielerorts präsent.

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9600 Arbeitsplätze sind mit Fremdenverkehr verbunden

Unter den Eckdaten zum »Wirtschaftsfaktor Tourismus« nannte Lücke einen Bruttoumsatz von 450 Millionen Euro im Jahr 2010, 4,1 Millionen Übernachtungen von 0,75 Millionen Übernachtungsgästen und 5,7 Millionen Tagesgäste. 9600 Arbeitsplätze seien mit dem Fremdenverkehr verbunden. Das Gastgewerbe habe mit 60 Prozent, der Einzelhandel mit 24 Prozent und sonstige Dienstleistungen mit 16 Prozent am Bruttoumsatz profitiert: »Das bedeutet, jeder vierte Euro fließt in den Einzelhandel.« Somit sichere der Tourismus auch Einheimischen hohe Lebensqualität. Weiterhin gefallen sei die Zahl der Betten auf rund 30 000. Dafür sei jedoch die Belegungszeit gestiegen. Durch die höhere Auslastungsquote rentiere es sich, im Tourismus tätig zu sein.

Ausführlich erläuterte der Referent die Marketinginstrumente – von den verschiedenen Druckwerken über die gute Präsenz im Internet bis zu themenbezogenen Kampagnen, klassisch wie online. Die im August umgesetzte Aktion »Komm auf die Alm, »Senner/in auf Zeit gesucht« habe das Ziel »die Almwirtschaft in Schwung zu bringen«. Weitere Kampagnen seien geplant. Unter anderem habe der Verband einen Vertrag mit Tobias Angerer geschlossen. Neben Pressearbeit seien »Inszenierungen durch neue Events« realisiert worden. Lücke erinnerte an drei »Almumtriebe« auf der Winklmoosalm mit über 6000 Besuchern und Europaministerin Emilia Müller allein beim letzten Termin vor zwei Wochen, an den erstmals im Juli durchgeführten Chiemsee-Triathlon von Chieming durch die Region, an das unter schlechtem Wetterstern stehende Chiemgau-Alm-Festival und an das Wanderevent »24 Stunden von Bayern in Inzell« in Zusammenarbeit mit dem Berchtesgadener Land. Der Verband habe jeweils nicht als Veranstalter, sondern als »Unterstützer« fungiert. Neu sei das Marketinginstrument »Der Chiemgau als Filmstandort«, für den gestern Auftakt in Chieming war. Der Verband hat sich nach Lücke zudem an EU-Projekten beteiligt und mit großen Reiseveranstaltern kooperiert: »Damit ist der Chiemgau direkt buchbar in 14 000 Reisebüros.«

Das hundertjährige Bestehen des Chiemgau-Tourismus sei während einer Schifffahrt auf dem Chiemsee »ordentlich gefeiert worden«, berichtete Lücke. Der Verband habe zum Jubiläum einen Kalender mit historischen Fotos herausgegeben, in Traunreut einen Zukunftskongress offeriert und eine Filmdokumentation geschaffen. Eine neue Chronik werde anlässlich der Verbandsversammlung am 30. November präsentiert. Der Geschäftsführer umriss die Herausforderungen für die Zukunft – darunter Beratungsangebote samt staatlichen Investitionshilfen für Kleinvermieter, mehr Qualität in der Hotellerie einschließlich guter »Resorts«, das Umsetzen des geplanten Leitbilds, verstärktes Themenmarketing und Produktinnovation.

1,82 Millionen Euro stehen 2013 zur Verfügung

Finanziert werden sollen Lückes Ideen mittels eines finanziellen Gesamtvolumens von 1,82 Millionen Euro in 2013. Gut 313 000 Euro stehen im Haushaltsentwurf als Übertrag aus 2012 zur Verfügung. Die Mitgliedsbeiträge der Gemeinden sollen über eine halbe Million Euro erbringen. Hinzu kommt die Jahresmillion des Landkreises. Schwerpunkt der Ausgaben soll das Marketing sein: 1,2 Millionen fließen direkt in diesem Zweck, so Lücke.

Der Kreisausschuss hatte über einen früheren Haushalt zu befinden. Das Gremium ermächtigte Landrat Hermann Steinmaßl, auf der Basis von Lückes Bericht dem schon von einem Wirtschaftsführer gecheckten Jahresabschluss 2011 bei der Mitgliederversammlung zuzustimmen. Das vergangene Jahr schloss mit einer Bilanzsumme von knapp 790 000 Euro, Erträgen von gut 1,7 Millionen und Aufwendungen von nicht ganz 1,48 Millionen Euro in der Erfolgsrechnung sowie einem Jahresüberschuss von über 228 000 Euro, der in den heurigen Etat eingeht.

In der Diskussion kamen viele Themen zur Sprache. Bedenken galten eventuellen Belastungen der Almwirtschaft durch zu viele Veranstaltungen. Dazu Landrat Hermann Steinmaßl: »364 Tage im Jahr ist Ruhe. Einmal im Jahr ist Almabtrieb. Das ist keine große Belastung, sondern ein schöner Tag.« Veranstaltungsteilnehmer gingen »nachher bewusster auf Almen als vorher«. Im Übrigen sei die Belastung von Almen im Winter viel höher. Dass solche Aktionen auch Aufklärungsarbeit leisten – darüber herrschte Einigkeit im Kreisausschuss. kd