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Ihr Vorwurf: Stadtplatz ist dabei »Kloake und Müllhalde« – Veranstalter nimmt dazu Stellung

Anwohner beschweren sich über »Veitsdance«

Traunstein. Gute Stimmung herrschte am Faschingssamstag im Faschingszelt der Veitsgroma Zunft. Einige Anwohner sahen das jedoch anders und machten ihrem Ärger über den »Veitsdance« in einem Brief, der auch dem Traunsteiner Tagblatt vorliegt, gehörig Luft. »Diese Veranstaltung überschreitet nach unserem Gefühl mehrere Grenzen der Erträglichkeit«, schreiben Uwe Heymann und Franz Josef Fuchs darin.

Sie beschweren sich unter anderem darüber, dass »die Anwohner mehr als acht Stunden lang mit Lärm überzogen werden, der nur noch als Körperverletzung bezeichnet werden kann«. Zudem sei man in der Nacht damit beschäftigt, »sein Eigentum zu schützen«. Denn, so die Anwohner weiter, »der Stadtplatz und die umliegenden Straßen mutieren in dieser Nacht zur öffentlichen Kloake und Müllhalde«.

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Heymann und Fuchs betonen auch, dass mit der Faschingsveranstaltung am Stadtplatz »ein öffentliches Forum für den Kult des Komasaufens« geboten wird. Die Forderung der Anwohner ist klar: »Wenn Veranstaltungen regelmäßig in solch einem Exzess enden, dann sollten wir sie beenden.« Sie fügen hinzu: »Deshalb appellieren wir an die Veranstalter und den Stadtrat der Stadt Traunstein, das Konzept dieser Veranstaltung zu überdenken und Formen zu finden, die unserer Kultur des aufgeschlossenen Miteinanders wieder gerecht werden.«

Schon in den vergangenen Jahren gab es laut Oberbürgermeister Manfred Kösterke »einige unschöne Vorkommnisse« bei der Faschingsveranstaltung. »Aber nicht in dieser Massivität, wie es von Anwohnern nun geschildert wurde«, betont er. Er könne den Ärger der Anwohner nachvollziehen und sehe Handlungsbedarf.

Nur teilweise kann Sonja Preisach, Vorsitzende der Veitsgroma Zunft, diese Kritik nachvollziehen. »Ich kann es verstehen. Aber ich sehe das nicht so, dass es nur an uns liegt«, sagt sie. Beispielsweise dauerte der »Veitsdance« in diesem Jahr schon eine Stunde kürzer. »Und wir haben sogar noch früher aufgehört, als uns genehmigt wurde«, hebt die Vorsitzende hervor, »über das redet auch keiner.« Und auch nicht darüber, dass die ehrenamtlichen Helfer der Veitsgroma auch wieder alles aufgeräumt haben. Da sei auch teilweise der Müll der Faschingsnarren dabei, die in den umliegenden Wirtshäuser gefeiert haben, betont Preisach.

Das ist auch Kösterke bewusst: »Rund um den Stadtplatz fanden noch weitere Veranstaltungen und Faschingsfeiern an diesem Tag statt, weshalb wir nicht mit einhundertprozentiger Sicherheit sagen können, dass ausschließlich einige Besucher des ,Veitsdance' für die unschönen Vorkommnisse verantwortlich sind.« Dennoch macht er auch klar: »Der Veranstalter trägt die Verantwortung für das Verhalten seiner Gäste.«

Sonja Preisach findet es allerdings sehr wohl erschreckend, wie viele Jugendliche schon nachmittags alkoholisiert waren. »Ich war wahnsinnig entsetzt darüber, wie viele Jugendliche anscheinend nur durch Alkohol lustig sein können.« Diese bringen den Alkohol aber schon von zuhause mit, betont sie. »Die kaufen bei uns nichts«, fügt die Vorsitzende hinzu.

Demnächst wird es nun eine Nachbesprechung bei der Stadt geben. »Dann werden wir sehen, wie es weitergeht«, sagt Preisach. Man verliere jedenfalls durchaus die Lust, solche Veranstaltungen zu organisieren, wenn man danach nur alles Negative abbekomme, sagt Preisach. »Trotzdem wird am Faschingssamstag in Traunstein etwas los sein, auch ohne uns«, ist sie überzeugt.

Sonja Preisach möchte auf jeden Fall anregen, dass es bald auch ein Gespräch mit den betroffenen Bürgern geben soll. »Das ist mein Ziel«, sagt sie. Auch Manfred Kösterke verspricht: »Wir werden die Situation gründlich unter die Lupe nehmen und dann über weitere Schritte diskutieren.« Natürlich könne auch ein weiteres Gespräch mit den Anwohnern zur Klärung der Situation und Auslotung von Möglichkeiten dabei hilfreich sein, betont er. Kösterke ist sich zudem sicher: »Der 'Veitsdance' hat eine Zukunft, schließlich wollen wir diese vor allem bei den jüngeren Traunsteinern beliebte Veranstaltung nicht einfach verbieten.« SB