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Asylbewerber: Weitere Unterkünfte werden benötigt

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Im Landkreis Traunstein gibt es zwei zentrale Unterkünfte (gelb markiert) in Grassau und Engelsberg. Dort leben 96 beziehungsweise 91 Bewohner. In neun anderen Gemeinden leben die restlichen 187 Asylbewerber in dezentralen Unterkünften (blau markiert).

Traunstein. Aufgrund der vielen neuen Asylbewerber im Landkreis Traunstein – heuer kamen bislang 374 Menschen, 2014 rechnet man mit Quartierbedarf für 700 Personen – steht das Landratsamt Traunstein unter Druck, weitere Unterkünfte zu finden. Landrat Hermann Steinmaßl betonte gestern im Kreistag, das Thema sei vom Gesetz her keine Sache der Kreispolitik. Unabhängig davon seien Kreisbürger und Gemeinden betroffen. Bei einem Gespräch in Maria Eck mit allen Bürgermeistern und Pfarrern habe er »großen Zuspruch und Bereitschaft« verspürt, sich gemeinsam dieser Herausforderung zu stellen. Dem schlossen sich etliche Kreisräte an.


Soziale Betreuung ist wichtig

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Kamen bis 1994 die meisten Asylbewerber aus südosteuropäischen Ländern, hat sich das weiter nach Osten verlagert. Bei vielen Flüchtlingen gehe es laut Steinmaßl »ums nackte Überleben«. Florian Amann vom Landratsamt sagte, aktuell stammten die Asylbewerber aus Afrika, Europa und Asien – mit Schwerpunkten Nigeria und Senegal, Kosovo, Bosnien-Herzegowina und Mazedonien sowie Irak, Syrien, Afghanistan, Pakistan und Russland. Die meisten Ersteinreisen seien heuer erfolgt mit 214 Personen. 2012 waren es 54 Personen, 2010 nur 26. Vor 2003 seien insgesamt 40 Asylbewerber in den Landkreis gelangt. Zentrale Unterkünfte betreibe man in Grassau mit 96 und Engelsberg mit 91 Bewohnern. In neun Gemeinden leben die restlichen 187 Asylbewerber in dezentralen Unterkünften. Ein Drittel der Betroffenen entfalle auf den Norden des Kreises, zwei Drittel auf den Süden einschließlich Traunstein. Nehme man die Einwohnerzahlen als Basis, ergebe dies zwischen zwei und 44 Asylbewerbern je Kommune. »Das aber geht nicht, weil die Unterkunftsangebote fehlen.«

Laut Steinmaßl sei die adäquate Unterbringung »nur gemeinsam« mit Städten und Gemeinden, Pfarreien und Bevölkerung zu schaffen. Nicht zu vergessen sei die soziale Betreuung. Die Asylsozialberatung im Landkreis biete das Diakonische Werk Traunstein, das der Landkreis freiwillig mit 6000 Euro unterstütze. Auch gebe es ehrenamtliche Initiativen.

Ruhpoldings Bürgermeister Claus Pichler (SPD) appellierte an alle Kommunen, Asylbewerber dezentral unterzubringen. Sepp Hohlweger (Grüne) meinte, je mehr die Asylbewerber verteilt würden, desto leichter sei ihre Integration. »Es ist schon einiges geschehen – aber nicht genug«, sagte Katharina Kurz-Hüller (Grüne). Wichtig sei, sich zu der Aufgabe zu bekennen und positiv zu den Menschen zu stehen. Steinmaßl sagte dazu: »Wir haben seit Jahren Asylbewerber im Landkreis. Es hat noch nie Probleme gegeben, stattdessen Integration und Einbürgerungen. Das sind Zeichen, dass die Kreisbürger mit dem Thema seit langem verantwortungsvoll umgehen. Wir sind ein weltoffener Landkreis und bereit, Asylbewerber aufzunehmen.«

Alles daran zu setzen, dass Menschen Sicherheit finden, forderte Helmut Kauer (ÖDP). Kritik der Gemeinde Unterwössen, die wohl nichts wusste von der neuen Unterkunft, veranlasste Alfons Baumgartner (Bayernpartei) zu der Anregung, Bürgermeister möglichst früh einzubinden. Waltraud Wiesholler-Niederlöhner (SPD) betonte, Traunstein habe die Asylbewerber gut aufgenommen. Zum dritten »Café International« seien mehr als 200 Besucher gekommen.

Jantke betont: »Keine große Belastung«

Grassaus Bürgermeister Rudi Jantke (SPD)sagte: »Die Unterkünfte und ihre Bewohner stellen keine große Belastung dar.« Viele Bürger, auch aus Nachbargemeinden, engagierten sich. Die Unterkunft mit fast 100 Bewohnern existiere seit 28 Jahren. »Wir bauen zurzeit ein weiteres Gebäude für nochmals 30 Personen und einen Spielplatz für die Kinder. Die Kleinen sind in unserem Fußballverein, die Eltern lernen Deutsch. Diese Menschen sind in der Regel arme Teufel.«

Von »gelebter Integration« bei einem Fest in Inzell mit Asylbewerbern und Trachtlern berichtete Siegfried Walch (CSU). Es gelte jedoch, »auch Probleme anzusprechen, nicht die Augen davor zu verschließen«. In Kürze würden in Inzell 50 bis 60 Asylbewerber eintreffen. Sebastian Röckenwagner (CSU) erinnerte an den Arbeitskräftemangel: »Wir brauchen Leute, die bei uns arbeiten wollen. Asylbewerber wollen arbeiten.« kd