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Anwohner wehren sich gegen Photovoltaikanlagen

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Symbolfoto: dpa

Petting – Erbauer und Betreiber wollen den Anwohnern der drei Freiflächenphotovoltaikanlagen so weit wie möglich entgegenkommen. Doch einigen reicht das nicht. Sie lehnen solche Solarfelder in freier Natur ab, fürchten um den Wert von Haus und Grund und sehen Landschaft und Ausblick beeinträchtigt.


Weil es um drei Flächen geht, und um Flächennutzungsplan sowie Bebauungsplan, musste der Pettinger Gemeinderat in einem Abstimmungsmarathon über alle Einwände und Stellungnahmen jeweils einzeln entscheiden. Allein bei der Anlage Aich stimmten die Gemeinderäte geschlossen zu, bei Schweighausen und Altofing gab es auch Gegenstimmen.

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Einspruch gegen die Bebauung aller drei Flächen erhebt ein Ehepaar aus Altofing. Es sieht das Naherholungsgebiet beeinträchtigt und die Landschaft verunstaltet. Eine Bewohnerin von Aich wäre »todunglücklich«, wenn die Anlage gebaut würde. Sie möchte das »schöne Fleckchen Natur« erhalten wissen, und fragte, ob eine Gesundheitsschädigung durch das »Magnetfeld der Anlage« auszuschließen sei.

Schweighausener Bürger verweisen auf »besten landwirtschaftlichen Grund« und auf das Landschaftsbild. Sie fürchten zudem den Wertverlust ihrer Häuser und Grundstücke und schließen mit dem Satz: »Kein Anrainer von Schweighausen stimmt diesem Bauvorhaben zu.« Darunter die Unterschriften der Bewohner.

Bund Naturschutz stimmt nur eingeschränkt zu

Der Bund Naturschutz stimmt den Vorhaben nur eingeschränkt zu, denn es müssten Energieeinsparung und -effizienz im Vordergrund stehen. Solarstromanlagen sollten vor allem auf Dächern platziert werden, schreibt Vorsitzende Beate Rutkowski und empfiehlt der Gemeinde, doch die eigenen kommunalen Einrichtungen dahingehend zu prüfen.

Thomas Hager von der ausführenden Firma MaxSolar erläuterte den Gemeinderäten detailliert, wo und wie man den Anwohnern entgegengekommen sei: Mit kleinerer Fläche in Altofing, wo auch die Eingrünung in Ost und Süd verbreitert wird. Mit einem partiellen Abrücken in Aich. Dort wird wie in Schweighausen ein Blendgutachten erstellt. Eine »maximale Eingrünung« ist in Schweighausen ebenfalls vorgesehen. Dort wird man auch die Schaffung einer Streuobstwiese unterstützen, die von Schafen beweidet werden soll.

Hager gestand, dass es dennoch »keine Annäherung« gegeben habe. »Manche sind einfach von Haus aus dagegen«, befand Bürgermeister Karl Lanzinger. Klaus Haunerdinger (CSU) ist der Flächenverbrauch zu groß, während Franz-Martin Abfalter (CSU) das Projekt bei Schweighausen insofern begrüßte, als man damit eine Fläche aus der Produktion nehme, »die den Waginger See wirklich belastet.« Theo Pastötter (FW) plädierte dafür, Dächer zu nutzen.

Zweiter Bürgermeister Ludwig Prechtl (FW) stellte dem den jetzigen Maisanbau mit viel Düngereinsatz gegenüber, mit dem in der Biogasanlage ebenfalls Strom erzeugt werde. »Wir müssen was tun«, appellierte er an die Kollegen, »und die Flächen werden ja nicht zubetoniert.« Klaus Haunerdinger und Theo Pastötter sagten Nein zu Schweighausen, 13 Räte stimmten zu. Dieses Abstimmungsverhältnis zog sich durch alle Schweighausen betreffenden Aspekte.

Bei der Anlage nahe Altofing stimmten neben Haunerdinger und Pastötter auch Elvira Kraller (FW) und Anton Strasser (CSU) mit Nein. Hier hatte eine Familie Wertminderung, verstärkte Strahlung und den dort lebenden Milan ins Feld geführt. Skeptisch äußerte sich dazu auch die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt, da es sich bei dem dortigen Areal bereits um eine extensiv genutzte Fläche handle.

Mit dem vorgesehenen Kompensationsfaktor »besteht aus naturschutzfachlicher Sicht kein Einverständnis«, schreibt das Amt in seiner Stellungnahme und weist vorsorglich darauf hin, dass, sollte die floristische Kartierung ein gesetzlich geschütztes Biotop ermitteln, ein Zuschlag nicht erfolgen könne. Dem »landschaftlich sehr reizvollen Gebiet« attestierte der Fachreferent die Eignung für naturbezogene Erholung, ein solcher »erheblicher Eingriff« werde zumindest »kritisch gesehen«. Zu Gelächter und Kopfschütteln führte vor allem beim zweiten und dritten Bürgermeister mehrmals die Erwähnung von Zauneidechse, Ameisenbläuling, Feldlerche und Wachtel.

Marktgemeinde Teisendorf hat Bedenken

Allein für die Hanglage bei Aich gab es keine Gegenstimme. Von den Nachbargemeinden hatte sich lediglich Teisendorf mit einem Auszug aus dem Beschlussbuch gemeldet. Darin heißt es, es bestünden Bedenken wegen der »Entziehung landwirtschaftlicher Flächen«.

Der Pettinger Gemeinderat stimmte abschließend sowohl der Änderung des Flächennutzungsplans als auch der Erstellung der Bebauungsplanungen mit den Ergebnissen 13 zu 2, 11 zu 4 und 15 zu 0 zu. »Nach einer zweiten Auslegung kriegen wir die Angelegenheit wieder aufs Tablett«, machte Lanzinger deutlich, dass das Thema für ihn und die Kollegen noch keineswegs erledigt ist. höf