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Auf den Spuren früherer Achental-Bewohner

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Mit einem Metalldetektor hat der Schlechinger Emil Huber die Gegenstände gefunden. Im Festsaal in Reit im Winkl sind sie nun noch bis kommenden Dienstag ausgestellt. Am heutigen Mittwoch ist die Ausstellung zwar geschlossen, ab dem morgigen Donnerstag kann sie aber täglich besucht werden. (Foto: Ostermaier)

Reit im Winkl. Als »weißer Fleck« galt unter Historikern lange das Achental, wobei die Farbe »weiß« hier für eine fehlende Besiedelung stehen soll. Intensivere, wissenschaftliche Forschungen oder Grabungen wurden deshalb gar nicht erst angestrebt, weil in Fachkreisen die Überzeugung vorherrschte, das Gebiet entlang der Ache eigne sich kaum für Landwirtschaft: kein günstiges Klima, kiesige Böden und das Tal viel zu eng.


Eine kleine Gruppe von regionalen Hobbyarchäologen arbeitet seit Jahrzehnten schon gegen diese offensichtlich falsche Interpretation. Einige dieser passionierten Forscher haben sich im »Heimat- und Geschichtsverein Achental e.V.« zusammengeschlossen. Einer von ihnen ist der Schlechinger Emil Huber. Noch bis kommenden Dienstag präsentiert er in seiner mittlerweile zehnten Ausstellung eine Fülle von Bodenfunden, die allesamt aus dem Achental stammen und bis in die mittlere Bronzezeit zurückreichen, bis etwa 1600 vor Christus.

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Zur Eröffnung der Ausstellung kamen rund 40 an der Heimathistorie interessierte Bürger in den Konferenzraum des Festsaals an der Tiroler Straße, wo die Ausstellung unter dem Titel: »Auf den Spuren früher Achental-Bewohner« bis zum 6. August für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird. Sie ist täglich von 10 bis 12 Uhr sowie von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Am heutigen Mittwoch ist sie allerdings geschlossen. Der Eintritt ist frei, Spenden sind aber erwünscht.

Fibeln, Ringe, Münzen, Schmuck, verschiedenste Werkzeuge, Schlüssel, Haushaltsgeräte – eine sehr lange Liste ließe sich aufreihen derjenigen Gegenstände, die Huber in diversen Vitrinen und Schaukästen zeigt. All diese Fundstücke stammen von eigenen Suchgängen. Gemeinsam ist den Exponaten, dass ihnen mehr oder minder die Spuren der Jahrhunderte anzusehen sind, aber auch, dass sie detailliert beschrieben und historisch aufgearbeitet wurden. Ausgestellt sind beispielsweise Fundstücke aus der Bronze und der Eisenzeit sowie der Neuzeit. Der Hauptanteil entstammt aber dem Mittelalter.

Gemeinsam ist den Fundstücken ferner, dass sie metallisch sind. Dieser Umstand liegt daran, dass Emil Huber die Überreste in bis zu einem Meter Bodentiefe mit dem Metalldetektor aufgespürt hat. »Seit 16 Jahren mache ich das jetzt«, so erklärt er, etwa zweimal pro Woche rücke er mit seinem Suchgerät zu Sondengängen aus. »Man findet eigentlich immer etwas«, berichtet er weiter und man spürt seine Freude über diese Erfolge. »Ich habe etliche Hundert Fundstücke zusammengetragen, hier werden ja nur die sehenswertesten ausgestellt.«

Eine grundlegende Einführung zum Thema gab vor der Eröffnung der Ausstellung der Grassauer Hans J. Grabmüller als Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsverein Achental. Er zollte Emil Huber für seine Ausdauer und seinen Einsatz hohen Respekt: »Es ist für mich als Historiker eine besondere Freude, so nahe an die Quellen unserer Heimatgeschichte herangeführt zu werden.«

Grabmüller betonte ferner, dass diese Funde wohl belegten, dass im Achental schon vor rund 3500 Jahren Menschen gewesen sein mussten. Um allerdings belegen zu können, dass diese hier auch gesiedelt hätten, müssten als Nachweis ihrer Sesshaftigkeit Gräber entdeckt werden, was bislang aber noch nicht gelungen sei – obwohl konkrete Vermutungen für derartige Gräberfelder vorlägen. »Bislang konnte aber noch niemand für eine Grabung gewonnen werden«, so Grabmüller zum Stand der Forschung in diesem Punkt. ost