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Asylpraxis für Betriebe und Helfer »frustrierend«

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Über die unbefriedigenden Praxiserfahrungen mit der derzeitigen Asylpraxis tauschten sich Mitglieder aus Helferkreisen in Traunstein am Runden Tisch aus. (Foto: Effner)

Traunstein – Die Reaktionen reichen von Frustration, über Wut bis zu blankem Entsetzen über die »unmenschliche Art, mit Flüchtlingen umzugehen«:


Die Anweisung des Bayerischen Innenministeriums an die Ausländerbehörden zum restriktiveren Umgang mit Arbeitserlaubnissen für Flüchtlinge stößt bei Betrieben und vielen freiwilligen Asylhelfern auf Unverständnis.

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Bei einem Runden Tisch mit Teilnehmern von ehrenamtlichen Helferkreisen aus dem Landkreis Traunstein diskutierte die Grünen-Landtagsabgeordnete Gisela Sengl im Traunsteiner Sailerkeller über die praktischen Erfahrungen vor Ort. Zur Sprache kamen auch Möglichkeiten, wie die Situation verbessert werden könnte.

Nach der Neuregelung werden die Behörden angewiesen, die Arbeitserlaubnis von Flüchtlingen mit geringer Bleibeperspektive nicht mehr zu erteilen bzw. zu verlängern. Wie von verschiedenen Vertretern der Helferkreise zu hören war, habe dies zur Folge, dass besonders Flüchtlinge, die nicht aus dem Iran, Irak, Syrien, Eritrea oder Somalia stammen, kaum Chancen hätten, eine reguläre Arbeit anzunehmen oder weiterhin auszuführen. Gisela Sengl hielt deshalb ein Einwanderungsgesetz für unabdingbar, um bereits gut integrierte Flüchtlinge, die einen Arbeitsplatz haben »auf eine andere Spur zu bringen«. Aktuell sei es wichtig, »Druck zu machen, damit auch im Landkreis Traunstein mehr Ermessensspielräume genutzt werden«, ähnlich wie in den Landkreisen München und Miesbach.

Maria Mayer aus Wonneberg berichtete von Senegalesen, die im ersten Brief von einer Behörde die Steuernummer zugeteilt bekamen, aber dann nicht arbeiten durften. Ein Einsatz, etwa als Helfer in der Landwirtschaft, vermittle als »praxisnahe Entwicklungshilfe« Kenntnisse, mit denen sie in ihr Land zurückkehren könnten, »ohne das Gesicht zu verlieren«.

Eine ehrenamtliche Helferin aus Waging am See berichtete vom Fall eines Afghanen, der in einer Gaststätte im Ort Arbeit gefunden hatte. Nach der Ablehnung seines Asylantrags wurde er von der Polizei abgeholt und seine Akte an das Zentrale Ausländeramt in München abgegeben. »Das sorgt bei den Arbeitgebern für große Unsicherheit und in der Folge für Vorbehalte gegenüber arbeitssuchenden Asylbewerbern«, hieß es.

Suche nach Wohnraum großes Problem

Maria Haßlberger aus Ruhpolding berichtete vom Höchststand der Asylbewerber mit 171 Personen vor vier Jahren. Inzwischen hätten viele Nigerianer und Pakistani gut deutsch gelernt und seien als gute Mitarbeiter in den Betrieben geschätzt. Jetzt sorge eine Kündigungswelle für große Frustrationen. Das Hauptproblem sei aktuell auch die Suche nach Wohnraum.

Von einer guten Zusammenarbeit mit dem Jobcenter berichtete Klaus Thiele aus Grassau. Ein Problem seien wiederum unseriöse Angebote, bei denen Asylbewerber als Subunternehmer angestellt werden »und weit unter dem Mindestlohn verdienen«. Auf das Problem, gute Sprachkurse zu finden, machte Burgi Mörtl-Körner aus Traunstein aufmerksam.

Gute Erfahrungen habe sie mit der Otto-Benecke-Stiftung in Bonn gemacht. Ein von ihr betreuter Augenarzt aus Syrien konnte dadurch bereits nach einem Jahr arbeiten, ein Architekt bereite sich derzeit auf die Sprachprüfung vor. Größere Schwierigkeiten hätten dagegen junge, hochmotivierte Handwerker aus Syrien. Hier müsste, auch mit Blick etwa auf den großen Mangel an Fachkräften in der Pflege, mehr getan werden.

»Das finde ich als Christ beschämend«

»Wir haben ihnen zwei Jahre Freiheit vorgegaukelt, jetzt schicken wir sie zurück in die Hoffnungs- und Obdachlosigkeit«, erklärte Beate Reinhardt aus Traunreut zum Schicksal zweier junger, von ihr betreuter, Afghanen. »Dieses Vorgehen finde ich als Mensch und Christ beschämend.« Von »sehr kontroversen, aber auch konstruktiven Gesprächen« engagierter Betriebsinhaber aus Fridolfing und Kirchanschöring mit Landrat Siegfried Walch erzählte ein Unternehmer aus Fridolfing.

Wie es hieß, wolle Walch in internen Gesprächen klären, ob es Lösungswege für eine Erleichterung gebe. In der Diskussion ging es darum, dass sich die einzelnen Helferkreise besser vernetzen sollten, um auch politisch mehr Mitsprache und eine Verbesserung der unbefriedigenden Situation zu erreichen. eff