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Auf Kosten anderer im Internet eingekauft

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Traunstein – Einkäufe im Wert von gut 7000 Euro – allerdings auf Kosten seiner Freundin und seiner Mutter – brachten einem 31-jährigen geständigen Kaufmann vom Amtsgericht Traunstein wegen Betrugs in zehn Fällen eine Freiheitsstrafe von 16 Monaten mit dreijähriger Bewährungszeit ein. Von der früheren Wohnung im Achental sowie der späteren im Berchtesgadener Land aus hatte der Angeklagte via Internet die verschiedensten Dinge auf Rechnung bestellt. Dafür gerade stehen mussten die Lebensgefährtin und die Mama.


Vom Elternhaus her war der 31-Jährige einen gehobenen Lebensstil gewohnt, wie er erklärte. Nach dem Quali absolvierte er eine Lehre, stand aber immer im Schatten des Vaters, der im Gegensatz zum Sohn im gleichen Großunternehmen eine steile Karriere hingelegt hatte. Beim Sohn herrschte nach der Kündigung eher Geldknappheit, Ratenzahlungen belasteten ihn zusätzlich. Um seiner zwei Jahre jüngeren Freundin zu imponieren und ihr etwas bieten zu können, wurde er ab 2010 straffällig. Er legte unter Verwendung mehrerer Vornamen und Geburtsdaten, jedoch immer auf den Nachnamen der 29-Jährigen, falsche Kundenkonten an.

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Elektroartikel auf Namen der Mutter bestellt

Auch der Namen seiner Mutter diente ihm bei einigen Taten als Mittel zum Zweck. Er orderte Elektronik- und Elektroartikel, Dinge für Haushalt und Büro, Kleidung, zwei Mountainbikes und ein I-Phone. Der 29-Jährigen spendierte er eine gemeinsame Türkei-Reise. Die bei seiner Bank abgebuchte Lastschrift des Reisebüros ließ er später zurückgehen. Der Betrag von 2308 Euro wurde seinem Konto wieder gut geschrieben.

Einige Punkte aus den drei Anklageschriften gegen den 31-Jährigen stellte das Gericht auf Antrag von Staatsanwältin Christina Kühnhauser mit Blick auf das Gewicht der verbleibenden Taten ein. Darunter war eine »Urkundenfälschung«. Der Hintergrund: Die Lebensgefährtin wollte eine Schufa-Auskunft von sich haben, um ihre eigene Kreditwürdigkeit zu überprüfen. In dem Auszug waren Einträge, die auf die Machenschaften des Freunds zurückgingen. Deshalb fing dieser den Originalbrief der Schufa ab und verfasste eine neue Auskunft, die nichts Negatives enthielt.

Die 29-Jährige, die fünf Jahre mit dem Angeklagten zusammengelebt und sich dann von ihm getrennt hatte, verlor letztlich mehrere Tausend Euro und bekam eine Menge anderen Ärger. Die 29-Jährige beteuerte, nie etwas von den strafbaren Aktionen des Angeklagten gewusst zu haben. Sie sei erschrocken, als sie die echte Schufa-Auskunft, übrigens mit völlig von dem Fake-Brief abweichenden Briefkopf, gesehen habe. »Das war nicht lustig. Wegen der Schufa-Auskunft bekomme ich keine Wohnung, keinen Kredit. Ich musste mir von meiner Schwester Geld leihen.«

Richter Wolfgang Ott hakte nach: »Sie zahlen Rechnungen für Dinge, die Sie nie bestellt haben. Wenn das nachweislich feststeht, dass nicht Sie die Einträge verursacht haben, müsste die Schufa doch reagieren.« Die Zeugin verneinte. Sie habe bisher nichts erreicht. Sie berichtete weiter, über Zwangsvollstreckungsmaßnahmen gegen den Ex habe sie einige Hundert Euro zurückbekommen. Aus einer Steuerrückerstattung habe sie 1000 Euro gekriegt. Den Rest von 300 Euro habe ein Anwalt einbehalten für künftige Kosten.

Zu seiner Person informierte der 31-Jährige, der schon mal eine Geldstrafe wegen Betrugs kassiert hatte, er habe psychosomatische Probleme und wolle sich in eine stationäre Therapie begeben. Wenn er gesundet sei, habe er Aussicht auf einen Arbeitsplatz. Derzeit lebten er und seine jetzige Freundin von staatlicher Unterstützung.

»Ich kann nur sagen, dass es mir leid tut«

Das Geständnis sowie Reue und Einsicht des 31-Jährigen würdigten alle Prozessbeteiligten positiv. Staatsanwältin Christina Kühnhauser plädierte wegen zehnfachen Betrugs auf eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Die Sozialprognose sei günstig. Der Angeklagte habe eine Familie zu versorgen. Für zwei Delikte forderte Verteidiger Manfred Kösterke aus Traunstein wegen fehlender Betrugsabsicht Freispruch, für den Rest eine Strafe von knapp über einem Jahr mit Bewährung. »Ich kann nur sagen, dass es mir leid tut«, beteuerte der 31-Jährige im »letzten Wort«.

Aus beiden Plädoyers griff Richter Wolfgang Ott im Urteil Argumente auf. Der Angeklagte habe in allen zehn Fällen mit Betrugsabsicht gehandelt. Strafschärfend seien die Vielzahl der Taten und der hohe Schaden. Ein Jahr und vier Monate Freiheitsstrafe sei ein schuldgerechter Ausgleich. Auch er stufe den 31-Jährigen als »bewährungswürdig« ein, fuhr der Richter fort und warnte: »Wieder solche Bestellungen im Namen anderer und dann nicht bezahlen – das wäre hochriskant. Das muss Ihnen klar sein.« Der Kaufmann nickte. Mit Zustimmung der Staatsanwältin wurde das Urteil gestern sofort rechtskräftig. kd

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