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Auch die Kirche spürt den Personalmangel

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Bei der Andacht in der Pfarrkirche Chieming rief Weihbischof Bischof die Menschen auf, die Botschaft des Herrn zu verkünden. Foto: Hohler

»Unterwegs mit ...« – in unserer neuen Serie begleiten Redakteure des Traunsteiner Tagblatts in den nächsten Wochen verschiedenste Menschen in ihrem Alltag. Los geht es mit Weihbischof Wolfgang Bischof.


»Der Wecker geht um 5.30 Uhr. Mein Tag beginnt mit Gebet. Dann fahre ich in die Arbeit, und dann geht es den ganzen Tag dahin mit Besprechungen und Gottesdiensten«, sagt Weihbischof Wolfgang Bischof über seinen Alltag.

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»Und wenn ich Glück habe, endet der Tag noch am gleichen Tag«, lacht er. Für die Reihe »Unterwegs mit ...« durfte das Traunsteiner Tagblatt ihn einen Tag lang begleiten – noch bis Mittwoch ist er im Dekanat Traunstein zur Visitation unterwegs, trifft hauptamtliche Mitarbeiter und ehrenamtliche Helfer.

Erste Station: Chiemgau-Arena Ruhpolding. Denn, so Bischofs pastorale Mitarbeiterin Andrea Martin, besucht würden immer auch Einrichtungen, die gesellschaftlich relevant sind. Bürgermeister Claus Pichler informierte über die Gemeinschaftsleistung, die ganz Ruhpolding jedes Jahr für die »fünfte Jahreszeit« erbringt. »Da muss sehr vieles ineinander greifen.«

Von 1000 Zuschauern zu über 1000 Helfern

Pichler berichtete über die Entwicklung der Sportart Biathlon in Ruhpolding: »Ich weiß noch, wie mein Vater ganz stolz von 1000 Zuschauern berichtet hat. Heute haben wir 800 bis 1200 Helfer.« Für die Menschen am Ort sei Biathlon ein Herzensanliegen. »Das faire Miteinander so vieler Nationen ist großartig. Auch der Letzte im Ziel wird noch begeistert empfangen«. Aber es sei natürlich auch ein Wirtschaftsfaktor. Besonders beeindruckte den Weihbischof der Zusammenhalt am Ort, den auch Ortspfarrer Otto Stangl würdigte. Bischof zollte allen Beteiligten höchsten Respekt.

Nach einem Besuch im Kloster Maria Eck folgte ein Nachmittag mit vertraulichen Gesprächen ohne Presse. Doch vor der abendlichen Andacht nahmen sich Weihbischof Bischof und seine drei engsten Mitarbeiter, Diakon Matthias Friedl, Büroleiter und Regionalreferent des Weihbischofs, sowie seine beiden pastoralen Mitarbeiter Andrea Martin und Richard Siebler, Zeit für ein Gespräch. Dabei wurde deutlich, wie eng die Termine des Weihbischofs getaktet sind – nach 20 Minuten war Schluss.

Dabei erklärte Diakon Friedl, wen das Team während der Visitation alles trifft – Wortgottesdienstleiter, Kinder- und Familiengottesdienst-Teams, hauptamtliche und nicht pastorale Mitarbeiter, Musiker, Mesner, Hausmeister, Pfarrgemeinderäte, Vertreter von Schulen und Kindergärten und mehr.

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In Ruhpolding zeigte sich Weihbischof Bischof (rechts) beeindruckt von der Gemeinschaftsleistung, die die Menschen am Ort jedes Jahr für den Biathlon-Welt-Cup erbringen, wie Bürgermeister Claus Pichler (zweiter von rechts) im Rahmen der Visitation erklärte.

Der demografische Wandel schafft Probleme

Zentrales Thema der Gespräche ist der demografische Wandel und die zunehmende Personalnot. »Viele sehen, dass immer weniger Kinder in den Gottesdiensten sind und fragen sich, was kommt in ein paar Jahren?«, so Weihbischof Bischof. Auch die Frage »wie können wir den Glauben miteinander spürbar und erlebbar machen, kommt immer wieder.«

Ein Weg sei es, die Seelsorger von Verwaltungsaufgaben zu entlasten. Natürlich gebe es auch Probleme, die am Ort begründet seien, »aber da gibt es nichts, über das man nicht reden kann.« Es gehe darum, am Menschen dran zu sein, auch im Alltag.

