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Arbeitskreis kümmert sich um 60 Flüchtlinge

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Marquartstein – Derzeit leben rund 60 Asylbewerber in Marquartstein, berichtete Gemeinderat Peter Lloyd als Sprecher des Arbeitskreises Integration in der jüngsten Sitzung des Gremiums. Anlass war, dass nach der Satzung zur Bürgerbeteiligung alle Arbeitskreise einmal im Jahr über ihre Arbeit berichten sollen.


Bei den Asylbewerbern handelt es sich vor allem um Männer zwischen 18 und 30 Jahren aus Aghanistan, Pakistan und Syrien. Es sind keine Frauen und Kinder dabei. Sie leben in drei Unterkünften, dem Brücknhäusl, an der Gränzmühle und in einer Wohnung an der Lanzinger Straße. Alle sind inzwischen Selbstversorger, kaufen ein und kochen für sich. Inzwischen sind drei der Flüchtlinge anerkannt, bei den anderen, die teilweise schon über zwei Jahre hier leben, sei alles noch offen, informierte Lloyd.

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Dem Arbeitskreis Integration gehören rund 30 ehrenamtliche Helfer an, deren Sprecher Monika Rappl, Claudia Kraus und Peter Lloyd sind. Der Arbeitskreis kümmert sich vor allem um den Deutschunterricht, der in der Grundschule und im Landschulheim stattfindet. 15 Helfer unterrichten Deutsch in zwei bis vier Kursen, wobei an fünf Wochentagen je zwei Schulstunden täglich stattfinden, außerdem gibt es zusätzlichen Unterricht für Einzelne.

Geförderter Deutschkurs findet im Rathaus statt

Seit Herbst vergangenen Jahres wurden weit über 500 ehrenamtliche Stunden unterrichtet, so Lloyd. Derzeit gibt es zusätzlich einen von der Bayerischen Wirtschaft geförderten Deutschkurs, der anfangs im Rathaus, jetzt im katholischen Pfarrheim stattfindet. 20 Flüchtlinge werden dabei fünf bis sieben Stunden täglich von einer ausgebildeten Dozentin unterrichtet.

Der Arbeitskreis hilft den Flüchtlingen aber auch bei vielen Fragen des täglichen Lebens, zum Beispiel wird ihnen Waschen und Putzen gezeigt. Außerdem bekommen sie Hilfe bei der Gesundheitspflege, beim Gang zum richtigen Facharzt und im Umgang mit den Behörden. Hilflos sind die Männer zum Beispiel, wenn sie vom Finanzamt die Steuer- Identifikationsnummer zugeschickt bekommen oder sich um die Rundfunkgebühren kümmern müssen. Manche Flüchtlinge hätten außerdem zum Beispiel Herzprobleme, Diabetes, mangelnde Sehfähigkeit, aber auch psychische Probleme, berichtete der AK-Sprecher.

Manche Helfer im Arbeitskreis wandern, malen, musizieren oder treiben Sport mit den Flüchtlingen. Um auch neue Kontakte mit den Einheimischen anzuregen, veranstaltet der Arbeitskreis etwa alle zwei Monate das »Café Integration« im evangelischen Gemeindezentrum, wo getrommelt, getanzt und gespielt werden kann. An der Lanzinger Straße kümmerte sich der Arbeitskreis darum, dass die notwendigen Einrichtungsgegenstände und ein Internetanschluss in die Wohnung kamen. In allen Unterkünften bemüht sich der Arbeitskreis auch darum, dass genügende Fahrräder zur Verfügung stehen, bei Neuankömmlingen auch um ausreichend Kleider.

Immer wieder würden auch Gespräche über ihre Zukunft mit den Asylbewerbern geführt, sagte Lloyd. Dabei müssten sie auch vorsichtig vorbereitet werden, dass sich ihr Wunsch, hierzubleiben, vielleicht nicht erfüllen werde. Als Beweggründe der Helfer, sich beim Arbeitskreis zu engagieren, sagte Lloyd: »Wir wollen nicht die Welt retten, aber wir wollen den Flüchtlingen, die in Marquartstein sind, das Leben erleichtern.« Ein Afghane habe ihm neulich erzählt, dass er hier erstmals in seinem Leben keine Angst habe.

Persönliche Kontakte sind ganz wichtig

Laut Lloyd sind persönliche Kontakte zu den Asylbewerbern ganz wichtig. Viele der Flüchtlinge in Marquartstein könnten sich jetzt schon gut auf deutsch verständigen, aber bräuchten jetzt Übung. Deshalb wäre es schön, wenn sich noch mehr Leute fänden, die die Männer bei ihren Hobbies mit einbeziehen, zum Beispiel beim Wandern, Schachspielen oder anderen Spielen. Verständigungsprobleme gäbe es eher am Telefon, warnte Lloyd. »Mal schnell anrufen, geht nicht – man muss hingehen«. Dann gebe es immer Tee und Bewirtung. Wer Kontakt aufnehmen möchte, kann sich an die Arbeitskreis-Sprecher wenden.

Drei unangenehme Zwischenfälle mit Einsatz der Polizei habe es im vergangenen Jahr auch gegeben, berichtete Lloyd. Dabei sei immer Alkohol im Spiel gewesen. Die Täter seien inzwischen in anderen Einrichtungen. Nach Aussage der Polizei sei diese insgesamt aber ganz zufrieden, so der Sprecher. Bürgermeister Andreas Scheck zollte abschließend den Helfern des AK »allerhöchsten Respekt« für ihre unentbehrliche, engagierte Arbeit zur Integration. gi