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Aufbruchstimmung bei den »Baiuvaren«

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Das Baiuvarenhaus in Waging wird auf Vordermann gebracht: Franz Patzelt verbrennt hier zusammen mit Ortsheimatpflegerin Claudia Schemmer abgeschnittene Weidenzweige, rechts im Bild Andreas und Sandra Nominacher. (Foto: H. Eder)

Waging am See – Gut 1200 Jahre ist es her, dass sich die Bajuvaren in der Region angesiedelt haben, unter anderem an verschiedenen Orten im Einzugsbereich des Waginger Sees.


Nun aber erleben sie eine Art Wiedergeburt. Nicht nur hat ihr Stammesname, der bisher immer als »Bajuwaren« buchstabiert worden war, eine neue Schreibweise – »Baiuvaren« – erfahren, auch rund um das Baiuvarenhaus regt sich neues Leben. Und ganz und gar nicht zuletzt sieht es so aus, als ob das Baiuvarenmuseum, wenn auch in verkleinerter Form, erhalten bleiben könnte. Die notwendigen Zuschüsse seien genehmigt, verlautet von der Marktgemeinde.

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Sichtbares Zeichen für den Neuanfang ist derzeit vor allem rege Tätigkeit am hinteren Ende des Kurparks, auf dem in den Jahren 2006/2007 das Baiuvarenhaus gebaut worden war. Schon am zweiten Wochenende hintereinander sind da etliche fleißige Leute vom Verein für Heimatpflege und Kultur Waginger See damit beschäftigt, das Gebäude und seine Umgebung wieder in einen präsentablen Zustand zu versetzen. Schon längere Zeit war hier nichts mehr getan worden, von Vandalen – gemeint ist nicht der einstige germanische Volksstamm, sondern eine Gruppe von Jugendlichen mit erheblichem Zerstörungswillen – waren zudem erhebliche Schäden angerichtet worden.

Zwei Gründe sind es wohl, die dafür ausschlaggebend sind, dass die Sache der alten Baiuvaren nun wieder auflebt. Von entscheidender Bedeutung dürfte sein, dass die Zukunft des Baiuvarenmuseums, vor exakt 20 Jahren eröffnet, jetzt gesichert sein dürfte. Alle, die sich zuvor engagiert hatten, waren frustriert über die wenig motivierende Gesamtlage die Zukunft des Museums betreffend.

Durch die langen und ermüdenden Diskussionen in der Gemeinde und im Gemeinderat waren, wie Franz Patzelt sagt, der dem Verein über fast 30 Jahre hinweg vorstand, »alle irgendwie desillusioniert und ohne Dampf«. Viele von denen, die sich ursprünglich dafür gemeldet hatten und sich engagieren wollten, hätten die Lust verloren gehabt, sodass die geplanten museumspädagogischen und experimental-archäologischen Anliegen mangels Personal und Fachkompetenz eingeschlafen seien.

Nun aber steht nach etlichen Jahren, in denen etwaige Besucher vor verschlossenen Türen standen, eine Neukonzeption des Museums bevor. Grund dafür ist die Zusage der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) »Leader Traun-Alz-Salzach«, sich mit 76 500 Euro an den veranschlagten Kosten von rund 182 000 Euro zu beteiligen. Damit kann mit den Bauarbeiten begonnen werden.

Zweiter Grund ist wohl, dass der Kulturverein nun wieder einen kompletten, ordentlichen Vorstand hat, was ganz offensichtlich mit einer neuen Lust an historischen Aktivitäten einhergeht. Der langjährige Vorsitzende Patzelt übte sein Amt zuletzt nur noch kommissarisch aus und war drei Jahre lang mit der Arbeit an den Heimatbüchern gut ausgelastet. Nun fühlt er sich von dem Druck befreit, ständig etwas »anleiern« zu sollen, und hilft im Rahmen seiner zeitlichen Möglichkeiten gern bei diesem Neuanfang mit. Und auch die Aufrufe des neuen Vorsitzenden Alfons Schmuck stoßen auf fruchtbaren Boden.

»Es geht voran« am Baiuvarenhaus

Es sind keine Massen von Menschen, die sich da jetzt schon den zweiten Samstagmorgen am Baiuvarenhaus einfinden, aber es geht voran. Mit dem Ehepaar Sabine und Florian Eibeck sind zwei sehr aktive, historisch interessierte Personen dazu gekommen; Florian Eibeck ist auch für die neue Homepage des Vereins verantwortlich. Tatkräftig mit dabei sind auch wieder Sandra und Andreas Nominacher; sie sind der Urkern der »Baiuvaren-Gruppe« und waren von Anfang an mit dabei. Sie übernehmen die terminliche Koordination und sind damit die ersten Ansprechpartner für das Baiuvarenhaus.

Für den 1. Juni ist Dr. Brigitte Haas-Gebhard, die Leiterin der Abteilung »Mittelalter und Neuzeit«, an der Archäologischen Staatssammlung, in Waging angesagt; da sollen dann konkrete Schritte festgelegt werden, wie in Sachen Neukonzeption vorgegangen werden soll. Eine wichtige Rolle dabei spielt das Chiemgau-Gymnasium in Traunstein: im Rahmen eines P-Seminars, das im Herbst beginnt, werden die Schüler einen Entwurf für die Gestaltung des Treppenhauses im Baiuvarenmuseum erarbeiten. Dabei sollen die Besucher mittels zweier Zeitstränge aus dem Erdgeschoß, dem »Heute«, in das erste Obergeschoß, in die Zeit der Baiuvaren gelotst werden und dabei die wichtigsten historischen Ereignisse der Weltgeschichte und der Waginger Historie aufscheinen lassen.

So kann Franz Patzelt, der nun den Druck des ersten Vorsitzenden nicht mehr auf sich lasten fühlt, optimistisch zusammenfassen: »Ich bin froh, dass wieder etwas beginnt.« he