Weihbischof Bischof hat aber noch mehr Aufgaben: Als Beauftragter für Frauen in Kirche und Gesellschaft ist er unter anderem Ansprechpartner für die Frauenverbände, er ist Präsident des Bayerischen Pilgerbüros und als Polizeiseelsorger für die Beamten da. »Da sind wir gefragt in allen Bereichen des Lebens.«

In der anschließenden Andacht ruft er die Gläubigen auf, die Botschaft des Herrn zu verkünden. Angesichts der immer mehr »gottfreien Zonen« sollten sich die Menschen an ihre Sendung durch Taufe und Firmung bestärkt fühlen, für die Botschaft Gottes einzustehen und sie erspürbar weiterzutragen.

Beim Gespräch mit Lektoren und Kommunionhelfern aus dem Dekanat im Pfarrsaal in Chieming gab es zahlreiche Fragen: Wer entscheidet, ob ein wieder verheirateter Geschiedener die Kommunion erhält? Muss der Pfarrer Listen führen? Eine Wiederbelebung der Kinder- und Jugendgottesdienste wurde in Vachendorf gewünscht.

Seit 2008 schon den 15. Pater in Bergen

»Wir haben seit 2008 schon den 15. Pater. Die Leute ziehen sich zurück, weil sie kein Vertrauensverhältnis mehr zum Seelsorger aufbauen können, inzwischen auch die alten Leute«, sagte eine Dame aus Bergen. Ein Lektor aus der Pfarrei St. Oswald kritisierte, er müsse oft »verstümmelte« Texte vortragen. Im Jahreskreis würden ganze Kapitel ausgelassen. »Wer legt das eigentlich fest?«

Weihbischof Bischof antwortete: »Bitte schließen sie niemanden von der Kommunion aus. Sie sind nicht die Richter.« Es sei eine Gewissensentscheidung des Einzelnen, ob er zur Kommunion gehe. Der Pfarrer könnte denjenigen im Zweifel ansprechen. Liturgische Texte lege in Rom eine eigene Kommission fest. Es stehe niemandem zu, Texte zu ändern.

Das Bergener Problem gebe es überall, wo Ordensgeistliche eingesetzt würden, »denn in der Regel beschließt ein Provinzkapitel in Rumänien, wann wer wo eingesetzt wird.« Dabei sei Bergen noch auf einer Insel der Glückseligen. »In zehn Jahren werden wir 30 Prozent weniger Seelsorger haben. Ihr werdet weiter Gottesdienste haben und geistliche Begleitung von zuständigen Menschen. Aber sie werden nicht mehr unbedingt bei euch wohnen.«

Zur Frage, wo der Lektor zu sitzen hat, in der Kirchenbank oder am Altar, darauf antwortete er: »Ich hab meine Lektoren immer gebeten, von unten nach oben zu kommen. Mein Nachfolger hat's genau anders gemacht. Am besten redts miteinander.« Am Ende sagte er den ehrenamtlichen Helfern ein herzliches »Vergelt's Gott für ihren wichtigen Dienst. Ich hoffe, sie tun ihn mit Freude und Begeisterung.« Denn das sei es, was die Kirche heute brauche, Menschen, die mit Freude und Begeisterung überzeugten. coho


Neue Serie im Traunsteiner Tagblatt

Die Serienteile erscheinen bei uns in unregelmäßigen Abständen. Wenn Sie, liebe Leser, schon immer einmal wissen wollten, wie der Alltag in einer bestimmten Berufsgruppe aussieht, – oder sollen wir mit Ihnen unterwegs sein – dann senden Sie uns Ihre Vorschläge einfach per E-Mail an lokales@traunsteiner-tagblatt.de oder per Post an das Traunsteiner Tagblatt, Marienstraße 12, 83278 Traunstein und dem Stichwort »Unterwegs mit ...«.Vielleicht stellen wir auch Ihren Wunsch in einer der nächsten Ausgaben vor.