weather-image
23°

Auf Hausmülldeponie soll Photovoltaikanlage entstehen

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Das Areal der ehemaligen Hausmülldeponie des Landkreises Traunstein, südlich von Litzlwalchen, eignet sich für den Bau einer großflächigen Photovoltaikanlage. Das ist das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie des Bayerischen Landesamtes für Umwelt. (Foto: Volk)

Nußdorf. »Alte Lasten – neue Energien« – unter diesem Motto steht ein Förderprogramm des Freistaates Bayern, das darauf abzielt, auf dem Areal ehemaliger Mülldeponien Energie zu erzeugen. Gedacht ist dabei an großflächige Photovoltaikanlagen, mit denen Sonnenenergie gewonnen wird. Eine der möglichen Flächen zur Realisierung ist die ehemalige Mülldeponie des Landkreises Traunstein bei Litzlwalchen.


Bei einer Informationsveranstaltung im Gasthaus Zenz in Sondermoning wurde die Machbarkeitsstudie von Landrat Hermann Steinmaßl und dem mit der Untersuchung beauftragten Ingenieurbüro vorgestellt. »Die örtlichen Rahmenbedingungen lassen den Bau einer flächigen Photovoltaikanlage und eine wirtschaftliche Umsetzung auf der Deponie Litzlwalchen erwarten«, fasste Diplomingenieur Eckhard Haubrich das Ergebnis der Machbarkeitsstudie zusammen.

Anzeige

Module erzeugen Strom für 450 Haushalte

Auf dem Deponiegelände bei Litzlwalchen könnten fast 10 000 Quadratmeter an Modulen montiert werden. Damit würde die Anlage eine Leistung von 1,5 Megawatt erzielen, was dem Jahresstromverbrauch von rund 450 Haushalten entspricht. Rund zwei Drittel der gesamten Deponiefläche, cirka 20 000 Quadratmeter, könnten mit Photovoltaikmodulen bebaut werden.

Oberste Priorität beim Bau einer solchen Anlage habe, dass die Abdeckschicht der Deponiefläche unversehrt bleibt. Pfähle oder Betonfundamente, auf denen die Module montiert werden, dürfen die Deponieabdeckung nicht verletzen. »Die Sicherheit der Deponie steht an oberster Stelle«, betonte Haubrich. Die Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass die Abdeckschicht ausreichend stark sei, um eine Photovoltaik-anlage standfest zu montieren. Das Projektbüro habe dem Landkreis Traunstein deshalb empfohlen, in die Detailplanung zu gehen.

Landrat Hermann Steinmaßl erläuterte die Zielsetzung, den Stromverbrauch im Landkreis bis zum Jahr 2020 zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energien zu decken. Dies gelinge nur durch einen Energie-Mix aus Wasserkraft, Sonne, Biomasse, Geothermie und Wind. Der Landkreis sei Besitzer der Deponiefläche und weil diese für die Errichtung einer großen Photovoltaikanlage geeignet sei, habe man diese weitere Möglichkeit der Energieerzeugung in Erwägung gezogen.

Steinmaßl machte aber auch unmissverständlich deutlich, dass die Anlage nur dann gebaut wird, wenn die Bürger, insbesondere die Litzlwalchener, dafür sind und mitmachen. Die Bewohner des Nußdorfer Ortsteils hätten während der vielen Jahre des Deponiebetriebes vieles ertragen und erdulden müssen. »Wir wollen und werden niemand in etwas hineinreiten und keinerlei Druck machen. Das Ganze geht nur miteinander! Wenn ihr nicht wollt, machen wir das nicht, dann ist die Sache morgen für mich erledigt!« so Steinmaßl.

Josef Kittl aus Litzlwalchen erinnerte daran, dass Steinmaßl nach der Verfüllung des letzten Deponieabschnitts versprochen habe, dass die Anwohner endlich ihre Ruhe hätten. Doch der Landkreis baue weiter, als Nächstes ein Salzlager mit Füllturm und nun sei eine Großflächen-Photovoltaikanlage in Planung. »Sind wir denn der Abfallplatz des Landkreises, auf dem gebaut wird, was andere nicht wollen?« Kittl sagte, er sei grundsätzlich für die Nutzung der Sonnenenergie, aber es müsse nicht alles nach Litzlwalchen gezogen werden.

Anwohner kritisieren Aussehen und Blendwirkung

Andere Anwohner befürchten eine Blendwirkung bei entsprechender Lichtreflexion und eine »unschöne« Aussicht auf die Rückseite der Modulgestelle. Die grüne Wiese über der Deponie sei deutlich ansehnlicher, so ein Redner. Die Referenten antworteten, dass die Modultische nach Süden ausgerichtet würden und da Litzlwalchen nördlich der Deponie liegt, sei eine Blendwirkung fast gänzlich auszuschließen. Das Aussehen der Anlage könne zudem durch entsprechende Begrünung verschönert werden. Hans Dandl meinte, die Gebäude in einem neuen Gewerbegebiet seien mitunter weit unansehnlicher als eine PV-Flächenanlage. Zudem gebe es keine Verkehrsbelastungen.

Das Projekt könne nur umgesetzt werden, wenn die Gemeinde, in deren Händen die Planungshoheit liege, einen Bebauungsplan aufstelle, erklärte Ulrich Sedlbauer, Jurist im Bauamt des Landkreises. Er machte auch deutlich, dass es sich bei der PV-Flächenanlage nicht um eine privilegierte Baumaßnahme handele. »Den Hut bei der Aufstellung eines Bebauungsplanes hat die Gemeinde Nußdorf auf. Wir geben die Marschrichtung vor und legen die Vorgaben fest«, betonte Bürgermeister Hans Gnadl. Dabei werde man im Falle einer Fortführung des Projekts die Interessen der Bürger in den Vordergrund stellen.

Auf die Frage, wer im Falle einer Realisierung der Betreiber der Anlage sein werde, antwortete Steinmaßl, dass dabei an eine der Landkreisgesellschaften (Wohnbaugesellschaft oder Wirtschaftsförderung) gedacht sei, allerdings nicht als alleiniger Betreiber. Der Landkreis wünsche sich eine Mitwirkung der Gemeinde Nußdorf, die wiederum als Genossenschaft Bürgerbeteiligungen anbieten könne. Wie die prozentuale Aufteilung aussehen kann, darüber gebe es noch keine Überlegungen.

Betont wurde, dass alle Beteiligten gemeinsam auch das Risiko tragen, wenn es zu einer »Havarie« kommen sollte und wider Erwarten weitere Sanierungsmaßnahmen an der Deponie notwendig sind. Dann müsste die Anlage teilweise oder vollständig abgebaut und wieder errichtet werden. Den Ertragsausfall der Anlage tragen alle gemeinsam.

Bürgermeister Gnadl schlug abschließend vor, mittels eines Fragebogens im Gemeindeanzeiger, die Meinung der Bürger zum Bau einer Flächenphotovoltaikanlage auf der ehemaligen Hausmülldeponie einzuholen. Danach werde der Gemeinderat über Fortführung oder Ablehnung des Projekts beraten. pv