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Anwohner am Winkelzaun fühlen sich zu spät informiert

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Die leere Halle des bisherigen Bauunternehmers Sebastian Aschl junior wird bereits umgebaut, um 17 Wohneinheiten für bis zu 94 Flüchtlinge zu errichten. Diese Flüchtlingsunterkunft soll im Sommer fertig sein. (Foto: Humm)

Chieming – Die künftige Flüchtlingsunterkunft am Winkelzaun war das bestimmende Thema der Diskussion bei der Bürgerversammlung in der Chieminger Grund- und Mittelschule.


Anwohner Engelbert Enzinger zeigte sich enttäuscht von der Gemeinde und kritisierte die nach seiner Meinung zu kurzfristige Information über den Bau der Flüchtlingsunterkunft. Er meinte, die Gemeinde hätte die Abstimmung zum Umbau des Gewerbegebäudes in 17 Wohnungen zur Unterbringung von bis zu 94 Flüchtlingen zurückstellen müssen. Verärgert war er auch darüber, dass weder das Landratsamt noch die Gemeinde mit den Anwohnern eine Besichtigung vor Ort vorgenommen hätten und Bürgermeister Benno Graf wie auch die Räte die Bedenken der Anwohner nicht angehört hätten.

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Haus verkaufen und wegziehen?

Enzinger betonte, bei einer Zurückstellung des Bauantrags hätten die Anwohner nach Alternativen suchen können. »Eine Grundstücksbesitzerin wäre bereit gewesen ein Grundstück anzubieten«, sagte er. Er überlege nun, sein Haus am Winkelzaun zu verkaufen und wegzuziehen. »Das ist nun der Dank dafür, dass ich viel Soziales in der Gemeinde Chieming in vielen Jahren geleistet habe«, sagte er enttäuscht.

Dazu sagte Bürgermeister Benno Graf, auf dem als alternativ angebotenen Grundstück wäre eine geeignete Unterkunft nicht zu realisieren gewesen. Unter anderem hätte dort erst für entsprechend hohe Kosten ein Kanal gebaut werden müssen. Der Bürgermeister sagte weiter, das Schlimmste der Anwohner sei die Angst, was kommen wird und hält diese Eigenschaft für unbegründet.

Ewald Enzinger meinte, als mögliche Alternative würde sich das Gelände am Bauhof in Egerer anbieten. Graf entgegnete, da hätte das Landratsamt nicht mitgemacht, zudem seien seit längerer Zeit geeignete Container nicht griffbereit.

Hans Aderbauer meinte, die Ängste der Anwohner seien durchaus verständlich. Die Zurückstellung des Bauantrags seitens des Gemeinderats wäre richtig gewesen. Man hätte in Arbeitskreisen zusammen mit den Anwohnern nach einer für alle zufriedenstellenden Lösung suchen können.

Sebastian Heller, gemeindlicher Asyl- und Migrantenbeauftragter sagte, ein Unsicherheitsfaktor für die Anwohner sei es, dass sie nicht wüssten, ob Einzelpersonen oder Familien und aus welchen Ländern sie kommen werden.

Er kündigte die Erstellung eines Rahmenkonzepts an und versicherte, dass die Flüchtlinge von qualifizierten Leuten täglich betreut werden. »Des Weiteren werden wir den bewährten Helferkreis aus dem Vorjahr mit einbinden, die Erfahrungen von Nachbargemeinden im Umgang mit Flüchtlingen nutzen und regelmäßig die Öffentlichkeit informieren«, versprach er.

Eine Chieminger Bürgerin kritisierte die große Zahl von bis zu 94 Flüchtlingen auf engem Raum. Sie befürchtete dadurch Konflikte untereinander. Bürgermeister Graf versuchte, zu beruhigen: »Lasst doch die Flüchtlinge erst mal kommen.« Christel Pletschacher, eine Helferin für Flüchtlinge, sagte, sie habe stets gute Erfahrungen mit ihnen gemacht.

Ein weiterer Diskussionspunkt war die nahezu täglich zu sehenden Geschwindigkeitsüberschreitungen, vor allem auf der Staatsstraße 2095 und auf der Kreisstraße in Richtung Weidach. Manfred Prankl sagte, auf diesen kerzengerade verlaufenden Straßen werde eindeutig zu schnell gefahren. Er regte die Einführung von dauerhaften Blitzeranlagen an und bedauerte, dass Behörden meist erst dann aktiv würden, wenn es zu schweren Verkehrsunfällen gekommen sei. »Diese gibt es bereits«, sagte er und forderte die Gemeinde auf, bei den zuständigen Stellen vorzusprechen.

Mehrere Bürger sprachen auch die in jüngster Zeit schweren Unfälle auf der Staatsstraße 2095 im Kreuzungsbereich vor dem Goriwirt und an den Abzweigungen in Richtung Schule und bei Kleeham an. Dazu sagte Bürgermeister Graf, er kenne diese Unfallschwerpunkte und habe bereits Gespräche mit den zuständigen Behörden geführt. Er hoffe nun auf baldige positive Reaktionen.

Ewald Enzinger berichtete, seine Firma werde ständig zugeparkt. Er wünsche sich im Gewerbegebiet Egerer die Aufstellung von Halteverbots-Schildern und eine vermehrte Präsenz der Polizei.

Kreuzungen an der Staatsstraße sind gefährlich

Doris Wagnerberger zeigte sich wenig begeistert vom Zustand der Mitte des Kreisverkehrs in Laimgrub. Er könnte ihrer Meinung nach bunter gestaltet werden. Auch sie sagte, die Kreuzungen entlang der Staatsstraße 2095 seien gefährlich. Sie erinnerte an die drei Toten im Vorjahr. Der gerade Verlauf der Strecke führe immer wieder zu hohen Geschwindigkeiten.

Ein Neubürger bemängelte das Fehlen von Grundstücken nach dem Einheimischen-Modell, da Grundstücke auf dem freien Markt in Chieming finanziell schwer erschwinglich sind. OH