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Apotheker sehen ungerechten Wettbewerb mit Versandhändlern

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Apotheker Lorenz Fakler aus Traunstein sieht aufgrund des Urteils des Europäischen Gerichtshofs das deutsche Gesundheitssystem in Gefahr. (Foto: Reiter)

In vielen Apotheken in der Region liegen sie aus: Handzettel mit der Überschrift »Gesundheitssystem in Gefahr« und Unterschriftenlisten, in die sich Patienten eintragen können. Mit dieser Kampagne möchte die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) für den Erhalt der flächendeckenden Versorgung kämpfen, die sie in Gefahr sieht. Hintergrund ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs, das bei Apotheker Lorenz Fakler aus Traunstein und vielen seiner Kollegen für Verunsicherung gesorgt hat.


Die Apotheker sehen einen ungerechten Preiswettbewerb mit ausländischen Versandhändlern bei rezeptpflichtigen Medikamenten. Nach dem EuGH-Urteil müssen sich diese nicht länger an deutsches Recht halten, wenn sie rezeptpflichtige Medikamente nach Deutschland schicken. Sie sind – anders als deutsche Versandhändler und Apotheken vor Ort – nicht an die staatlich festgelegte Preisbindung für solche Medikamente gebunden.

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»Preisbindung aus Gründen des Patientenschutzes«

»Diese Preisbindung wurde einst aus Gründen des Patientenschutzes eingeführt«, sagt Lorenz Fakler, Pressesprecher der Apotheker im Landkreis Traunstein. »Man wollte damit vermeiden, dass bei wichtigen Medikamenten ein Preiswettbewerb entsteht. Im Krankheitsfall sollten Patienten keine Preisvergleiche zwischen Apotheken anstellen müssen, sondern überall zu gleichen Bedingungen Unterstützung erhalten. Vermeiden wollte man damit, dass es zu einer Ausdünnung von Apotheken in der Fläche kommt. Das wurde mit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs gekippt.«

Die Versorgung in der Stadt Traunstein sei sicher nicht akut gefährdet, gibt der 42-Jährige zu. »Aber auf dem Land kann es da schon anders aussehen. Dort gibt es schon jetzt immer weniger Ärzte und Apotheken.« Allein in Deutschland hätten im vergangenen Jahr 300 Apotheken zu gemacht, diese Entwicklung könnte sich verschärfen, »wenn Internetversandhändler aus dem Ausland bei uns das große Geschäft machen, aber ansonsten keine Aufgaben übernehmen. Das ist Rosinenpickerei«.

Das Argument, dass für Patienten Medikamente dadurch günstiger werden, sehe auch er, »doch zu welchem Preis?«, fragt der Apotheker. »Derzeit gibt es eine totale Ungleichbehandlung«. Zum einen sei das Ganze gegenüber Arzneimittel-Versandhändlern aus Deutschland ungerecht, denn diese müssten sich an die Preisbindung halten. Zum anderen hätten die Apotheken vor Ort noch viele weitere Aufgaben zu leisten, die Versandhändler nicht oder nur bedingt übernehmen würden, wie Beratungen, Nachtdienste, Notdienste am Wochenende, einen schnellen Lieferservice in Notfällen oder die Herstellung individueller Rezepturen. »Pflichten, die oftmals unrentabel sind«, sagt Lorenz Fakler. Er betont, dass die Lage derzeit noch nicht dramatisch sei, »aber wir wollen einfach aufmerksam machen auf die Problematik, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist. Es muss jetzt schnell gehandelt werden«.

»Eine gute Versorgungsalternative«

Die Kampagne der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände läuft noch bis 1. März. Erreicht werden soll ein Gesetz, das den Versandhandel auf nicht verschreibungspflichtige Medikamente begrenzt. Entsprechende Überlegungen vonseiten der Regierung gibt es bereits. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat für einen solchen Vorschlag aber auch Kritik einstecken müssen. Die Ersatzkassen beispielsweise lehnen das geplante Verbot ab. Den Versandhandel komplett zu verbieten, gehe an der Versorgungsrealität vorbei, erklärte die Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Ersatzkassen (vdek), Ulrike Elsner. Für die Versicherten könne die Online-Apotheke »eine gute Versorgungsalternative« sein. KR