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Asylbewerbern freiwillige Ausreise »angeboten«

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Die Tettenhausener Flüchtlinge sind gut integriert. So waren sie beispielsweise zusammen mit Christl Hötzendorfer und Herbert Buchner in Gessenberg. (Foto: Helferkreis)

Waging am See – Der Tettenhausener Helferkreis Asyl muss sich auf eine veränderte Situation einstellen: Elf der zwölf jungen Flüchtlinge, die im Alten Schulhaus in Tettenhausen untergebracht sind, haben ein Schreiben der Ausländerbehörde erhalten, in dem die Möglichkeit einer freiwilligen Ausreise »angeboten« wurde, wie Arbeitskreisleiter Hannes Obermayer informierte. Dadurch sei, wie es beim Treffen des Helferkreises hieß, große Aufregung bei den Flüchtlingen entstanden – teilweise geradezu Panik. Das führte so weit, dass die Motivation, gerade auch für die Teilnahme am Deutschkurs, zurückgegangen sei, ergänzte Hubert Lindenkamp, einer der Deutschlehrer.


Die Tettenhausener Flüchtlinge kommen aus dem Senegal, das offiziell als »sicheres Herkunftsland« gilt. Nach Ansicht der Mitglieder des Helferkreises könne man aber die Flüchtlinge nicht einfach wieder dorthin zurückschicken. In diesem von Korruption geprägten Land gebe es keine Perspektive, zudem würden Rückkehrer »ihr Gesicht verlieren«, wenn sie nach all den Strapazen der Flucht ohne Geld wieder zurückkehren.

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Im Helferkreis wurde darüber nachgedacht, ob es die Möglichkeit gebe, Rückkehrer von hier aus zu unterstützen, etwa durch Patenschaften und regelmäßige finanzielle Förderung. Aber dies würde, so die allgemeine Einschätzung, schwierig zu verwirklichen sein – mangels geeigneter Kontaktleute und auch mangels geeigneter beruflicher Chancen. So wurde beim Helferkreis nach einigem Gedankenaustausch zunächst einmal als weiteres Vorgehen festgehalten, den Flüchtlingen, solange sie noch hier sind und solange sie das selber möchten, die bestmögliche Förderung zukommen zu lassen und sie auch weiterhin im Alltag zu unterstützen. Die sei laut Klaus Rieder »ein Schatz für die Zeit danach«.

Neben den Deutschkursen bekommen die Flüchtlinge auch Unterstützung beim Einkaufen. Die Helfer fahren sie zum Bahnhof für die Gespräche in München, erledigen Reparaturen oder helfen bei der Suche nach Sponsoren, um etwas Geld für Anschaffungen oder Unternehmungen zu bekommen. Auch für eine interessante Freizeitgestaltung wurde bereits gesorgt. Wie Jakob Rehrl berichtete, spielen einige Flüchtlinge mit ordentlichem Erfolg beim SV Taching Fußball. Dazu konnte er ihnen die gute Botschaft überbringen, dass das Training auch im Winter in der Halle weitergehe.

Schreiben haben einschüchternden Charakter

Mit der Meinung über diese von oben verordnete Art des Umgangs mit den Flüchtlingen hielt man im Helferkreis überhaupt nicht viel. Edmund Halletz kritisierte den »einschüchternden Charakter« der amtlichen Schreiben, Hubert Lindenkamp sprach davon, dass »immer mehr die Daumenschrauben angezogen« würden. Allerdings geht man auch davon aus, dass die Flüchtlinge noch eine ganze Weile hier bleiben können, da sich die Verfahren sicher noch hinziehen; freiwillig heimgehen werde sicherlich keiner und im Übrigen – darüber hat man sich intensiv rechtlich informiert – habe das Schreiben des Ausländeramts »keinen Rechtscharakter«. Wenn schon an eine freiwillige Rückkehr appelliert werde, solle man dies mit einer nennenswerten Motivation verbinden, etwa mit einer Summe Geld, die in der Heimat einen gewissen Neuanfang ermöglichen würde, so die Meinung im Helferkreis.

Wie Hubert Lindenkamp mehrfach versicherte, hätten sich die Flüchtlinge inzwischen wieder einigermaßen beruhigt und seien in der Mehrheit auch weiterhin am Deutschkurs sowie an anderen Angeboten interessiert. Auch die Flüchtlinge wissen – trotz aller aktueller Verunsicherung – die Unterstützung des Helferkreises sehr zu schätzen. Einer von ihnen fasste am Schluss zusammen: »Wir sind sehr glücklich – alle von uns. Wir schätzen eure Hilfe.« he

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