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Auf 525 Jahre Brautradition angestoßen

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Ein Prosit auf die nächsten 525 Jahre: Der ehemalige Geschäftsführer der Schlossbrauerei Stein Dr. Michael Elsen (links) prostete am Festabend Stefan Haunberger, Reinhold Steinberger und Markus Milkreiter zu. (Fotos: Rasch)
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Bis auf den letzten Platz besetzt war der Felsenkeller beim Familientag am gestrigen Sonntag.

Traunreut. Bei so viel bayerischer Gemütlichkeit auf dem Steiner Brauereifest am gestrigen Sonntag hätte der Himmel eigentlich ein wenig mehr lächeln können. Dennoch ließen die zahlreichen Besucher, der bunte Musikmix und das Rahmenprogramm das Fest zu einem gelungenen Jubiläum werden. Auf dem Gelände herrschte allgemein gute Stimmung. Auch die Geschäftsführung zeigte sich hochzufrieden: »Die Leute amüsieren sich prächtig«, freute sich Geschäftsführer Stefan Haunberger.


Zwei Tage lang wurde mit dem Steiner Jubiläums-Festmärzen auf 525 Jahre Brautradition angestoßen. So lange wird in Stein nachweislich Bier gebraut. Ausgelassene Partystimmung herrschte bereits am Samstagabend mit der bayerischen Rockband »Feierdeife« im Felsenkeller. Mit traditioneller Blasmusik, Country oder Soulmusik blieb am gestrigen Familientag kein Musikwunsch offen.

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Bestens gesorgt war auch für das leibliche Wohl mit deftigen Schmankerln und süßen Köstlichkeiten. Auf dem Brauereigelände war aber noch mehr geboten: vom Bogenschießen über Kutschenfahrten, Steinheben und allerlei Aktionen für die Kinder. Reges Interesse fanden auch die Führungen durch die Brauerei und die Felsenburg, die von den Trostberger Rittern belebt wurde.

Die historische Gruppe aus Trostberg drehte bereits am Festabend das Rad der Zeit zurück. Mit Trommelwirbel und Schalmeienklängen wurden die rund 500 geladenen Gäste zur »Tafeley« in den Felsenkeller geleitet. Dort erklärten die Geschäftsführung und Ehrengäste, warum die Steiner Brauerei etwas ganz besonderes ist und als regionales Unternehmen als ein Teil der Heimat wahrgenommen und geschätzt wird.

»Ich bin stolz für diese Brauerei arbeiten zu dürfen«, sagte Geschäftsführer Stefan Haunberger, der erst seit zwei Jahren in der Brauerei arbeitet, während Vertriebsleiter Reinhold Steinberger mit fast 30 Jahren Betriebszugehörigkeit als »Urgestein« gilt. In gewohnt legerer Manier blickte der 58-jährige Steinberger auf die Veränderungen der Brauereibranche zurück.

In den vergangenen 25 Jahren habe sich laut Statistik der durchschnittliche Bierkonsum pro Einwohner von 144 Litern auf etwa 100 Litern reduziert, sagte Steinberger. Er könne sich noch gut an die Zeiten erinnern, in denen die Fahrer zwei Mal pro Woche einen Traunreuter Industriebetrieb belieferten. »Dort gibt es heute kein Bier mehr.« Den Umbruch habe letztendlich auch die Gastronomie zu spüren bekommen. Schließungen kleinerer Wirtschaften seien die Folge gewesen. Gleichzeitig habe sich auch das Verbraucherverhalten als solches nachhaltig verändert, verbunden mit dem Trend zur Regionalität. Diesem Trend sei die Schlossbrauerei mit einer Bio-Schiene und einem erweiterten Sortiment gefolgt.

Die Schlossbrauerei Stein, die heute nicht nur zu den innovativsten Privatbrauereien Bayerns zählt, sei auch die älteste Brauerei in Südostbayern, deren Bierseele in über fünf Jahrhunderten der Brautradition verbunden ist. Urkundlich erwähnt worden sei sie zum ersten Mal 1489, erklärte Braumeister Markus Milkreiter.

1845 kaufte die Prinzessin von Leuchtenberg, Kaiserin von Brasilien, das Schloss Stein. Unter ihr und ihrem Neffen, dem Romanoff-Fürsten und Zarenenkel Nikolaus, wurden rauschende Feste gefeiert. Dem Zarenenkel verdankt Stein auch seine heutige Gestalt im englischen Stil. 1890 gingen das Schloss und die Brauerei in den Besitz des Grafen Joseph zu Arco Zinneberg über. In diese Zeit fiel auch der Neubau der Brauerei, wie sie sich heute präsentiert.

1934 erwarben das Ehepaar Dr. Max und Ilse Wiskott sowie Otto Conix die Brauerei, die sich 1938 zur Kommanditgesellschaft Schlossbrauerei Stein Wiskott GmbH & Co. KG. firmierte. Die Kaufabsichten entwickelten sich fernab von jeglicher Bierkultur. Wie Sebastian Ziegler als Vertreter der heutigen Gesellschafterfamilien erklärte, hatten sich die beiden Familien auf einer Expedition im afrikanischen Urwald kennengelernt und sich entschieden, die Brauerei zu kaufen.

Während des Zweiten Weltkrieges musste die Brauerei herbe Rückschläge erfahren. Schäden an den Produktionsstätten und an den Maschinen verringerten den Bierausstoß auf ein Minimum. Heute verbirgt sich hinter den historischen Mauern eine topmoderne Brauerei, die einen hohen Stellenwert in ihrem Absatzgebiet genießt.

»Wir sind sehr stolz darauf ein Unternehmen in unserer Stadt zu haben, das mit seiner historischen Geschichte nicht nur der Stadt und der Region ein positives Image verleiht, sondern auch ein bedeutender Gewerbezahler und Arbeitgeber ist«, betonte Bürgermeister Claus Ritter. Umrahmt wurde der Festakt von den Chieminger Trachtlern und Goaßlschnalzern, außerdem spielten die »Gloakarierten« und die Showband »14 Hoibe« auf. ga