weather-image
15°

»Auf den Arm genommen und verschaukelt«

5.0
5.0

Nußdorf – Missmutig reagierte der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung auf die erneute Behandlung eines Antrags auf Nutzungsänderung für eine Garage in Sondermoning an der Ecke Wiesenweg/Windbergweg und die Aufforderung der Baubehörde des Landkreises, zu einem Vorbau an diese Garage und einer Stützmauer erneut Stellung zu nehmen.


Bereits im Dezember hatte der Gemeinderat Tekturanträge zu einem Vorbau an die Kellerräume und einer Stützmauer abgelehnt. Nun wurde der Gemeinderat vom Landratsamt aufgefordert, das Bauvorhaben zu dulden und auf den Rückbau der Stützmauer zu verzichten. Sollte der Gemeinderat dies verweigern, kündigte die Bauaufsichtsbehörde an, das Einvernehmen der Gemeinde zu ersetzen.

Anzeige

Diese Ankündigung ärgerte einen Teil der Räte, andere sahen die Verfehlungen des Bauherrn als weniger schwerwiegend an. Vor zwei Jahren hatte der Gemeinderat dem Bau eines Wohnhauses und eines Keller- bzw. Garagengebäudes zugestimmt. Das Wohngebäude wurde entsprechend der Baugenehmigung errichtet, nicht aber das Garagen- und Kellergebäude. Ein Vorbau an die Garage entsprach nicht der Baugenehmigung, ebenso wenig Stützmauern beiderseits der Garage. Zugestimmt hatte der Gemeinderat jedoch der Nutzung des Kellergebäudes als Lager für eine Mobile Käserei.

Gemeinderat vor vollendete Tatsachen gestellt

Bürgermeister Hans Gnadl zeigte sich sichtlich verärgert. Er fühle sich »auf den Arm genommen und verschaukelt.« Die Gemeinde werde vor vollendete Tatsachen gestellt und solle nachträglich genehmigen, was sie für falsch halte. Er bleibe bei seiner Entscheidung und werde einer nachträglichen Genehmigung aus Gründen der Glaubwürdigkeit nicht zustimmen, so Gnadl.

Auch Franz Purzeller »stinkt« das Vorgehen des Landratsamts. Er schloss sich Gnadls Meinung an. Thomas Ober forderte dazu auf, nichts an den bisherigen Beschlüssen zu ändern. Hans Stöger dagegen fand es »nicht so tragisch« und sprach sich dafür aus, dem Bauherrn »eine Chance zu geben.« Uwe Kleinert meinte, der Bauherr »macht es ja nicht mit Absicht!« Außerdem erteile das Landratsamt die Genehmigung sowieso, auch wenn der Gemeinderat dagegen ist.

Bei der Abstimmung gab es mit 6 zu 6 Stimmen ein Patt. Damit stimmte der Gemeinderat gegen eine Duldung des Vorbaus für den Reifekeller der Käserei. Ebenso wird die Stützmauer und Bepflanzung abgelehnt. Der Gemeinderat nahm auch zur Kenntnis, dass das Landratsamt die Genehmigung erteilen wird. Einstimmig bestätigte der Gemeinderat hingegen den bereits im letzten Jahr gefassten Beschluss zur Nutzung des Garagen- und Kellergebäudes. Dieses darf ausschließlich als Lager-, Trocken- und Nassraum für das nicht störende Gewerbe genutzt werden.

Zugestimmt hat das Ratsgremium zudem den Anbau an ein Wohnhaus in Nußdorf an der Weidangerstraße. Durch die Erweiterung um 6,5 Meter in westliche Richtung und über die komplette Breitseite des Hauses von 10 Metern entsteht ein Doppelhaus. Um den Anbau mit einer Grundfläche von rund 65 Quadratmetern realisieren zu können, wird eine Garage abgerissen. Stattdessen wir eine neue Doppelgarage gebaut, die als »Doppelparker« für vier Fahrzeuge ausgestattet wird.

Eventuell ist eine Änderung des Bebauungsplans nötig

Bauamtsleiterin Birgit Schultheiss berichtete, die Abweichungen von den Festsetzungen des Bebauungsplans, besonders die Überschreitung des Baufensters und die Entstehung eines Doppelhauses, könnten dazu führen, dass die Bauaufsichtsbehörde eine Änderung des Bebauungsplans fordert. Sollte dies notwendig werden, muss der Bauwerber die Kosten dafür tragen.

Bereits im April behandelte der Gemeinderat einen Antrag des Bauwerbers. Er beabsichtigte ein zweites, separates Hauptgebäude auf dem Grundstück südlich der Kreisstraße TS 46 an der Ortseinfahrt von Sondermoning kommend (wir berichteten). Der Gemeinderat lehnte dies aus ortsplanerischen Gründen ab.

Nach Rücksprache mit dem Landratsamt wurde jedoch ein Anbau um eine Achse in Aussicht gestellt. Diese Möglichkeit hat der Eigentümer nun aufgegriffen und den Anbau beantragt. Die dadurch entstandenen Abweichungen von der Bauleitplanung hält der Gemeinderat für vertretbar. Positiv bewertete das Ratsgremium die Verdichtung des großen Grundstücks.

Der Anbau werde anders wahrgenommen, als ein zweiter, eigenständiger Baukörper, so die Meinung einiger Gemeinderäte. Wegen der exponierten Lage betonte der Gemeinderat aber auch die Bedeutung der Ortsrandeingrünung. Entsprechende Auflagen sollen im Baugenehmigungsbescheid berücksichtigt werden. pv