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Auf dem Weg zum ehrgeizigen Ziel

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Traunstein – Der Landkreis Traunstein rückt seinem Ziel, bis 2020 den gesamten Strombedarf für Privatkunden und kleine Unternehmen aus erneuerbaren Energieformen zu decken, näher. 2013 wurde eine Quote von 75 Prozent erreicht. Rechnet man den Stromverbrauch der Großindustrie ein, liegt der Wert bei 50 Prozent.


Das berichtete Simon Achhammer von dem 2012 mit einer Studie beauftragten Institut dem Kreisumweltausschuss unter Vorsitz von Landrat Siegfried Walch. Das Gremium nahm den für 2013 fortgeführten Energienutzungsplan für den Landkreis zur Kenntnis. Laut Achhammer stieg der gesamte Stromverbrauch im Kreis von 1,005 Megawattstunden im Jahr 2012 auf nur 1,033 Millionen Megawattstunden: »Das ist eine sehr gute Nachricht.«

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Die privaten Kunden einschließlich Kleingewerbe benötigten letztes Jahr 414 707 Megawattstunden Strom, etwas weniger als im Jahr zuvor. Die Spitzenplätze beim privaten Verbrauch nahmen wieder die Städte Traunstein, Traunreut und Trostberg sowie die Tourismuszentren Reit im Winkl und Ruhpolding ein. Kleine und mittlere Unternehmen zusammen mit der Großindustrie kamen zusammen auf 578 974 Megawattstunden.

Löwenanteil liegt bei Großbetrieben

Der Löwenanteil des Stroms floss in Großbetriebe in Traunreut, Trostberg und Siegsdorf. Die Zahlen für »Kommunale Liegenschaften« werden laut Achhammer nur alle drei Jahre erhoben. Die jüngste Zahl von 39 336 Megawattstunden Verbrauch stammt aus dem Jahr 2011.

Aus Erneuerbaren Energien wurden insgesamt 511 495 Megawattstunden oder knapp 511,5 Millionen Kilowattstunden ins Stromnetz eingespeist, 14 Millionen Kilowattstunden mehr als 2012. Der relativ geringe Zuwachs hat seinen Grund vor allem in dem »schlechten« Solarjahr 2013. 36 Prozent der Gesamtstrommenge oder 186 227 Megawattstunden wurden aus Biomasse erzeugt, 33 Prozent oder 167 776 Megawattstunden aus Wasserkraft, 28 Prozent oder 144 319 Megawattstunden aus Photovoltaik, lediglich 5853 Megawattstunden oder ein Prozent aus Windkraft. 7320 Megawattstunden oder zwei Prozent der Gesamtmenge kamen aus der Müllverbrennung. Das Fazit des Energiefachmanns: »Der Ausbau der Erneuerbaren Energien hat sich abgeflacht. Die alternativen Formen haben aber unter dem Strich einen Anstieg erzielt.«

In einzelnen Gemeinden übersteigt der Strom aus erneuerbaren Quellen bereits erheblich den Eigenverbrauch. Spitzenreiter ist Tacherting mit 600 Prozent Mehrerzeugung, gefolgt von Kienberg, Schnaitsee, Pittenhart und Engelsberg. Schlusslichter sind Traunstein, Übersee, Grassau, Inzell und Reit im Winkl.

Wie schafft man die Differenz zu den ohne Großindustrie angestrebten 100 Prozent? Dazu verwies Simon Achhammer auf Ausbaupotenziale bei Wasserkraft, Geothermie und Windkraft. Zur Windkraft betonte Landrat Siegfried Walch: »Das in der Studie 2012 ermittelte Potenzial bei Windkraft ist sicherlich nicht mehr realistisch. Das Landkreisziel 100 Prozent wird wohl nach derzeitiger Lage nur über Geothermie und Ausbau der Wasserkraft erreicht werden können.«

Da die Wasserwirtschaft im Freistaat keine Ausbaumöglichkeiten für »Querbauwerke« an Gewässern im Landkreis Traunstein sehe, seien »Fließgewässerkraftwerke« an der Salzach im Bereich des Tittmoninger Beckens eine Chance.

»Windkraft nicht auf Null rechnen«

In der Diskussion forderte Sepp Hohlweger (Bündnis 90/Die Grünen) die Windkraft »nicht auf Null zu rechnen«. Walch erwiderte, die Kommunen hätten ja die Möglichkeit, von der jüngsten Regelung Bayerns – der Abstand zu Bebauung muss demnach zehnmal größer sein als die Höhe der Windanlage – abzuweichen.

Zum Thema Geothermie hielt Franz Hagenauer von den Stadtwerken Traunreut ein Plädoyer für Fernwärme. In Traunreut entsteht derzeit durch eine Kraftwerksgesellschaft ein Geothermiekraftwerk, das Anfang Dezember 2015 den Probebetrieb aufnehmen und Anfang 2016 ans Netz gehen soll. Unter den Vorteilen führte Hagenauer an: »Die Fernwärme ersetzt jährlich vier Millionen Liter Heizöl in unserer Stadt. Es entsteht kein Feinstaub, auch nicht bei Inversionswetterlagen.«

Über den aktuellen Projektstand des Geothermiekraftwerks in Traunreut informierte Klaus-Dieter Giese. Derzeit sei man bei der Temperatur des in mehr als fünf Kilometern Tiefe angezapften Heißwassers noch nicht so weit wie erhofft. Eine Pumpe in den beiden Bohrstellen habe sich »Richtung Erdmittelpunkt verabschiedet«. Die Gesamtinvestitionen bezifferte Giese mit knapp 80 Millionen Euro. Um die 60 Millionen Euro wurden schon investiert, im März 2014 die Wärmeübergabestation eingeweiht. Die Baustelle für das eigentliche Kraftwerk ist laut Giese eröffnet. kd

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