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Auch »Naturpark Chiemsee–Chiemgau« gescheitert

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Foto: Austermayer

Ebenso wie die Fusion der beiden heimischen Tourismusverbände Chiemgau-Tourismus und Chiemsee-Alpenland-Tourismus ist auch der »Naturpark Chiemsee-Chiemgau« gescheitert – zumindest in der bisher vorgeschlagenen Form. »Damit ist eine weitere Chance zur Zusammenarbeit in einem größeren Gebiet nicht genutzt worden«, bedauert Katharina Kling, Geschäftsführerin der mitinitiierenden »Allianz in den Alpen« mit Sitz in Übersee.


Gemeinsam mit Befürwortern aus dem Ökomodell Achental und dem Abwasser- und Umweltverband Chiemsee (AZV) hatte man etwa ein Jahr lang Überlegungen angestellt, wie man die gewünschten 32 Gemeinden im naturnahen Tourismus besser bewerben hätte können.

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Zusammenhängendes Gebiet ist nicht mehr zu schaffen

Zwar haben zehn der 32 beteiligten Gemeinden – Seeon-Seebruck, Bad Endorf, Obing, Pittenhart, Prutting, Riedering, Rimsting, Schnaitsee, Stephanskirchen und Frasdorf – noch gar nicht über den Naturpark abgestimmt. Doch ist bereits jetzt die Voraussetzung eines zusammenhängenden Gebiets nicht mehr zu schaffen. Denn durch das negative Ergebnis in Prien seien die umliegenden Gemeinden nicht mehr zusammenhängend zu vermarkten. »Auch Inzell hätte ja mitgemacht, aber wegen der Absage von Ruhpolding wäre es auch nicht mehr anzubinden, ebensowenig wie Chieming wegen der Absage von Grabenstätt«, erklärt Kling.

Am Geld ist es ihrer Meinung nach nicht gescheitert. Natürlich waren die 30 000 Euro – abzüglich staatlicher Förderung wären 20 000 Euro für alle beteiligten Gemeinden zusammen fällig geworden – nur ein Einstiegsbudget gewesen. Der spätere Beitrag hätte sich aus einem Sockelbeitrag und einem von der Einwohnerzahl abhängigen Anteil bemessen. »Das war den Gemeinden sicher klar, dass da später noch mehr Geld nötig gewesen wäre«, so Kling. Zwar hätte man Infrastruktur und beispielsweise Besucherzentren oder einen Raum für die Geschäftsstelle vielleicht bei der einen oder anderen Gemeinde ansiedeln und so Geld sparen können. »Aber so konkret waren ja die Planungen noch gar nicht.«

Gescheitert ist das Projekt nach Klings Meinung an der »sehr, sehr starken Lobbyarbeit der Landwirtschaft, die sehr stark Stimmung gemacht hat gegen das Projekt.« Und das geschah vor allem wegen der Angst vieler Landwirte, die – so hieß es in den Debatten in den Gemeinderäten immer wieder – nach der Einführung der FFH-Gebiete weitere Vorschriften und Einschränkungen bei der Bewirtschaftung ihrer Flächen durch die Hintertür befürchtet hatten. Denn, so hieß es, auch damals habe man ihnen versprochen, es werde sich für sie nichts ändern, und dann kam es doch anders.

Tourismus hätte sich stärker einbringen können

Zudem habe ein positiver Gegenpol gefehlt. »Zusicherungen von uns Initiatoren und der Regierung von Oberbayern sind ebenso ungehört verhallt wie etwa positive Beispiele von Vertretern anderer Naturparks. Da waren die positiven Fürsprecher zu wenige. Auch die Touristiker hätten sich da stärker einbringen können«, bedauert Kling.

In ihren Augen ist das Scheitern des Naturparks vor allem eine verpasste Chance: »Sehr viele Landwirte bieten doch bereits naturnahen Tourismus an, viele brauchen ihn als Nebeneinkommen. Da hätte man eine größere Region viel professioneller vernetzen und vermarkten können. Und das wäre früher oder später sicher auch in barer Münze messbar gewesen«, meint Kling. Angesicht der weltweiten Konkurrenz im Tourismus werde die Situation ja nicht besser, eher müsse man sehen, wie man die Zahlen stabil halten könne.

Aber waren für die Werbung nicht die Tourismusverbände und Organisationen wie Urlaub auf dem Bauernhof zuständig? »Die Tourismus-Fusion hätte ein Gebiet von Wasserburg bis Inzell, von Kiefersfelden bis Obing bedeutet«, sagt Kling. »Das wäre ein sehr, sehr großes Gebiet, das sich nicht einheitlich vermarkten lässt. Und der Naturpark Nagelfluhkette löst ja auch nicht den Allgäu-Tourismus ab.«

Beim Naturpark wäre es auch eher darum gegangen, die verschiedenen Interessenvertretungen an einen Tisch zu bringen: »Wenn ich ein Projekt auf dem Berg entwickeln will, brauche ich beispielsweise die Almbauern, den Forst, die Jagd, den Alpenverein und den Bund Naturschutz, für die Vermarktung den Tourismusverband, Urlaub auf dem Bauernhof, die Vermieter, vielleicht die Naturführer.« Die bereits am Ort ansässigen Organisationen AZV und Ökomodell hätten da durchaus Bedarf für mehr Kooperation gesehen.

Naturpark muss am Ort entstehen

»Wir wollten aber niemandem etwas aufzwingen«, so Kling weiter. Das Bayerische Umweltministerium habe sich neutral bis vorsichtig positiv verhalten, denn klar war, »ein Naturpark handelt am Ort, also muss er auch von da kommen. Da hätten die Kommunen das Heft in der Hand gehabt, gemeinsam etwas zu gestalten.«

Für die Arbeit der Allianz in den Alpen habe das Scheitern des Naturparks keine personellen Konsequenzen. »Das ist nicht unsere Baustelle«, erklärt Kling. »Wir arbeiten als externer Berater für Gemeinden und Regionen in sieben Staaten. Nur 22 der 32 Naturpark-Gemeinden sind Mitglied bei uns. Das wäre dauerhaft ohnehin nicht vertretbar gewesen, wenn wir das allein gemacht hätten.«

Aber noch ist die Hoffnung nicht ganz begraben, den naturnahen Tourismus besser fördern zu können. Es gebe erste Überlegungen für einen kleineren Naturpark. Aber das seien bisher nur Vorüberlegungen, die noch nicht spruchreif seien, so Kling abschließend. coho