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Aufkleber für karitative Altkleidercontainer

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An diesem Aufkleber mit dem Logo des jeweiligen Wohlfahrtsverbands können die Landkreisbürger künftig die offiziellen Altkleidercontainer von denen gewerblicher Firmen unterscheiden. Unser Bild zeigt (von links): Peter Volk, Malteser, Isidor Rosenegger, Kolpingwerk, Kurt Stemmer, BRK, und Birgit Seeholzer vom Landratsamt Traunstein. (Foto: Hohler)

Traunstein. »Altkleider-Container schießen zur Zeit wie die Schwammerl aus dem Boden«, sagt Birgit Seeholzer, Abfallberaterin am Landratsamt Traunstein. Das liegt vor allem daran, dass sich mit Altkleidern derzeit gutes Geld verdienen lässt. Pro Tonne unsortierter Kleidung erhält der jeweilige Betreiber eines Containers rund 170 Euro von den Verwertern, die die Container leeren, die Kleidung sortieren und weiter verkaufen.


Container ohne Genehmigung über Nacht aufgestellt

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War das bisher vor allem ein wichtiges Zubrot für Hilfsorganisationen wie Rotes Kreuz, Malteser und Kolpingwerk, wollen inzwischen immer mehr gewerbliche Anbieter mitverdienen und stellen quasi über Nacht – oft ohne Genehmigung auf öffentlichen oder privaten Flächen – Container auf, die denen der Wohlfahrtsverbände zum Verwechseln ähnlich sehen.

Um diesem Treiben Einhalt zu gebieten, hat das Landratsamt Traunstein jetzt einen Aufkleber entwickelt, mit dem die Landkreisbürger auf einen Blick feststellen können, ob es sich um einen karitativen oder einen gewerblichen Container handelt. Der Aufkleber zeigt einen grünen Kreis und das Logo der jeweiligen Hilfsorganisation, die für die Leerung zuständig ist.

Möglich macht den Container-Wildwuchs das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz, das am 1. Juni 2012 in Kraft getreten ist. Seitdem muss jede Altkleidersammlung bei der Kreisverwaltung nur noch angemeldet, nicht genehmigt, werden. Etwa zehn angemeldete Container privater Firmen gibt es derzeit im Landkreis Traunstein, schätzt Seeholzer. Insgesamt sind es rund 170 – etwa 35 gehören den Maltesern, knapp 80 dem Roten Kreuz und etliche der Kolpingfamilie, ein paar einzelne dem Traunreuter Familien-Förderverein »Licht für Kinder«.

Grundeigentümer können Container entfernen lassen

»Wächst« einem Grundstücksbesitzer ein Container auf seinem Grund und Boden, muss er das nicht dulden. Er kann sich an die Gemeinde wenden und veranlassen, dass der Container entfernt wird. Er muss dann nur noch den Containerbesitzer davon in Kenntnis setzen, wo er seinen Container wieder abholen kann. Die Kosten von rund 300 Euro muss der Containerbesitzer tragen, so Seeholzer. »Bei der Firma Wittmann stehen mittlerweile rund 150 Container, die keiner mehr abholt«, wundert sich Seeholzer.

Die Firma Wittmann in Geisenhausen bei Landshut und der bayerische Ableger der Bremer Firma FWS sind die beiden wichtigsten Organisationen, mit denen die Wohlfahrtsverbände zusammenarbeiten. Denn ehrenamtlich von Hand sortieren ließe sich die Masse der gespendeten Kleidung heutzutage gar nicht mehr. Also tun das darauf spezialisierte Firmen. Was brauchbar ist, wird weiter verkauft an Secondhand-Läden, Kleiderkammern, Textilhändler in Entwicklungsländern oder Weiterverarbeiter. Zum Beispiel werden aus nicht mehr brauchbarer Kleidung Putzlappen, Recyclingwolle oder Dämmstoffe, auch Federn aus Betten können wieder verwertet werden.

Erlöse sollen in der Region bleiben

Wichtig ist sowohl den Hilfsorganisationen als auch dem Landkreis Traunstein, dass die Erlöse aus den Altkleidern in der Region bleiben. »Wir verwenden diese zum Beispiel für den Kriseninterventionsdienst, der ehrenamtlich und ohne Kosten für die Betroffenen Polizisten begleitet, wenn sie Angehörige vom Unfalltod eines Familienmitglieds verständigen müssen«, erklärt dazu Peter Volk vom Malteser-Hilfsdienst. Und BRK-Kreisgeschäftsführer Kurt Stemmer ergänzt: »Auch Dienste, wie Essen auf Rädern, Hausnotruf oder die Katastrophenschutzeinrichtungen, die wir vorhalten, kommen allen zugute.« Die Kolpingfamilien verwenden die Erlöse für die Jugendarbeit, unterstützen Pfarreien, Feuerwehren, die Schaffung von Spielplätzen, die Hospizbewegung oder Hochwasseropfer.

Mit Verboten ist dubiosen Firmen kaum beizukommen

Mit Verboten sei gewerblichen Anbietern nur schwer beizukommen, sagt Birgit Seeholzer. Denn man müsse erst nachweisen, dass die jeweilige Firma Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit rechtfertige. Und werde eine Firma verboten, schieße sofort eine neue aus dem Boden. Daher habe man sich dazu entschlossen, lieber auf die Bevölkerung zu setzen, und karitative Container deutlich kenntlich zu machen – anders als etwa der Landkreis Pfaffenhofen, der selbst Container aufstellen will. »Wir wollen nicht in Hochpreiszeiten Konkurrenz für die Hilfsorganisationen sein, wichtiger ist uns die langfristige Zusammenarbeit mit zuverlässigen Partnern«, so Seeholzer.

Deutlich widerspricht sie im Übrigen auch Berichten, wonach die heimischen Hilfsorganisationen dem Textilhandel in Entwicklungsländern Konkurrenz machen: »Es gibt so viele Kleiderspenden, da ist für alle was dabei«, also auch noch für Kleiderkammern oder Rumänien-Hilfstransporte. coho