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Arbeiterwohlfahrt versucht es jetzt mit »Frauen-Power«

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Die AWO wählte eine neue Vorstandschaft: Beisitzer Ernst Holl (von links), Vorsitzende Roswitha Weinen, Stellvertretende Vorsitzende Gretl Pröbstl, Kassiererin Angela Kaufmann, Stellvertretende Schriftführerin Elisabeth Gaisreiter, Schriftführerin Monika Hartkopf und Beisitzerin Ute Wiblishauser. (Foto: Buthke)

Traunstein. Nachdem sich die bisherige Vorstandschaft aus unterschiedlichen Gründen aufgelöst hatte, wie es Kassier Christian Mayer, als Versammlungsleiter formulierte, versucht die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Traunstein jetzt mit »Frauen-Power« einen Neuanfang. Bei der Jahreshauptversammlung im Gasthaus Sailer-Keller wurde Roswitha Weinen zur neuen Vorsitzenden gewählt. Weinen erklärte, es gebe bei uns sehr viel verdeckte Armut. Sie wolle mithelfen, die Not ein Stück weit zu lindern.


Größte Schwierigkeit: Wohnungen zu bekommen

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Als Stellvertreterin steht ihr Gretl Pröbstl zur Seite. Den Posten der Kassierin übernimmt Angela Kaufmann. Zur Schriftführerin wählten die Mitglieder Monika Hartkopf. Ihre Stellvertreterin wurde Elisabeth Gaisreiter. Das »starke Geschlecht« ist lediglich bei den Beisitzern vertreten. Neben Ute Wiblishauser wurden Ernst Holl und Christian Mayer gewählt. Als Kassenrevisoren wurden Helmut Köppl und Konrad Obermaier bestätigt.

Rund 160 Beratungen und Hilfestellungen leistete das Bü- ro laut Gretl Pröbstl für Menschen in besonderen Notlagen und Obdachlose. Als großes Problem nannte sie, für Hartz-IV-Empfänger und Rentner kleine und bezahlbare Wohnungen zu bekommen. Ferner würden sie die steigenden Energiekosten belasten. »Wir mussten vielen Menschen vor allem wegen der Nachzahlungen helfen, damit sie nicht im Dunkeln sitzen«, so Pröbstl.

Die Altersarmut werde immer schlimmer, befürchtete sie. Auch bräuchten Kinder von Familien und Alleinerziehenden immer wieder etwas. »Wir versuchen, die größte Not durch Spendenaufkommen zu lindern«, sagte sie. Unterstützung erhalte sie durch die Aktion »Die im Dunkeln sieht man nicht« von Charlotte Wamsler, von der Stadt und von Rosemarie Kotter. Um Geld für Obdachlose und Bedürftige zu bekommen, habe die AWO eine Bilderausstellung in der »Alten Wache« durchgeführt.

Die Beratungsstelle für die Pflegeversicherung und häusliche Pflege werde sehr gut angenommen, berichtete Ernst Holl. Zudem vermittle er Pflegedienste und zusammen mit der Job-Börse Haushaltshilfen. Ebenso kümmere er sich darum, wie man mit der Demenzbetreuung umgehe. Bei seinen Beratungen gehe es auch über Betreuungs- und Patientenverfügung sowie Vollmacht. Ferner wies er auf die Spielenachmittage mit Elisabeth Neugebauer und den Seniorenclub mit Ute Wiblishauser hin.

Aus dem Kassenbericht von Christian Mayer ging hervor, dass 2011 mit einem Defizit abgeschlossen wurde, das aus den Rücklagen ausgeglichen wurde. »Wir leben von unseren Ersparnissen der vergangenen Jahre«, machte er deutlich. Er regte an, wieder mit den Haussammlungen zu beginnen, weil es schade wäre, wenn die Arbeit der AWO unterginge. Die Rücklagen reichten nämlich nur noch für rund drei Jahre.

Ein Thema, das auch der Stadt auf den Nägeln brenne, seien bezahlbare Wohnungen, erklärte Oberbürgermeister Manfred Kösterke. Es würde zwar zahlreiche Wohnungen in Traunstein gebaut, aber nicht in dem Preissegment, das sich das Klientel der AWO leisten könne. In der Stadt seien rund 200 Bedarfsgemeinschaften für Wohnungen vorgemerkt. Im sozialen Wohnungsbau müsse etwas getan werden, sagte er.

Lob von Kösterke für ehrenamtlichen Einsatz

Weil Sozialarmut schnell auch zu Bildungsarmut führe, habe die Stadt mit dem Landkreis das Projekt »Kultur für alle« angeregt. Dabei sollen Restkarten von kulturellen Veranstaltungen entweder kostenlos oder billiger zur Verfügung gestellt werden. Er lobte Pröbstl für ihren ehrenamtlichen Einsatz und übergab ihr 500 Euro. Zudem versprach er, dass bei der Weihnachtsfeier der Stadt wieder für die Obdachlosen gesammelt werde.

Langjährige Mitglieder wurden mit Ehrenurkunden und Ehrennadeln ausgezeichnet: Frederike Reinhard (50 Jahre), Elisabeth Neugebauer (45), Ernst Holl (40), Marlies Schätz (35), Ute Wiblishauser (25), Susanne Obermeier, Franziska Hölzner (je 15), Gretl Pröstl und Helmut Köppl (je 10). Bjr